Kultverdächtig: Early Autumn Break

In Musik by Martin

Genre:

Mit dem heutigen Beitrag erscheint bereits die 15. Ausgabe von „Kultverdächtig“. Da darf man einen Moment des Innehaltens riskieren und einmal getrost zurückblicken. Als der Winter uns Anfang des Jahres noch fest im Griff hatte, debütierte die Rubrik, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, Independentkünstler fern des Mainstreams ausgiebig zu portraitieren, mit der Vorstellung von Reba Hasko und ihren transzendenten Harmonien. Im Anschluss daran ließen Rufus Dippers reduzierte Klavierarrangements und das sensible Songwriting Saara Markkanens langsam aber sicher die dicken Eis- und Schneeschichten schmelzen, unter denen der zuckersüße Indie Pop Ginger Redcliffs schon kräftig gediehen war. Eine Herrenkapelle namens Memoriez und das Fräulein Weirdo Phoebe Killdeer bewiesen, dass sie den Groove seit Jahren für sich gepachtet haben und auch The BackBox Ballroom mussten sich mit ihren herben Gritty Motorcity Rock’N’Roll keineswegs vor der Konkurrenz verstecken.

Dass der musikalische Nachwuchs in Deutschland wesentlich reifer klingt als angenommen, verdeutlichte Jesper Munk mit seinen Reibeisenstimme, bevor Alex Highton folkige Grüße aus dem britischen Empire schickte. Passend zum vorerst trüben und eher ungemütlichen Sommer, vernebelten Plankton Waves düstere Melodien den Verstand und die Norwegerin Farao stellte eindrucksvoll zur Schau, wie anziehend und wunderbar Melancholie doch widererwartend klingen kann. Zu Phias Kalimbasounds stiegen die Temperaturen dann schließlich aber doch ins Unermessliche und erst die Zwillinge von Pascal Pinon sorgten für eine kühle Brise aus dem Norden, die die Gemüter wieder beruhigte. Ein letztes Tänzchen unter wolkenlosem Himmel wagten Yalta Club und schon kündigt sich der Herbst an. Früher als erwartet. Was wäre da passender als ihn mit einer Band zu begrüßen, die jenen Jahreszeitenumschwung bereits im Namen trägt: Die charismatische Retro-Pop-Brigarde Early Autumn Break.

Nächster Halt: Folkrock

542134_10150792566287089_1715066195_nWas bedeutet Musik für euch?

Musik ist ein wesentlicher Bestandteil dessen, was wir sind.

Irgendwann und irgendwo, zwischen Mozarts Zauberflöte, ABBA und der Neuen Deutschen Welle, sprang ein Funken auf zwei junge Heranwachsende über, der in ihren Seelen schnell zum lodernden Buschfeuer entbrannte. Seither leiden Susan Bauszat und Chris Bauer, die mittlerweile verheiratet sind, unter einem unheilbaren Fieber, nämlich der flammenden Liebe zu Ton und Klang. Für unsere „Kultverdächtig“- Playlist nahmen sich die beiden Musiker, die seit einigen Jahren als Early Autumn Break auf den Bühnen Deutschlands stehen, eines alten Traditionals an, das bereits Künstler wie Bob Dylan oder Peter Paul and Mary auf ihren Gitarren zupften. „The Cuckoo“ gehört zu den eingängigsten und wundervollsten Hinterlassenschaften folkloristischen Liedgutes und bekommt in der Version von Early Autumn Break einen grazilen Astrich verpasst.

Ihr habt für unsere Kultverdächtig-Playlist den Song „The Cuckoo“ gecovert beziehungsweise neu interpretiert. Weshalb fiel die Wahl auf dieses Stück?

„Ein großartiges Stück, uns natürlich durch die Version von The Pentangle bekannt, das sich fast schon aufgedrängt hat und unbedingt von uns gespielt werden wollte.“

Wie seid ihr an die Umsetzung dieses Tracks herangegangen?

Wir haben das Arrangement recht einfach gehalten, um Susans Gesang möglichst viel Raum zur Entfaltung zu geben.“

Feingefühl, Sensitivität und Anmut, dafür stehen Early Autumn Break und ihre Kompositionen seit der ersten Note. Schon früh war Susan und Chris klar, dass sie neben eines herkömmlichen Jobs, auch immer einen Ausgleich für den unstillbaren Hunger nach kreativem Handeln brauchen würden. Susan suchte diesen unter anderem in dem Soloprojekt Tropes, das in der Folge zu Kollaborationen mit Musikern wie Pieter Nooten oder Glen Johnson führte, wohingegen Chris als Gitarrist in der progressiven Rockband Any Of Both tätig ist und zudem Hill Myna und dem Programm Half Past Selber Schuld zeitweise sein Fingerspiel leiht. Herzstück ihrer Bemühungen war jedoch immer das gemeinsame Bandprojekt.

Wie kam es zur Gründung von Early Autumn Break?

