Very Berlin

1. Juli 2012 – Autor:

Unser Gastautor Malte Giesen ist Delegierter bei der GEMA, verdient selber seine Brötchen mit Musik und hat den einseitigen Medienrummel, der momentan um die neuen GEMA-Regelungen kursiert, satt:

GEMA-Mitgliederversammlung in Berlin am 25.06.2012 im mondänen Maritim-Hotel. Eine skurrile Veranstaltung, denn für mich als Komponisten in der Sparte E-Musik (also der „ernsten Musik“) sind die entbrannten Diskussionen um Urheberrecht und Raubkopien eher weniger relevant. Meine GEMA-Einnahmen sind nicht im Millionenbereich, ich verkaufe keine Songs im Internet, ich werde nicht im Fernsehen, sehr selten im Radio gespielt, schreibe keinen Mainstream-Pop. Dennoch, bei guten 700 Millionen Euro, die GEMA im letzten Jahr an die Mitglieder ausgeschüttet hat, gibt es doch nicht wenige Mitglieder, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Wenn man sich in diesen Tagen als Mitglied dieser Verwertungsgesellschaft outet, hat man das Gefühl, schnell einem Lynchmord zum Opfer zu fallen. Der Hass, der einem entgegenschlägt, ist beängstigend. Dabei kursieren viele Gerüchte, viele Falschaussagen in der Öffentlichkeit.

Im Internet ist es sehr einfach, in kurzer Zeit gegen ein bestimmtes Ziel mobil zu machen. Ein besonders wichtiger Streitpunkt dabei: Die anstehende Tariflinearisierung für Tanzveranstaltung mit Live-Musik und von Tonträgern, also Parties oder Konzerte in Clubs und Kneipen. Da besonders in dieser Richtung sehr radikale Stimmungsmache mit anscheinend astronomischen Summen gemacht wird, will ich hier die Dinge mal aus der „Innenansicht“ schildern.
Bisher gab es einen gewaltigen Haufen verschiedener Tarife und Sonderregelungen, bei denen die Veranstalter in der Regel sehr gut wegkamen. Im europäischen Vergleich bezahlten Gastwirte und Clubbetreiber für Musiknutzung sehr unterdurchschnittliche Summen. Und da ich auch selbst Veranstaltungen organisiere und dort natürlich auch Gebühren zahlen muss, weiß ich, wie wenig das bisher war. Für einen Konzertabend ohne Eintritt auf einer Fläche von 100qm wurden bisher gerade mal 35,85 € fällig. Portokasse.

Die jetzt geplante Regelung sieht vor, das bisherige Dickicht zu entwirren, und durch nur zwei Tariftabellen zu ersetzen, eine für Live-Musik, eine für Musik aus der Kiste. Der Grundgedanke hinter den neuen Tarifen ist einfach: zehn Prozent des Eintrittsgeldes wird an die GEMA abgeführt, zehn Prozent für die Nutzung von Musik, dem Hauptgrund, warum Menschen in Clubs und Konzerte gehen. Die Einnahmen durch Getränkeverkauf sind hiervon nicht betroffen. Diese Regelung klingt für mich fair, aber ich habe natürlich keinen Einblick in die Finanzsituation von Clubbetreibern. Wie ein Kollege von mir, der als Delegierter noch am Dienstag in der ordentlichen Mitgliederversammlung saß und die neuen Tarife lang und breit diskutierte, mir mitteilte, sind es sogar nur 3% des Gesamtumsatzes. Wenn ein Betreiber also 120.000 € im Jahr zahlt, kann man davon ausgehen, dass der Club ca. 4 Mio. € Umsatz gemacht hat. Wenn man bisher natürlich extrem wenig bezahlt hat, klingen Erhöhungen prozentual sehr spektakulär.

Um zum Schluss nochmal auf meine Sicht als kleines GEMA-Mitglied zu kommen:
Trotz der Tatsache, dass ich keine Mainstream-Musik mache, sondern nur im Bereich der reinen Kulturförderung tätig bin, dass ich keine Musik im Netz vertreibe, keine Musik im TV gespielt wird, habe ich im Jahr Einnahmen, mit denen schon mal 3 studentische Monatsmieten bezahlt sind.
Ich kenne natürlich den Gedanken, der hinter der Abschaffung der GEMA und des Urheberrechts steht, die Trennung von Kunst und Kommerz, die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Doch den zweiten Schritt zuerst zu tun, würde nur eine radikale Verarmung der kulturellen Landschaft nach sich ziehen, nicht nur im Mainstream. Die GEMA ist zwar ein großer Verwaltungsapparat und ist natürlich nicht perfekt, denn auch innerhalb des Systems gibt es Grabenkämpfe. Aber für uns Kunstschaffende ist sie immer noch das beste System, das wir haben.

