Kultverdächtig: Adna

In Musik by Martin

Mit jedem neuen Beitrag wird das akustische Spektrum unserer Rubrik “Kultverdächtig” um eine Nuance reicher. Ausflüge in alle auditiven Himmelsrichtungen lieferten uns dabei eine derart bunte Palette an Sounds, dass wir uns selbst manches Mal kneifen müssen, um zu begreifen, welche Kraft dieses Projekt mittlerweile in sich trägt. Unsere Familie ist gewachsen, hat feste Bündnisse geknüpft und wunderbare Menschen in ihrem Kreis begrüßen dürfen. Heute gesellt sich noch ein weiterer dazu: Die in der Vielfalt verwurzelte Adna.

Im Schatten der Nacht

Adna by Rebecca Fexby (1)Was bedeutet Musik für dich?

Ich möchte nicht zu überheblich klingen, aber ich stelle mir Musik gern als Kunst vor, als ein Werkzeug, mit dem man sich selbst zum Ausdruck bringen kann.

Vor zwanzig Jahren erblickt Adna Kadic in Gävle, an der Mündung des Bottnischen Meerbusens, das Licht der Welt. Ihre Familie hat zuvor das vom Krieg geschundene Bosnien verlassen, um in Schweden einer friedlicheren Zukunft entgegenblicken zu können. So wächst das Mädchen zwar im hohen Norden auf, doch prägen zahlreiche bosnische Bräuche und Traditionen ihre Kindheit. Heute schlagen zwei Herzen in Adnas Brust.

“Obwohl ich in Schweden aufwuchs, begleitete mich zu Hause immer die bosnische Sprache. Dadurch werde ich mich dem Bosnischen immer etwas verbundener fühlen.”

Als Heranwachsende besucht Adna eine Schule, deren Schwerpunkt auf der Musik liegt. Obwohl diese in ihrem Elternhaus nie eine große Rolle spielte und auch Adna vorerst wenig Interesse für die Welt aus Ton und Klang hegt, führt der regelmäßige Chorunterricht sowie daran gebundene Fahrten und Erlebnisse dazu, dass eine leise Passion in Adna zu keimen beginnt. Schon kurze Zeit später begeistert sich die Schülerin für das Singen, Komponieren und all die musiktheoretischen Grundlagen, die ihr vermittelt werden. Erste eigene Songs entstehen und münden 2012 in der selbst betitelten EP “Adna”. Ihre Eltern zeigen sich begeistert vom Talent ihrer Tochter.

Meine Familie ist mein größter und wichtigster Support.

Wie denkst du heute über deine Debüt-EP?

“Angesichts der Tatsache, dass ich fünfzehn beziehungsweise sechzehn war, als ich sie geschrieben habe, und dass ‘Corner Of My Heart’ der erste Song war, den ich je schrieb, um mich damit weiter bewerben zu können, denke ich, dass sie ganz o.k. geworden ist.”

Adna EPAdna ist nicht die einzige Künstlerin, die in der Reflexion, kritisch auf die eigene Arbeit zurückblickt. Viele ihrer Kollegen und Kolleginnen berichten ähnliche Gefühle in Bezug auf ihre ersten Veröffentlichungen. Nur sind es am Ende eben die Hörer, deren Meinung zählt, und diese zeigen sich von Anfang an völlig begeistert, was die gefühlsgeladenen Tracks betrifft, die “Adna” zu bieten hat. Zwischen Emotionalität und Verspieltheit tänzeln Stücke wie “She”, das eingängige “All I See And Hear” oder “People Always Leave” hin und her. Dazu gesellt sich die tiefe und sanfte Stimme Adnas – eine Wohltat für das Ohr. An der Schwelle zum Erwachsenwerden präsentiert Adna einen innovativen Entwurf moderner Popmusik und plötzlich meldet sich auch die schwedische Regierung zu Wort und ehrt die Sängerin mit einem Künstlerstipendium.

Ich schrieb eine Mail und fragte, ob sie sich vielleicht an die falsche Person gewandt hätten.

Doch, ob sie es glauben mag oder nicht, in Adna hat eben jene Nachricht tatsächlich ihre vorgesehene Empfängerin gefunden. In der Folge kann sich die Songwriterin mit Haut und Haar der Produktion einer ersten LP widmen, ohne dabei die permanente Angst im Nacken zu verspüren, kein Geld für das alltägliche Leben zur Verfügung zu haben.

NightWas kannst du zu der Entstehung deines Debütalbums, das den Titel “Night” trägt, berichten?

“Ich hatte neun Songs und neun Ideen. Ich wusste, wie diese klingen sollten, nur verfügte ich damals weder über das Wissen, noch über das richtige Equipment, um sie auf eine Platte zu bringen. Also ging ich zu Samuel Lindberg und später zu Ida Redig, in deren Studios ich die Tracks einspielte. Vor allem Samuel half mir sehr dabei, meine Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Am Ende mixte und masterte Henrik Alsér, der wirklich der Beste ist, das Album.”

Dunkelheit, Ruhe, Raum und Weite sind die Motive, auf denen Adnas Erstlingswerk gründet. “Night” zeichnet sich durch klare Linien auf trüben Strukturen aus. Es ist eins der Alben, das erst durch intensives Hören, seine komplette Gewalt zu enthüllen vermag. Natürlich funktioniert es auch als leise Hintergrunduntermalung eines abendlichen Zusammentreffens, nur bleiben dabei wohl viele der liebevollen Details im Verborgenen.

