AdBusting – eine politische Kunstform

In Berlin by Joseph

Werbung zerstören, Werbung verändern, Werbung verschönern – darum geht es beim sogenannten AdBusting. 

Kaum kommst du aus dem Haus, wird dir die neue Fanta mit noch besserem Geschmack präsentiert. An der S-Bahnstation bringen dir abgemagerte H&M-Models Styles für die neue Saison nahe und eine, mit Botox aufgespritzte Mittfünfzigerin wirbt für die neuste Antifaltencreme. Den Sternenhimmel sieht man aufgrund der Leuchtreklame sowieso nicht mehr. Das Werbung im öffentlichen Raum viel Präsenz einnimmt lässt sich nicht bestreiten – dass dies einigen Leuten stinkt allerdings auch nicht!

AdBusting – eine politische Kunstform

AdBusterInnen werden gegen Werbung im öffentlichen Raum aktiv. Oftmals werden Plakate überklebt, verändert oder sogar zerstört. Die Grenze zwischen Kunst, politischem Aktivismus und Vandalismus ist dabei fließend. Doch meist geht AdBusting über reine Zerstörung hinaus. Es hat sich eine Kunstform etabliert, die ähnlich der StreetArt mit einer gehörigen Portion Kreativität aufwarten kann. Die Aktivisten kritisieren, dass Werbung oft eine geschönte Wirklichkeit abbildet und mit der Realität wenig gemein hat. Beispiele gefällig: Models werden mit viel Schminke und Bildbearbeitungsprogrammen von Profis gekonnt in Szene gesetzt, damit sie jugendlicher, schlanker und angeblich attraktiver aussehen. Kein McDonalds-Burger, sieht aus wie auf dem obigen Bild und die babyglatte Mittfünzigerin mit der Antifaltencreme hat bestimmt auch die ein oder andere Schönheits-OP und/oder Photoshop-Makeover bekommen.

Ziel ist es Werbung als scheinheilig zu entlarven

Um auf die Diskrepanz zwischen Werbewelt und Realität aufmerksam zu machen, werden AdBusterInnen kreativ: Werbung wird durch Schriftzüge oder Malereien unkenntlich gemacht, oder parodiert. Besonders aktiv in Berlin sind die Aktivisten des Kollektivs „Dies Irae„, die regelmäßig mit ihren Aktionen auffallen. Ziel sind dabei nicht nur große Unternehmen, wie beispielsweise McDonalds oder H&M, sondern auch die Politik. Des Öfteren fiel die Gruppe durch Aktionen in der nähe des Bundestags auf, wo gegen Waffenexport oder die Tabaklobby plakatiert wurde – so ein Mitglied des Kollektivs im Interview mit der taz. Die Berliner Ignoranz spielt AdBusterInnen in die Hände: Passanten interessieren die Vorgänge an den Plakaten nicht besonders, gerade wenn der- oder diejenige mit Warnweste oder Blaumann unterwegs ist.

Das AbBusting mittlerweile im Trend liegt, zeigt sich auch an der Kampagne von arte, die mit einer aufwendigen Plakat-Kampagne für eine Doku-Reihe über Karl Marx geworben hat. Der Clou: auf den Plakaten waren „aufgesprühte“ Marx-Zitate aufgedruckt, die auf den ersten Blick als AdBusting durchgegangen sind.

AdBusting braucht nicht mehr als eine Spraydose und eine gute Idee – und weil es so schön ist, haben wir noch ein paar Beispiele für euch gesammelt:

Yes 👌! #adbusting

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Foto:      kultmucke.de: © Joseph Scheuermann