Emus Primus – Ein Rapper und sein Videotagebuch

In Musik by Gastautor

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Entspannt sitzt Emus Primus in einem alten Sessel in einem kleinen Atelier in Berlin-Friedrichshain. Um ihn herum liegen und stehen knallbunte Graffiti Kunstwerke und Spray Cans. Er trägt eine dunkle Daunenjacke und Jeans und geht, tief im Sessel versunken, zwischen all den Farben fast unter.  Emus Primus sieht aus wie der nette Typ von nebenan. Nur sein Künstlername, unter dem er sich mit festem Händedruck vorstellt, lässt vermuten, dass an ihm irgendetwas anders ist als am Durchschnittsberliner. Dass sein Ende Oktober veröffentlichtes Street Art-Video „Berlin spricht … für sich“ bisher bereits über 260.000 Klicks und tausende Shares erreichte, und seit der Veröffentlichung sein Handy mit Interviewanfragen nicht mehr stillsteht, lässt sich der 31-Jährigen nicht anmerken. Anders als viele Künstler aus der Berliner Kreativszene definiert Emus Primus sich nämlich nicht über seine Kunstprojekte. Ganz im Gegenteil. Seine Botschaft ist auch im dritten Video aus der 2010 begonnenen „Berlin spricht“-Reihe simpel: „Die Videos waren alle wie ein virtueller Tagebucheintrag für mich. Damit will ich einfach nur die guten Zeiten zelebrieren.“

Der 31-Jährige zog vor drei Jahren nach Berlin, um sich hier als Musiker und Hobbyfilmer selbstständig zu machen. „Ich habe zuerst mal Aufnahmen geschnitten, die ich mit einem Traveller in grottenschlechter Auflösung gedreht hatte. Die bessere Kamera habe ich mir erst später gekauft. Jetzt kann ich alles, was ich für meine Sache brauche“, erzählt er. 2010 gründete Emus Primus seine Firma East Cross Projects. „Das ist mein Baby“, sagt er voller Stolz. Unter selbigem Namen produzierte er in Kooperation mit Produzent Wojtek und dessen Firma East Cross Productions auch das mittlerweile dritte Video aus der „Berlin spricht“-Reihe. Emus Primus filmte, schrieb und rappte die Lyrics und sein Partner produzierte die Instrumentals.

Das Konzept des Projekts ist einfach: In einer Art Videotagebuch dokumentiert Emus Primus Street Art in Berlin und hinterlegt die Bilder mit seinen Lyrics. Ebenso simpel ist auch die Machart der Filme. „Wenn ich ein Bild habe, muss ich da nicht mehr lange dran rumschrauben. Ich habe Freunde, die schütteln den Kopf, wenn sie sehen, wie ich arbeite. Aber das ist eben meine Art die Dinge zu machen. Und so will ich auch weiter machen“, erklärt er. In seinem dritten Video filmte Emus Primus Kunstwerke der gesamten Streetart Prominenz der Stadt. Mit dem Ergebnis ist er offensichtlich zufrieden: „Als ich gemerkt habe, dass die Jungs das Video total feiern, hatte ich dann auch Lust weiter zu machen. Die haben alle mein Projekt unterstützt und fanden das gut, was ich mache.“

Seit der Veröffentlichung seines dritten Videos Ende Oktober prasseln Interviewanfragen auf den Hobbyfilmer ein. Damit fühlt er sich nicht besonders wohl, denn sich über seine Videos zu profilieren oder an Bekanntheit zu gewinnen ist nicht das Ziel seiner Videoprojekte. Auf Facebook und Google sucht man vergebens nach Informationen über ihn. „Ich habe Interviews immer für überflüssig gehalten und die nie gemacht. In der Zeit, in der man über Dinge nur spricht, kann man nichts tun“, sagt er. Emus Primus geht es alleine um die Kunst und den Spaß am Filmen. Er sieht sich nicht als Filmprofi und auch Kommerz ist für ihn ein Fremdwort. Beim Schlagwort Geld setzt er sich gerade in seinem Sessel auf und spricht etwas lauter. Dieses Detail scheint ihm besonders wichtig zu sein. „Werbung vor meine Videos zu schalten und Geld damit zu verdienen würde alles untergraben, wofür ich stehe“, erklärt Emus Primus. „Ich bin im Moment einfach echt zufrieden mit dem was ich habe und was ich mache.“

Kaum verwunderlich ist da auch das Selbstverständnis des Rappers. Die Frage nach Selbigem beantwortet er mit einem kurzen Schulterzucken und einem leichten Schmunzeln: „Wie ich mich sehe? Ganz einfach. Nicht reden, machen! Sagt den Leuten ich bin Emus Primus und zeigt mein Video. Das reicht.“ Und diesen Wunsch möchten wir ihm gerne erfüllen …