 

Ein interessanter interner Einblick, nachdem wir mit den negativen Seiten in den letzten Tagen und Wochen zu genüge konfrontiert wurden.

Welche Meinung habt ihr euch mittlerweile gebildet?

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8 Kommentare

  • joschi

    laut der hier verlinkten tabelle wird ja mehr günstiger als teurer…
    ich sehe an dieser stelle mal darüber weg das ich gema für usb-sticks, sdkarten, cdrohlinge, festplatten[insert more digital stuff here] aber warum regen sich denn veranstallter auf? wenn gebühren (so wie es in den msm gesagt wird) um 600% steigen also von 20000 auf 120000€ (hatte da ein beispiel gesehen) sind das 2-3 mitarbeiter deren jahresgehälter icht gezahlt werden können…
    bin aus dem thema leider raus mittlerweile, aber was wird denn nun teurer?

    selbst wenn die ganze sache nicht stimmt und die clubs keine gefahr laufen pleite zu gehen fallen mir auf anhieb noch mindestens 3 weitere argumente ein warum die gema so wie sie zZ ist nicht weiter existieren DARF.

    grüße

  • Malte

    Worüber sich (große) Veranstalter wohl auch mit aufregen ist die Tatsache, dass nach Größe des Ortes berechnet wird, davon ausgehend, das pro 100qm 150 Personen in einem Zeitraum von 5 Stunden Eintritt bezahlen. Ob das dann tatsächlich so ist, bleibt Risiko des Veranstalters, wenn also niemand kommt, müssen trotzdem die Gebühren bezahlt werden. Allerdings gibt es immer die Möglichkeit auf einen Härtefallnachlass, den die GEMA gewährt, wenn die Einnahmen in einem Missverhältnis zur Gebühr stehen. Aber wenn man sich mal daran gewöhnt hat, dass etwas (fast) umsonst ist, und nun dafür bezahlen soll, ist das sehr schwer vermittelbar…

  • Max

    Schwierig wird es vorallem auch für Veranstalter, die nicht gleichzeitig Besitzer des Clubs oder der Bar sind, denn diese sind meistens komplett von den Eintrittsgeldern abhängig und nicht am Barumsatz beteiligt. In Berlin ist dies Gang und Gäbe. Also von seinem Umsatz werden 10% fällig, das ist ein herber Einschnitt, der auch ein gesteigertes Risiko mit sich bringt, welches bei der großen Dichte an Konkurrenten nicht gerade gering ist.

    Die Praxis der GEMA die Berechnung an Erwartungen vor der Veranstaltung zu knüpfen und auf dieser Grundlage Gebühren zu berechnen, gleicht dem Tarotkarten legen und hat nichts mir Seriösität zu tun!

    Ein weiterer Kritikpunkte ist die von der GEMA beendeten Gespräche mit den Veranstaltern und die einseitige Ausschüttung an die Musiker.

    Mit dem Internetzeitalter haben sich neue Möglichkeiten ergeben digitale Daten (Musik, Filme, Fotos, etc.) fast kostenlos zu produzieren und zu vervielfältigen. Eine teilweise dramatische Krise hat sich über die entsprechenden Branchen gelegt und ein Ende scheint nicht absehbar zu sein. Aber man muss auch bedenken, dass die Jahre vor dem Internet ein extrem gutes Geschäft waren für die jeweiligen Nutznießer. Die GEMA scheint in meinen Augen diesen Zustand mit allen Mitteln festhalten zu wollen. Eine Einigung mit neuen Vertriebsmöglichkeiten oder eine Unterstützung hat so gut wie nie statt gefunden in den letzten Jahren. Aber ist es wirklich die Schuld von iTunes, Amazon und Co. dass die Verwertungsgesellschaften und die Labels gepennt haben? Eindeutig nicht! Im Gegenteil, diese Innovatoren haben mit ihren Möglichkeiten neue Wege für Musiker erschlossen, Youtube ist heute eine der größten Werbeplattformen für Musiker und mit Spotify lerne ich jeden Tag neue Musiker kennen, die mir gefallen.

    Für mich wirken aus diesen Gründen die Bemühungen der GEMA sehr rückständig und einseitig interessiert. Dies ist auch durch die Quasimonopolstellung des Verbandes bedingt und es wäre keine schlechte Entwicklung hier mehr Vielfalt zu entwickeln. Vielleicht gibt es ja unter den vielen Kritikern ein paar die es tatsächlich besser können und Musiker überzeugen können, dass sie dort besser aufgehoben sind.