„Nach vielen musikalischen Experimenten zeigte sich irgendwann, dass die Mischung aus Fingerstylegitarre und Harmony Vocals die Essenz dessen ist, was wir machen wollten. Und dann ging es einfach seinen Weg.“

musicwhenyoulistenAuf eben diesem Weg war das Debüt „Music When You Listen“, der erste Zwischenstopp für die beiden Düsseldorfer. Schon der Titel der Platte schwingt dabei über dem erwartungsvollen Hörer wie ein scharfes Damoklesschwert. Auch in den schnelllebigen Zeiten, die unseren Alltag von einem Moment zum nächsten hetzten und jagen, sollte Musik mehr sein als nur ein kurzweiliges Konsumprodukt, so die Aussage. Dementsprechend reduziert und dennoch kraftvoll zeigen sich auch die zwölf Stücke des Albums.

Sei es das herzergreifende „Half Moon Bay“, eine Hommage an eine Bucht zwischen San José und San Francisco, oder auch das wehmütige „Stageless“, den Songs auf „Music When You Listen“ wohnt eine tiefe Aufrichtigkeit inne, die berührt, ohne künstlich oder affektiert zu wirken. Das lädt zum Gedankentreiben ein.

Sich intensiv mit Musik zu beschäftigen, lässt die Seele wachsen, bildet Persönlichkeit, schafft Verbindungen. Dahinter steckt eine Kraft, für die es keine Erklärung gibt, die man aber Hören und Fühlen kann.

Dass Tracks wie „Californian Suicide“ oder „Just Can’t Be Alone“ eben diese Fähigkeit besitzen, und darüber hinaus auch ganz unterschiedliche Gefühle in den Menschen wachzuküssen in der Lage sind, merkte auch der Filmemacher Jovan Arsenic recht schnell und nutze einige der Lieder von „Music When You Listen“ zur Untermalung seines Hauptstadt-Dramas „Die Helden Aus Der Nachbarschaft“ (2009). Während eine schüchterne Bäckerin sich einen Metall verspeisenden Feuerwehrmann verliebt, ihn mit einem riesigen Pfannkuchen zu beeindrucken versucht, sich eine kurz vor dem beruflichen Aus stehende Fernsehmoderatorin mit ihrem untreuen Mann herumplagt und der gemeinsame Sohn zwischen Kindsein und Erwachsenwerden dahintaumelt, tauchen Early Autum Breaks feingliedrige Arrangements die Szenerie in einen leuchtenden Schimmer.

Wenn ihr auf „Music When You Listen“ zurückschaut, welche Gefühle ruft dies in euch hervor?

Dass darauf einige Stücke sind, die unseren persönlichen „Test of Time“ bestanden haben und uns seitdem begleiten.“

EAB_Presse_72dpi_02

Nachdem sich Early Autumn Break mit „Music When You Listen“ erfolgreich im Boden der Songwriter-Kunst vergraben und erste Wurzeln geschlagen hatten, wurde es im Jahre 2010 Zeit für den nächsten Schritt. Und dieser fiel wesentlich größer aus, als vielleicht zuvor gedacht. „Swimming With Children“, das zweite Album der Band, zeichnet sich durch eine vollmundige Produktion mit mehreren Musikern aus und setzt die Segel klar in Richtung Folkrock und Retro-Pop. Da die Musikbranche in Deutschland hart umkämpft ist und meist nur widerwillig auf ausgefallene Impulse reagiert, gründeten Susan und Chris für die Veröffentlichung von „Swimming With Children“ ihr eigenes Label One Sunny Day Recordings, das ihnen seitdem als stabile Plattform für die Umsetzung ihrer Ideen dient.

swimming with childrenWas macht das Album besonders?

„Dass wir es hier geschafft haben, unserer Vorliebe für Folkrock ein Stück näher zu kommen, nicht zuletzt durch die Coverversion von ‚Light Flight‘, aber auch durch eigene Stücke wie ‚Like An Open Book‘ oder ‚Yes I Do‘, die für uns schon die weitere Richtung vorgegeben haben.“

Wohlig warme Schichten raffinierter Gitarrenriffs verbinden sich bei Tracks wie „Close To The Sun“ oder „Round Again“ mit den interessanten Spielereien anderer Instrumente, sodass „Swimming With Children“ insgesamt zu einer Sammlung innovativer Songs wird, die man immer wieder gern aus dem CD-Regal hervorholt.

Schönster Bandmoment?

Die nächste Probe.

998423_10151768800177089_1306083931_nDa es für Early Autumn Break so schön zu sein scheint, zusammen mit ihren Kollegen gemeinsam den Proberaum zu bevölkern und dort an neuen Stücken zu arbeiten, verwundert es nicht wirklich, dass bereits drei Jahre nach „Swimming With Children“ ein neues Album auf dem Plan steht. Dieses heißt „Farewell To The Juvenile Heart Volume One“ und bringt einige Überraschungen mit sich. Schlug sich das Ehepaar Bauer-Bauszat zuvor vorrangig allein durch die Höhen und Tiefen seiner Karriere, sind nun mit Hans-Georg Haas, Birte Schuler, Marco Reichert und Julia Dillmann vier weitere Gesichter hinter dem Bandnamen Early Autumn Break zu finden.

