1. Mai in Kreuzberg – Party wichtiger als Politik

In Berlin by Joseph

Der erste Mai ist traditionell ein wichtiges Datum für die linke Szene. Am „Kampftag der Arbeiterklasse“ wird mobilisiert, demonstriert und auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam gemacht. Dieses Jahr zogen mehrere tausend Demonstranten durch Kreuzberg. Besonders in Erinnerung bleibt hier der 1. Mai 1987, wo linksautonome Gruppen die Polizei weitestgehend aus dem östlichen Kreuzberg verdrängte. Seit diesem Jahr veranstalten linke Gruppierungen regelmäßig „Revolutionäre 1. Mai Demonstrationen“ in Berlin.

Demos weitestgehend friedlich

Dieses Jahr ist der 1. Mai weitestgehend friedlich geblieben. Polizeisprecher Thomas Neuendorf spricht sogar vom friedlichsten 1. Mai seit 1987. Ein Blick auf die Polizeibilanz scheint dies zu bestätigen: Insgesamt gab es 103 Festnahmen, knapp 200 Strafanzeigen und 20 leicht verletzte Einsatzkräfte. Insgesamt war die traditionelle Demo mit 7.000 Teilnehmern deutlich schlechter als im Vorjahr besucht. Auch die Demonstration durch das Villenviertel Grunewald am Nachmittag des 1. Mai verlief weitestgehend friedlich. Die Polizei rechnete zwar nur mit 200 Demonstranten und war dementsprechend überrascht, als 3.000 Menschen dem Aufruf folgten. Größere Zwischenfälle gab es jedoch keine, aufgenommen wurden lediglich 66 Fälle von Sachbeschädigung. Nun stellt sich die Frage, inwiefern der 1. Mai als Feiertag noch politische Relevanz besitzt. Denn abgesehen von politischen Protesten waren vor allem die zahlreichen Straßenfeste, wie beispielsweise das MyFest und MaiGörli überaus gut besucht.

Party statt Politik

Die Straßen waren voll mit gut gelaunten, friedlichen Partygängern. Viele Geschäfte lockten mit Musik, Getränken oder Speisen, was von dem Publikum gerne angenommen wurde. Der politische Charakter des MyFests rückte eindeutig in den Hintergrund. Stattdessen bleibt die Traditionsveranstaltung als Trink- und Fressmeile mit zweifelhaftem Musikerlebnis bestehen. Im Viertel rund um die Oranienstraße wurde gefeiert, gelacht und getanzt. Somit ist das Konzept des 2003 ins Leben gerufenen MyFests aufgegangen. Die Kreuzberger und ihre Gäste haben sich ihr Viertel zurückerobert – die Revolutionäre zogen den Kürzeren. Währenddessen fand im Görlitzer Park wie jedes Jahr das MaiGörli statt, dieses Mal allerdings mit neuem Konzept. So wurden Taschen beim Zugang zum Park kontrolliert und Glasflaschen waren verboten. Zwischenzeitlich gab es sogar Einlassstopp, da die Anlage mit mehr als 15.000 Besuchern an die Grenzen ihrer Kapazität gestoßen ist.

Auf in den Mai

Fröhlich, bunt und friedlich war er. Es bleiben schöne Bilder eines tollen Stadtfests. Mehrere Zehntausende Menschen haben friedlich in den Mai gefeiert. Auch die Polizei zieht eine positive Bilanz – nennenswerte Ausschreitungen gab es nicht und auch die größeren Demonstrationen seien friedlich verlaufen. Wir freuen uns aufs nächste Jahr.