    MUSIK SOLL UND MUSS BEZAHLT werden, aber dabei auch bezahlbar bleiben. Doch durch die Praxis der letzten Jahre verkommt diese Kunst immer mehr zu einem Produkt, dass maxial vermarktet werden soll. Den Labels und der GEMA geht es in erster Linie nich darum die besten Musiker zu unterstützen und Musikalische Entwicklungen voran zu treiben, sondern den Song mit dem meisten Verkaufspotenzial möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Dieses Aufspielen als die großen Freunde der Urheber finde ich zum kotzen, denn am Ende bekommen die Künstler meist weniger von ihrem Produkt zurück als die Verwerter. Dieses Thema hat vor ein paar Jahren noch die Musikzeitschriften beherrscht. Heute wird das Feindbild des Internetkriminellen geschürt und man steht zusammen und kämpft gegen “kriminelle” Schüler und Studenten, die am meisten und interessiertesten Musikhören.

    In meinen Augen wäre es wichtiger den Wert der Musik wieder näher zu bringen. Wenn es in Deutschland einfacher ist einen Song im Internet zu kaufen, als ihn illegal zu downloaden. Der Urheber muss wieder als Innovator und Künstler wahrgenommen werden, der mich mit tollen Songs ins Herz trifft, sodass ich ihn unterstützen möchte. Aber wenn die Vertreter der Musiker diesen Grundsatz nicht verfolgen, wie wollen sie das dann dem Rest der Bevölkerung näher bringen? Es muss ein Prozess des Umdenkens stattfinden. Die Verteufelung der Mp3, des bösen Internetnutzers oder des Veranstalters hilft leider nicht weiter.

    • Thomas

      Lieber Max,
      bei deinem Beitrag kommen eindeutig zu viele Klischees und zudem eine massive Fehlinformation zusammen.

      1. Eine Veranstaltung wird bei der GEMA angemeldet, die GEMA prüft die Angaben, stellt eine Rechnung und nach der Veranstaltung wird dann, nach allen Abzügen für zu wenig Publikum usw. bezahlt (gilt nur nicht bei Pauschalverträgen).

      2. Die GEMA hat die Gespräche nicht abgebrochen, sondern der DEHOGA (deutscher Hotel- und Gaststättenverband). Deshalb liegt die Tarifentscheidung jetzt bei der Schiedsstelle. Wenn der DEHOGA wieder verhandeln will, dann kann sich auch noch etwas an den Tarifen ändern (also im Bereich der Nachlässe für Kunden oder Partner des DEHOGA). Übrigens kriegt dieser Verband, der u.a. für die Demo während der GEMA-Sitzungen in Berlin verantwortlich war und eigentlich nur Falschinformationen rausgibt, eine Pauschalvergünstigung auf die TArfie von satten 20% – dann aber solche kampagnen gegen die gema zu starten, ist einfach nur armseelig, unverhältnismäßig und arschlos! die kleinen clubbetreiber haben von dem trubel eh nichts. es geht hier um die großen, die jetzt endlich mal zur kasse gebeten werden. das wird aber natürlich nicht mitkommuniziert…

      3.youtube, spotify u.a. sind natürlich gut für musiker und deren eigenwerbung, aber bitte nicht vergessen: die gema kümmert sich nicht um musiker, bands, sänger oder sonstige interpreten, sondern nimmt ausschließlich die rechte der komponisten wahr! und für die ist youtube nunmal nicht so attraktiv wie für viele interpreten. ein komponist schreibt nicht nur für eine band, sondern muss um überhaupt seine brötchen verdienen zu können, auf mehreren “baustellen” gleichzeitig aktiv sein. wir als komponisten sind deshalb froh, dass uns jemand (also die gema) viel arbeit erspart, indem sie verschiedene verträge mit den nutzern schließen, damit wir komponieren können. und bitte: die gema hat verträge mit youtube, spotify u.ä. in den letzten jahren geschlossen, aber nachdem diese immer größer wurden und sich immer bessere anwälte leisten konnten, wollten sie nicht mehr einfach entsprechend ihren gigantischen umsätzen an die gema zahlen! die gema mit all diesen internetanbietern am verhandeln, aber solche verhandlungen dauern eben – auch weil sich unsere politiker nicht hinter die komponisten und den urheberschutz stellen (siehe acta usw.).

