Flussbad Berlin – Schwimmen in der Spree

In Berlinby Alex

Endlich mal guten Gewissens in die Spree zu springen, ist wohl der Traum vieler Berliner. Aus dem überfüllten Badeschiff ausbrechen und die Stadt um einen herum aus einer anderen Perspektive erleben. Doch leider ist unser Fluss zugeparkt mit Kreuzfahrtschiffen, auf denen Schnabeltassen und Heizdecken zu horrenden Preisen feilgeboten werden. Die Wasserqualität lässt zu wünschen übrig und ringsherum schreitet die Mediaspree voran. Dem gegenüber steht jedoch eine wachsende Anzahl derer, die die Gestaltung ihrer Stadt selbst in die Hand nehmen wollen. Das Flugfeld ist das beste Beispiel. Und nun finden wir eine nachhaltige Nutzungsmöglichkeit für den Spreekanal, in dem man einfach so schwimmen kann? Klingt genial.

Bereits seit 1997 existiert die Idee zum Projekt „Flussbad Berlin“, geprägt durch Tim & Jan Edler. Sie wollen den alten Spreekanal an der Museumsinsel nachhaltig nutzbar machen. In den ersten zwei Jahren wurden grundlegende Konzepte erarbeitet, die dann aber erst 2011 wieder aufgegriffen und weiter verfeinert wurden. In den letzten zwei Jahren hat man sich zunehmend auf die Öffentlichkeitsarbeit fokussiert und einen Verein gegründet, um die Umsetzung angehen zu können. Genau diese Öffentlichkeit wird es auch brauchen, um derart unkonventionelle Ideen im Berliner Bürokratiejungle umsetzen zu können. Denn wie sooft wird hier vieles von der Politik abhängen. Klärung der Eigentumsverhältnisse, Finanzierung, Anwohner – ihr kennt das alte Lied.

Mut macht vor allem die Liste von mehr als 100 aktiven Unterstützern. Vorwiegend Architekten, Kulturschaffende und Städteplaner haben sich zusammengefunden und bringen ihre Expertise ein. Aber auch das Konzept präsentiert sich wunderbar durchdacht. Auf ökologischem Weg soll im Spreekanal das Wasser zunächst gefiltert werden, um im Anschluss auf 750 Metern eine Schwimmgelegenheit zu schaffen. Neben Badespaß entsteht so auch eine ökologische Aufwertung für die gesamte Region.

Dass es solche Maßnahmen überhaupt braucht, weil es der Gesundheit wenig zuträglich ist, einfach so in die Spree zu springen, haben wir vor allem dem Berliner Abwassersystem zu verdanken. Regelmäßig bei ausreichendem Regen, fließen Fäkalien in den Fluss und verunreinigen das Wasser. Ein anderes interessantes Konzept „Spree 2011“ will genau diesen Umstand angehen und verhindern, dass Abwässer in die Spree fließen.

Wenn wir mal Träumen und im besten Fall beide Projekte umgesetzt werden. Erleben wir in Berlin vielleicht schon bald wieder ähnliche Momente, wie auf dem Titelbild dieses Artikels. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Baden in der Spree nämlich zum Stadtbild.

Eine sehr schöne Idee sind auch die gesammelten Statements zum „Flussbad Berlin“ auf deren Startseite. „So werden die Leute mehr Sport machen und dann mehr Bier trinken können ohne fett zu werden“, schreibt beispielsweise Mélanie Bourlioux aus Berlin. Na dann Prost! Wir hoffen, bald auf die neue Badegelegenheit, anstoßen zu können.

Selbst aktiv werden könnt ihr durch Spenden oder eure Unterstützung. Hier findet ihr alle weiteren Infos.