Alex Highton: Let’s do it together!

In Interview, Musik by Martin0 Comments

Der Eigenverantwortung kommt innerhalb der Musikbranche eine immer größere Rolle zu. Nachdem sich der Geschmack der wankelmütigen Hörerschaft kaum noch vorhersagen lässt, setzten immer mehr Künstler auf ihre eigene Wirkkraft, starten Crowdfunding-Kampagnen oder veröffentlichen ihre Alben auf eigene Faust.

Vor allem im Independentbereich hat sich das DIY-Prinzip durchgesetzt. Auch unser Lieblingsgentleman, Mr. Alex Highton, hat sein letztes Album „Nobody Knows Anything“ mithilfe der populären Schwarmfinanzierungsmethode realisiert. Deshalb verwunderte es uns nicht, als wir erfuhren, dass er für den Nachfolger „Welcome To Hapiness“ wieder gemeinsame Sache mit seinen Fans und anderen Interessierten machen würde. Auch wir möchten ihn unterstützen, und stellen euch heute sein neustes Projekt vor. Im Gegenzug schenkt uns der Brite einen exklusiven Vorgeschmack auf Platte Nummer drei.

Alex, wie genießt du die ersten Frühlingstage?

„Nun, die Sonne ist endlich aufgetaucht, weshalb ich mich weniger im Studio aufhalte, sondern viel mehr Zeit im Garten verbringe und über Musik nachdenke, die ich im Studio machen könnte.“

Mrs Highton hat mir gerade eine Ukulele gekauft, die ich zu beherrschen versuche. Vermutlich zum großen Leid unserer Nachbarschaft.

Alex Highton by Eden Bailey (2)Es gibt Neuigkeiten! Ein neues Album ist in der Mache. Was erwartet uns?

„Ich tendiere immer eher dazu, zu schreiben, was eben kommt, als über eine Richtung nachzudenken, der ich folgen könnte. Etwas, das ich ausprobierte, war, ohne Gitarre oder Klavier zu schreiben. Das warf mich zwar aus meiner Komfortzone, befreite mich aber auch und steigerte meine Kreativität. Ich bin weder der beste Gitarrist, noch Pianist auf dieser Welt. Mir sind dabei Grenzen gesetzt. Aber im Kopf, tja, da kann ich alles tun! Glücklicherweise bin ich von großartigen Musikern umgeben, die meine Ideen in die Realität übersetzen können, wozu ich nicht in der Lage wäre. Dieses Mal produziert David Dobson alias Bear zusammen mit Jonathan Czerwik mein Album und wir sprachen viel darüber, wie die Platte klingen sollte. Die meisten meiner alten Sachen wurzeln im Folk oder in Songwriter-Traditionen, wohingegen ich von viel mehr Genres beeinflusst werde, weshalb die neue LP auch völlig woanders entspringt. Ich glaube, klanglich werden wir bei einem Gemisch aus Serge Gainsbourg, Here We Go Magic, Can, The Beach Boys, Bowie und Faust landen. Aber am Ende weiß das nur Gott.“

Kannst du schon irgendwelche Details enthüllen, die bisher niemand kennt?

„Nicht viel. Es wird kaum akustische Gitarre auf dem Album geben. Das wusste bis jetzt noch keiner.“

Dann setzen wir noch mal ein wenig nach und präsentieren heute exklusiv ein Demostück, das im Entwicklungsprozess von „Welcome To Hapiness“ entstanden ist. Was kannst du uns zu diesem erzählen?

„Es handelt sich dabei wirklich um eine sehr rohe, zuhause aufgenommene Demoversion, weshalb man mir bitte nachsehen muss, dass sie nicht ganz so anziehend wirkt. Die Melodie fiel mir ein, als ich draußen Laufen war. Als ich zurück war, bin ich direkt in mein kleines Studio und habe diese Version eingespielt. Einzig eine Drum-Spur wurde noch hinzugefügt. Ich hatte die Idee, dass der Rhythmus ein Breakbeat sein sollte, doch Jonners Czerwik, der selbst Schlagzeug spielt, sinkt und eigentlich fast nichts nicht kann, wollte das Ganze noch ein wenig weiterentwickeln. Textlich geht es um verschiedene Dinge, aber das soll jeder für sich selbst herausfinden. Ach, ich muss mich auch noch für den furchtbaren Gesang am Anfang entschuldigen!“

Du hast, wie bereits beim Vorgänger, auch dieses Mal eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um dein Album zu realisieren. Wie zuversichtlich bist du?

„Ich bin eigentlich nie zuversichtlich. Ich glaube immerzu, dass das Ganze schiefgeht und ich dieses Album nicht machen werde. Dennoch darf ich mich glücklich schätzen, dass es eine kleine, aber sehr loyale Menge von Leuten rundum die Welt gibt, die mehr von meiner Musik hören will. Ohne sie wäre ich vermutlich nicht in der Lage, überhaupt Platten herauszubringen. Viele Leute, die das Projekt unterstützt haben, begleiten mich seit meinen Anfängen. Wir haben uns meist schon auf Social-Media-Kanälen, im realen Leben, nach Gigs oder irgendwie anders unterhalten. So kennen wir uns ein wenig. Ehrlich gesagt, bin ich wahnsinnig dankbar dafür!“

Warum sollte man das Projekt unterstützen?

„Schwierige Frage! Nur, wenn man die Musik mag, nehme ich an. Vielleicht hört man sich am besten an, was ich auf meinen vorherigen Alben gemacht habe, oder begutachtet die Demos auf der Crowdfunding-Website. Dann wird man sehen, ob es einen mitnimmt oder nicht. Es sind keine wohltätigen Spenden gefordert, sondern man wird hier Teil des Prozesses, weil man die entsprechende Musik hören will und es für einen gewissen Wert für einen selbst hat. Nicht jeder wird die Sachen mögen, womit ich leben kann.“

Was mir wichtig ist, dass die Leute, die an Bord sind, sich auch involviert fühlen. Und das nicht nur während der Kampagne.

„Wenn du etwas vorbestellt, gehörst du aus meiner Sicht zum Team. Deswegen aktualisiere ich die Website regelmäßig und frage nach Meinungen, wenn es zum Beispiel um Studiozeug, Fotos, Demos oder andere Dinge geht. Jeder soll sich so gut wie nur irgend möglich einbezogen fühlen.“

Hast du selbst schon für Crowdfunding-Projekte unterstützt?

„Ja, viele! Tatsächlich kaufe ich die meiste Musik so. Von Independentkünstlern. Ich mag auch den Verbindungsaspekt. Zuletzt unterstützte ich Tom Robinsons neues Album.“

Gibt es noch etwas, das du mitteilen möchtest?

„Danke fürs Lesen! Ich hoffe, ich habe nicht zu Tode gelangweilt. Hört euch all die Interpreten bei Gare Du Nord Records, Ralegh Long, Rotifer, Papernut Cambridge, Picturebox, Rapid Results College, sowie Tall Tree 6ft Man und mein aktuelles Lieblingsalbum ‚Imperial Splendor‘ von Mattis & The Grand Trunk Road an.“

 

Fotos © by Eden Bailey

Leave a Comment