Birdy tischt ihren Hörern hübsche Lügen auf

In Musik by Martin

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Erwachsenwerden – für viele Menschen stellt dies die erste wirklich kräftezehrende, an viele Selbstzweifel und innere Konflikte gebundene Herausforderung im Leben dar. Kein Wunder also, dass das Thema auch in der Popmusik, besonders im Songwriting junger Künstler, viel Platz einnimmt. Nach einem von der Kritik gefeierten Debütalbum, auf dem Jasmine van den Bogaerde alias Birdy ihr Talent für ergreifende Coverversionen bekannter und weniger bekannter Indiesongs bewies, und einem nicht ganz so erfolgreichen Zweitwerk legt die Britin nun mit „Beautiful Lies“ ihre ganz persönliche Coming-of-Age-Platte vor.

Was macht eine Coming-of-Age-Platte aus? Auf textlicher Ebene sicherlich die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden, dem Überwinden pubertärer Probleme und die Erkenntnis, dass die Sorglosigkeit der Kindertage einer sanften Wehmut weichen muss. Musikalisch findet man auf jenen Alben zudem oft eine unerwartete Sicherheit, was die akustische Identität der entsprechenden Interpreten betrifft. Auch weil diese meist stark an der Entstehung beteiligt waren. Plötzlich scheinen zuvor nur angedeutete Klangtendenzen gebündelt und zielgenau in eine Richtung gelenkt zu werden. Dies ist auch auf Birdys „Beautiful Lies“ der Fall. Die 19-Jährige siedelt die 14 darauf befindlichen Stücke selbstbewusst in einer bunten Popkulisse an. Mal klassisch und weniger überraschend, mal mit innovativem Nachdruck wie zum Beispiel bei den Eröffnungstracks „Growing Pains“ oder „Shadow“. Hinzukommen die für Birdy typischen Klavierballaden, zu deren interessanteren Vertretern „Unbroken“ oder „Take My Heart“ gehören, und ein paar mit elektronischen Impulsen aufgeladene Experimente wie „Keep You Head Up“, von denen es definitiv mehr hätten sein dürfen. Insgesamt birgt „Beautiful Lies“ einiges an Potenzial. Dessen Glanz verliert sich jedoch ein wenig in der Menge an unnötigem Füllmaterial, mit dem das Album ausstaffiert wurde.

Steckbrief

Künstler: Birdy

Platte: Beautiful Lies

Musiklabel: Atlantic Records

Veröffentlichung: 25.03.2016

Mucke: Pop, Indie

Hitverdächtig: „Keep Your Head Up“, „Growing Pains“, „Take My Heart“, „Shadow“

Klingt nach: Einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für die dänische Sängerin Oh Land. Obwohl sich Birdy noch nicht ganz sicher zu sein scheint, ob sie den Mainstream erobern oder lieber die erfolgreiche Ziehtochter des Indiepop sein möchte.

Kult: An die Finesse, die die von Birdy verehrten Künstler, denen sie ihr Debüt widmete, ausmacht, reicht „Beautiful Lies“ noch nicht heran. Dennoch lassen sich spannende stilistische Einschläge erkennen, die es zu verfolgen gilt.

Reinhören

Gewinnspiel

Um einen Birdy-Beutel und einen passenden Post-It-Block zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Beautiful Lies“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist Mittwoch, der 30.03.2016. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!