Der Mauerpark – an jedem gottverdammten Sonntag

In Berlin, Ecken checken, Lifestyle by Gastautor

Der Mauerpark in Berlin hat eine interessante Entwicklung hinter sich. Nach dem Bau der Mauer im Jahr 1961 diente die Fläche als sogenannter „Todesstreifen“, der den östlichen Bezirk Prenzlauer Berg vom westlich gelegenen Wedding trennte. Heute macht man sich über diese Situation eher weniger bis gar keine Gedanken und genießt dort überwiegend seine sonntäglichen Nachmittage mit Freunden, Musik oder der Familie.

Auf den ersten Blick wirkt der Park eher unspektakulär und hat auch ästhetisch nicht sehr viel zu bieten, abgesehen von der kleinen Mauer mit den Graffitis, oben am Hang. Trotzdem kann es passieren, dass man an einem warmen Sonntag kaum noch Platz findet. Diese lange Gerade aus Kopfsteinpflaster, die sich von Anfang bis Ende des Parks zieht, erweckt manchmal den Eindruck eines Laufstegs. Ob Weiblein oder Männlein, jeder will irgendwie gesehen werden, wenn man dort entlang läuft und man weiß genau, das Publikum am seitlich gelegenen Hang – meist mit einem kühlen Bier in der Hand und in entspannter Lage – lässt sich diese Show nicht entgehen. Und ganz ehrlich, man sieht sich diese Show auch gerne an.

Auch Kinder kommen auf ihre Kosten

Es dreht sich aber nicht nur alles um Coolness und Lifestyle im Mauerpark. Auch einige Familien mit ihren Kindern sind an schönen Tagen im Park anzutreffen. Da es ansonsten wenig Grünfläche im Umkreis gibt, nutzen Eltern gerne die Möglichkeit, mit ihren Kleinen etwas ins „Grüne“ zu kommen. Neben Schaukeln und Sandkästen bietet die ebenfalls recht lang gezogene Wiese gegenüber dem Hang einen hohen Spaßfaktor. Viele kommen aber auch nur, um einen entspannten Spaziergang zu genießen, weg vom stressigen Stadtleben, hin zum stressigen Parkleben.

Flohmarkt und lohnenswerte Streetart

Spricht man über den Mauerpark, sollte man keinesfalls vergessen, den Flohmarkt und die zahlreichen Graffitis zu erwähnen. Der Flohmarkt findet – wie sollte es anders sein – jeden Sonntag statt. Hier bieten verschiedene Händler ihre Waren an, die hauptsächlich aus Mode, Schmuck, Vinyl oder Snacks bestehen. Auch viele Touristen lassen sich dieses vermeintliche Highlight nicht entgehen und jagen verhältnismäßig teurem Essen, Kleidung oder Musik hinterher und es scheint ihnen genauso Spaß zu machen wie den Einheimischen. Last, but not least möchte ich auf die Graffiti-Szene im Park eingehen. Oben am Hügel befindet sich die sogenannte „Hinterlandmauer“, an der sich Künstler ausprobieren können und teilweise Erstaunliches zustande bringen. Ein Gang entlang der nicht allzu großen Mauer ist definitiv lohnenswert – nicht nur wegen der tollen Graffitis, sondern auch wegen dem tollen Ausblick über die Menschenmassen und Berlin.

„Lass uns wieder hin“

Letztendlich ist der Mauerpark, trotz seiner Fülle an Menschen, immer einen Besuch wert. Es macht Spaß, man wird gut unterhalten und kann die entspannte Atmosphäre mit allen Sinnen genießen. Unter der Woche wirkt der Park eher tot. Ganz vereinzelt finden sich hier Menschen ein und man bemerkt erst da, wie viel Dreck eigentlich am Wochenende produziert wurde. Auch wenn es haufenweise andere Möglichkeiten gibt, lass uns sonntags wieder hin …