Ob der Opener “Dreamer”, das von Klavier getragene “Limit” oder das sehnliche “Nightbreeze” – Adna hat sich und ihre Songs den großen Gefühlen verschrieben. Gleichsam erzählt sie Geschichten, die mannigfaltige Deutungen zulassen. Dadurch hat jeder Hörer die Möglichkeit, ganz eigene Verbindungen zu Stücken wie dem von Trommeln begleiteten “The Prettiest” oder dem zurückgenommenen “Rain” zu knüpfen und dabei gleichzeitig seine individuellen Erfahrungen mit zu verweben.

Während der halben Stunde, die die akustische Nacht währt, schreitet Adna durch das Unterholz eines urtümlichen Klangwaldes, badet im Mondlicht und malt Sternenkarten in den Himmel. Der Song “Falling” wartet mit einer  überraschenden Bridge auf, “Running” zelebriert Langsamkeit und Schwere und das titelgebende “Night” wird zu einer der Nummern, die einem auf Anhieb vertraut vorkommen und deren Nachhall, auch nach Tagen noch zu vernehmen ist. In “Thoughts”, dem letzten Stück der Platte, findet all die vorangegangene zärtliche Melancholie schließlich ihre Auflösung und ein sanfter Lichtschimmer ist am fernen Horizont zu erahnen. Danach wird es still.

Stille führt zu neuen Songs.

Drei wundervolle Videos begleiten dein Album “Night”. Ihr habt sie an wenigen Tagen in Krakau gedreht.

“Das war eine tolle Zeit und es ist bitterkalt gewesen – wir drehten im Februar 2013, als der Winter erbarmungslos war. Für mich war das eine tolle Erfahrung, da ich mich normalerweise nicht wirklich wohl vor der Kamera fühle. Mit solch talentierten Menschen zu arbeiten und viele neue Freunde zu gewinnen, gefiel mir sehr. Ich bewundere die Resultate und bin erstaunt, wie viel besser sie geworden sind als alles, was ich erwartet hatte.”

Obwohl es bereits ihre Debüt-EP angedeutet hatte, manifestiert Adna mit dem Release von “Night” schlussendlich ihren Ruf als schwedische Nachwuchshoffnung. Dabei muss sie selbst oft schmunzeln. Hat sie doch meist überhaupt nicht den Eindruck, eine professionelle Sängerin zu sein – schließlich folge sie einzig dem inneren Druck, sich selbst ausdrücken zu wollen.

Wie erlebst du als Schwedin eigentlich die musikalische Seite deiner Heimat?

“Schweden hat auf jeden Fall eine sehr großartige musikalische Seite, wobei ich denke, dass es noch viele weitere talentierte Leute gibt, neben denen, die wir alle kennen. Die Schweden sind in vielen Genres begabt. Manchmal denke ich allerdings auch, dass der Grund, warum Schweden innerhalb der Industrie als so stark gilt, nur darin liegt, dass sein Ruf eben genau dieser ist.”

Adna (4)

Wie alle Artists vor ihr bekam auch Adna von uns die Aufgabe, im Rahmen ihres Features, einen Coversong für unsere “Kultverdächtig”-Playlist aufzunehmen. Es ist dabei immer wieder interessant zu sehen und vor allem zu hören, für welche Stücke sich die jeweiligen Musiker entscheiden. Adna verließ sich in diesem Zuge ganz auf ihre Intension.

“Ich wählte das erste Stück, das mir in den Kopf kam, und zwar einen Song von Damien Jurado namens ‘Working Titles’. Es ist einer dieser Songs, bei dem du denkst, dass alles genauso klingt, wie es sollte. ‘You could mess up my life in a poem, have me divorced by the time of the chorus. There’s no need to change any sentence, when you always decide where I go next.’, ich wünschte, ich hätte diese Lyrics geschrieben.”

Adnas Version von “Working Titles” stellt sich etwas sphärischer und weitläufiger als das Original dar und besitzt dadurch einen komplett eigenständigen Charakter.

Aktuell lebt Adna in Berlin. Nachdem sie im Oktober des letzten Jahres für ein Wohnzimmerkonzert in die Stadt gekommen war, konnte sie sich deren Sog der nicht mehr entziehen und entschied wenig später, nach Berlin überzusiedeln. Seit sechs Monaten ist sie nun Teil der brodelnden Metropole. Von Neukölln aus agiert die junge Exilschwedin, arbeitet an ihrem Zukunftsplan, der die Veröffentlichungen weiterer Alben beinhaltet, und organisiert zudem auch ihre Touren. Dank dieser lassen sich Adnas Passion für das Reisen und ihre Leidenschaft, Konzerte zu spielen, perfekt miteinander vereinen.

Wie sieht ein perfekter Tag für dich aus? 

Vielleicht im Bett zu bleiben, Bilder von Möpsen zu googeln, schlechte Filme oder deutsche Dokumentationen zusammen mit meiner wunderbaren Mitbewohnerin Julia zu schauen, Nutella zu essen, für eine oder zwei Stunden zu proben und dann wieder ins Bett zu gehen, um von vorne zu beginnen.

Kultverdächtig

Wer Birdys Fragilität mag, wird Adnas Feinfühligkeit lieben. Wer von MS MRs Ekstase nicht genug bekommen kann, findet in Adnas Kompositionen ein würdiges Gegenstück. Wer musikalisch interessiert ist, kann mit Adna definitiv ein neues auditives Kapitel aufschlagen. Kurzum: Adna birgt Kultpotenzial.

Gewinnspiel

Kultmucke verlost zwei CD-Exemplare von Adnas “Night”. Um eins von diesen zu gewinnen, sollten Interessierte bis spätestens kommenden Mittwoch, den 30.07.2014, eine Mail mit dem Betreff “Adna” an martin@kultmucke.de geschickt haben. Unter allen Einsendungen werden die Gewinner zufällig ermittelt. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Interessante Links

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Offizielle Website

Adna bei Facebook

Soundcloud-Profil von Adna