Schwimmen lernen mit Skuzzlebuzz

In Musik by Jan

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Die Hamburger Band Skuzzlebuzz ist eine erfrischende Alternative zur glattgestylten Konformgesellschafft. Der Gründungsgedanke ist nicht mehr exakt zu rekonstruieren, das erste Konzert fand jedoch nachweislich vor einigen Jahren auf einer privaten Großveranstaltung in Hamburg-Neuwiedenthal statt. Jimmy (Melodie-Gitarre), Jonny (Rhythmus-Gitarre), Tom (Schlagwerk), Rocky (Bass) und Pete (Trompete) – allesamt Bademeister im schnieken Feinrippshirt, bestückt mit Goldkettchen – präsentieren ausgewähltes Liedgut und Empathie zur Musik.

Diese Band sollte nicht als Coverband im klassischen Sinn verstanden werden. Vielmehr als Option, sich von professionellen Musikern in die Klangwelt des Trash, Twist und Surf der 60er Jahre mitnehmen zu lassen. Inhaltlich bearbeiten ihre verschiedenen „Schwimmkurse“  Theme Songs aus Filmen und TV-Serien, wie zum Beispiel jenen von Dick Dale, der den meisten wohl aus Pulp Fiction bekannt sein dürfte, oder etwa Hawaii Five-0, ein Hava Nagila, sowie auserlesenen 90ziger Pop. Trash meint hier, angesichts der Spielgüte der Bandmitglieder, nicht das musikalische Level, sondern vielmehr das im Prollo-Outfit propagierte Image der Truppe.

Stagetime heißt Skuzzlebuzzscher „Schwimmkurs“, angeleitet vom Bademeister Tom an den Drums. Wenn dieser zwischen den Songs, die auch als einzelne Bahnen im Becken zu verstehen sind, kein Ende findet, die Badegäste vom Beckenrand dicht zu quatschen, gibt’s einen mit der Trillerpfeife. Bei der Kursteilnahme darf man sich freuen, im Hamburger Fachjargon durch den Abend begleitet zu werden. Wer hier nicht Schwimmen lernt hat einfach keine Kiemen.

Konzeptionell bewegt sich die Gruppe im Low-Budget-Sektor. Kein Label, kein Management, dafür aber viel Liebe zum Detail und zur Musik selbst. Somit ist das einzige Manko auch das nicht vorhandene Album, dessen Veröffentlichung, angesichts der Songrechte der bespielten Stücke, auch zukünftig noch in den Sternen stehen dürfte. Auf der Homepage sind jedoch einige Audios sowie das Video zur  „Badesaison 2014“ präsentiert.

Die derzeitige alternative, alle Songs auch nach Kursbesuch erneut hören zu können, ist, die Originalversionen im Netz oder im Plattenregal ausfindig zu machen. In diesem Fall leider ohne das einzigartig spritzige Badeerlebnis der Neuinterpretationen des Quintetts. In erster Linie ist Skuzzlebuzz ein Liveobjekt mit nachhaltigem Genussfaktor.

Ich selbst hatte vor zwei Wochen das Vergnügen auf den Hamburger Landungsbrücken Schwimmen zu lernen und lege jedem ans Herz, sich bei passender Gelegenheit die Badehose anzuziehen und sich Nass zu machen. Zum Beispiel hier!