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Künstler

3. Dezember 2012 – Autor: Genre:

Es ist ziemlich genau 06:10 Uhr an diesem eisigen Montagmorgen. Beinahe einem Ritual folgend, tapse ich noch etwas schlaftrunken – gelockt vom frischen Kaffeeduft – in meine Küche und klappe meinen Rechner auf, begebe mich erst mal auf Spurensuche auf der Wolke. Musik an. Welt aus. Für einen Moment verharre ich und lasse mich nochmals in meine Träume entführen. Für einen Moment. Getragen von der Musik ziehe ich mich abermals zurück in die warme Welt der Gedanken und reflektiere Geschehenes, Erlebtes und Gesehenes. Die heiße Kaffeetasse fest umschlungen, schließe ich meine Augen. Das hätte es früher nicht gegeben, denke ich.

Früher? Wie definiert man früher, wenn man gerade mal etwas mehr als ein Vierteljahrhundert auf diesem Erdenball wandelt? Wann beginnt es und wann endet es? Ist mein “Früher” das gleiche “Früher”, von dem meine geliebte Oma spricht? Wohl eher nicht.

Früher. Früher, ein Wort, dass ein jeder von uns doch sehr oft sagt, nutzt und dabei die tatsächliche Zeitspanne der Vergangenheit ganz individuell für sich definiert. “Früher” liegt für den einen gerade mal 2 bis 5 Jahre zurück, für einen anderen sind es 20 bis 50 Jahre. Und doch meinen wir oft ein und dasselbe: Eine Zeit, die wir durchlebt haben oder auch eine Zeit, die wir nur gedanklich reflektieren können, eine Zeit, die andere durchlebt haben. “Früher” als Sinnbild für Vergangenes. “Früher” als Metapher für eine Zeit, die abgeschlossen ist und die in ihrer Form nicht mehr änderbar scheint? “Früher”, eine Zeitspanne, die meines Erachtens nicht wirklich messbar ist und sich über die eigenen Erfahrungen und das Leben selbst definieren lässt. Sicher gibt es das “Früher”, das wir alle kennen – wenn auch nur aus den Büchern und Erzählungen unserer Vorfahren. Doch das “Früher”, von dem ich hier spreche, ist das empfundene “Früher”, die Zeit, die ein jeder für sich selbst als erlebt und erfahren empfindet. Ein “Früher”, was zwar hinter uns liegt aber uns dennoch im Hier und Jetzt bestimmt, unser Handeln und Denken beeinflusst und uns vielleicht sogar zu dem macht, was wir in der Zukunft nur erahnen können, wer wir sind und wohin wir gehen. Ich wage zu behaupten, dass das “Früher” unsere Zukunft verändert und uns im Heute definiert – wir müssen es nur zulassen, uns erinnern, selbst annehmen, erkennen, betrachten und vor allem lernen.

Das Leben ist im ständigen Wandel, meist geprägt von schnelllebigen Momenten und hektischen Situationen. Und selbst wenn uns oft die Zeit scheinbar davon läuft, durch unsere Finger rinnt wie feinster Sand, den wir nicht wirklich greifen können und dennoch spüren, ist es doch wichtig solche Momente der Ruhe, des Insichkehrens und der Reflektion zu erkennen, zu nutzen. Momente für mich, Moment für dich. Momente, die Raum und Zeit für Entschleunigung, Besonnenheit und Gelassenheit bieten. Momente, in denen wir uns im Jetzt und Heute dem Früher widmen, um einen Blick in Zukunft zu wagen.

Mein Moment der Ruhe neigt sich mit dem Erreichen des Tassenbodens dem Ende zu und ich starte in eine neue Woche, eine Woche mit neuen Aufgaben und Herausforderungen. Eine neue Woche voller neuer Erfahrungen und hoffentlich Schönem.

In diesem Moment genieße ich noch den aktuellen Podcast von dem Münchner Musiker 959er, der mich nicht nur an diesem Montagmorgen mit seinem ganz speziellen Mix an deepen und techhouselastigen Sounds sanft geweckt hat, sondern auch mit seinem einzigartigen und sensationellen Set zu dieser Gedankenreise inspiriert hat. Ein Set so anders und besonders wie das “Früher” eines jeden Einzelnen von uns.

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