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4. März 2013 – Autor: Genre:

Beide gleichzeitig von ihren Freundinnen verlassen, mit der Mission ihren Liebeskummer zu ertränken, zogen Joakim Sveningsson und Daniel Johansson 2005 los. Die Tour durch das Stockholmer Nachtleben endete im Tonstudio. Das Ergebnis begeisterte die Schweden so sehr, dass sie erstens beschlossen weiter Musik zu machen und zweitens dies von nun an nicht mehr nüchtern zu tun. Die Investition in die hochbesteuerte schwedische Getränkeindustrie zahlte sich 2006 in Form des Debütalbums „Bravo!“ aus. Mit ihrer aktuellen, mittlerweile fünften Platte „Remember my name“ in der Tasche, spielten Friska Viljor am Samstag im Huxley’s Neue Welt.

Auch oder gerade als das Keyboard in den ersten fünf Minuten in sich zusammenfällt oder wenig später das Mikro Probleme bereitet und mitten im Song abgebrochen werden muss, zeigen sich die Livequalitäten der Band. Der Keyboarder klatscht zweimal in die Hände, schwingt sich ans Klavier und erweckt für einen kurzen Moment den Eindruck, als sei alles genau so geplant (würden die Techniker nur nicht hektisch versuchen, das Instrument wieder aufzurichten). Und Joakim beginnt nach einem „Feierabend!“ Ruf aus dem Publikum mit dem Kommentar „What is this? Like ‚exit‘? Then – we don’t do Feierabend yet“ einfach von vorn.

Das bunt gemischte und für Kreuzkölln herrlich unaufgesetzte Publikum (die Hipster waren ja auf ihrer Olympiade)  erfreute sich sichtlich Friska Viljors “Kindermusik mit erwachsenen Texten” (Joakim). Als Sextett standen sie auf der Bühne und präsentierten ihre ungewöhnliche Mischung mit Elementen aus Folk, Indie und 90ger Funk, mit dem gewissen Extra aus Trompeten, Akustik-Gitarre, Glockenspiel und Ukulele.  Auch wenn sich die Texte um Liebeskummer oder die Suche nach dem Glück drehten – die Schweden klangen fröhlich und vor allem echt.

Gerade im manchmal arg elektrogeplagten Berlin sind Songs, die eine Geschichte erzählen, Balsam für die Seele.  Wie Friska Viljors musikalische Tribute „Wohlwill“ an die gleichnamige Straße am Hamburger Berg, wo die Band in ihren Anfangstagen zunächst das ein oder andere Astra vernichtete, dann in einem kleinen Record Store ihre ersten Konzerte im Ausland gab und von wo sie ihren Siegeszug startete.

httpv://www.youtube.com/watch?v=iawkJ890ht4

Oder der Song „Useless“, in den wohl die oben erwähnte Portion Herzschmerz und Männermelancholie geflossen ist.

httpv://www.youtube.com/watch?v=NRaBztANfvU

Auch wenn Liebeskummer und Lebenskrise der beiden Bandgründer zu großen Teilen überwunden scheint und sie mittlerweile stolze Familienväter sind: die kreative Energie für Songs, die das Herz ganz satt machen, ist ihnen dabei nicht abhanden gekommen. Und wahrscheinlich ist mit den Schweden auch immer noch gut ein Bier zu trinken.

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