Was gibt es zur Entstehungsgeschichte von „Farewell To The Juvenile Heart Volume One“ zu berichten?

„Neue musikalische Einflüsse und die Möglichkeit, mit einer eingespielten Band zu arbeiten, haben uns inspiriert, neue Elemente in unsere Musik einzubauen. An dieser Stelle ein großes Kompliment an unsere Bandkollegen, die durch ihren Beitrag und ihre Energie den Sound entscheidend mitgeprägt haben. Und wir haben in unserem eigenen kleinen Studio gearbeitet, das hat vieles erleichtert.“

1234182_10151889239477089_576699093_n„Farewell To The Juvenile Heart Volume One“ umgibt, neben einer unheimlichen Präsenz und Lebendigkeit, auch eine geradezu mystische Aura. Als würden hier und da Rufe aus der Vergangenheit zwischen den einzelnen Takten der Tracks wie „City Of Resurrections“, „The Spinning Wheel“oder „Faster Then The Road“ erschallen. Zu Folkrock und Retro-Pop gesellen sich zudem eindeutig Einflüsse aus Bluegrass und Alternative Country. Da brennt ein „The Old Dirt Road“ wie ein guter Whisky auf dem Trommelfell und auch das eigentlich schon 2010 entstandene „Mary Gone World“ klingt plötzlich erstaunlich ungezähmt, wie ein junges Fohlen, das zum ersten Ritt ansetzt. Und dann sind da wieder Chris und Susans Gesänge. Markant, hamonisierend, beeindruckend.

Wir kennen uns mittlerweile ganz gut, wissen um unsere Stärken und Schwächen, und haben viel daran gearbeitet.

Worum geht es bei „Heartspell“?

„Man ist gut beraten, häufiger mal auf sein Herz zu hören, aber manchmal kann es eben auch mit einem durchgehen.“ 

Für das Frühjahr 2014 ist bereits die Fortsetzung zu „Farewell To The Juvenile Heart Volume 1“ geplant, welche laut Aussagen der Band weitere schöne Stücke enthalten wird und darüber hinaus als zweite Hälfte des Doppelalbum-Projektes fungieren wird. Bis dahin reisen Susan, Chris und ihre „Early Autumn Break“-Crew weiter durch unsere Lande und bespielen in diesem Zuge die unterschiedlichsten Bühnen. Denn Early Autumn Break verstehen sich vornehmlich als Liveband.

Worin liegen Unterschiede zwischen der Arbeit im Studio und dem Performen auf der Bühne?

„Der wesentliche Unterschied besteht wohl darin, dass „live“ immer ein einmaliges Erlebnis ist, im doppelten Wortsinn. Im Studio wird gebastelt, überarbeitet, mehrfach gehört, nochmals verbessert, verändert, bis die Aufnahme schließlich allen Ansprüchen gerecht wird.“

Wonach klingen eure Songs für euch selbst?

Wir haben uns immer vorgestellt, wie schön es wäre, seine eigenen Songs das erste Mal hören zu können. Wie würde sich das anfühlen? Vielleicht nach einem Spielfreudigdetailverliebtgutaufgehobenseineintauchgefühl und einer Prise Herbstlaub.

Kultverdächtig

Wir möchten an dieser Stelle einmal die Band für sich sprechen lassen.

Was sagt ihr zu „Kultverdächtig“ als Rubrik?

„Es ist schön zu sehen, dass es wunderbare Künstler fernab des Mainstreams existieren, denen es rein um die Musik geht, daher ist es auch wichtig, dass es solche Plattformen wie „Kultverdächtig“ gibt. Von der Liebe zur Musik für die Liebe zur Musik. Eine sehr schöne Auswahl und wir sind natürlich glücklich dazuzugehören!“

Und wir sind es auch!

Gewinnspiel

Early Autumn Break haben uns geradezu überschüttet mit schönen Dingen, die wir nun an insgesamt drei Leser weitergeben dürfen. Als Hauptpreis winkt ein Paket bestehend aus T-Shirt, handsignierten CD-Exemplaren von „Swimming With Children“ und „Farewell To The Juvenile Heart Volume One“ sowie Stickern und einem Button. Für die anderen beiden Gewinner gibt es eine abgespecktere, aber eben so großartige Version des Pakets, ebenfalls mit signiertem „Farewell To The Juvenile Heart Volume“, Stickern und Button. Wer dem nicht widerstehen kann, der schickt bis spätestens kommenden Donnerstag, den 26.09.2013 eine Mail mit dem Betreff „Early Autumn Break“ an martin@kultmucke.de. Mal sehen, wenn die Losfee schlussendlich erwählen wird. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Erfolg!

Interessante Links

„Farewell To The Juvenile Heart Volume One“ bei Bandcamp kaufen

„Swimming With Children“ imWebshop kaufen

Early Autumn Break bei Facebook

Myspace-Seite von Early Autumn Break

Website von One Sunny Day Recordings