      4. die gema schüttet nach abzug der verwaltungskosten, die wie bei jedem größerem verband bei 15% liegen, den gesamten rest an die komponisten aus! es wird so oft von mafiösen strukturen etc. gesprochen, aber wenn das so wäre, würden sich die komponisten natürlich als erstes dagegen wehren, weil es ihr geld ist, das hier verhandelt wird. also nochmal ganz klar: die gema verteilt das geld nach abzug der verwaltungskosten an ihr urheber der genutzten werke aus. punkt.

      5. immer dieses argument der monopolstellung…es gibt nunmal “nur” einen verband, der für die abwicklung der nutzungsentgelte geschützter werke zuständid ist. alles andere würde das system massiv verkomplizieren. ich will kein veranstalter sein, der jeden abend 20 programmlisten und anmeldebögen an diverse verwertungsgesellschaften ausfüllt… dann wirds nämlich richtig teuer für die armen clubbetreiber…

      6. die gema verkauft und vermarktet nichts, weder gute noch schlechte musik. sie sorgt lediglich dafür, dass möglichst alle nutzer für die nutzung der geschützten werke ein entgeld entrichten, das dann den komponisten in form ihrer “tantieme” zugutekommt. hier spielt sich niemand auf und ja, es werden keine musikalischen entwicklungen oder musiker unterstützt, denn dafür ist diese verwertungsgesellschaft nicht zuständig. und dieses wort mal bitte richtig verstehen: “verwertungsgesellschaft” der name ist programm und sgat eigentlich alles aus! das hat nichts mit dem “wert” der musik zu tun, sondern mit der verwertung von musik. für die gema ist musik quasi eine ware, die wie alle waren auch bezahlt werden muss. das hören künstler nicht gern, aber das bracuh sie eigentlich auch nicht interessieren, denn den “wert” der musik bestimmt das publikum, (leider oftmals die fachpresse) und nachfolgende generationen an musikhörern…

      7. du hast vollkommen recht: es muss ein prozess des umdenkens stattfinden. am besten fängt jeder bei sich an und recherchiert erst, bevor halbwahrheiten, gerüchte oder gewollte falschinformationen die runde machen. die gema ist derzeit hoch im kurs der meistgehassten institutionen deutschlands, aber das liegt nicht an ihrem system, sondern an den vielen uninformierten musiknutzern, die ihre geliebte musik in gefahr sehen… keine angst, die musik wir bleiben, aber (so wie die banken auch!) müssen veranstalter lernen, dass man nix geschenkt bekommt und damit auch noch jede menge kohle machen kann…

      p.s.: aus zeitgründen und weil es viele zu “bekehrende” leute gibt, wird das mein einziger beitrag in dieser runde bleiben… sorry, falls offene fragen bleiben!

      • Max

        Hey Thomas, vielen Dank für deinen Input.

        zu 1. heute mag das stimmen, aber die Tarifreform habe ich so verstanden, dass es (Malte hat den Berechnungsschlüssel ja auch nochmal einen Kommentar vorher dargelegt) ab 2013 anhand der Vorhersage berechnet wird und dass im Nachhinein der Veranstalter in der Nachweispflicht ist. Was bei mehreren Veranstaltungen im Monat ein ziemlicher Aufwand ist. Es gibt dann auch leider keine 11 Tarifer mehr sondern nur noch 2 und vom Veranstalter anders kakulierte Events können dann nicht mehr im vorhinein anders deklariert werden. Aber sicherlich ist dies spekulativ, da es ja noch keine Praxis ist.

        ACTA ist in Deutschland zwar abgelehnt worden, hätte das Urheberrecht aber in keinem Punkte verstärkt. Das deutsche Urheberrecht ist eines der Stärksten weltweit und ACTA war (Stand 2012) weniger umfassend. Aber es ist nur mit einseitiger Interessenvertretung entstanden und entsprechend nimmt es für mich keine Vorbildfunktion ein, sondern wurde zurecht verhindert. Die Musikindustrie in Ihrer Gesamtheit hatte jahrelang den Luxus “machen zu können was sie wollte”, denn Verkaufszahlen, Charts und Tonträgerverkäufe waren relativ einfach kontrollierbar, weil durch die von den Labels ausgegeben Zahlen bestimmt. Je höher die Chartplatzierung, desto höher die Anzahl der Air-plays und damit auch die GEMA Ausschüttungen. Das aber in fast allen anderen Branchen eine Orientierung am Kunden den langfristigen Erfolg sichert wurde verpennt. Das aber nicht nur einmal, sondern in den letzten Jahren öfter. Es mag sein, dass youtube und Co. heute stärker auf Ihren Interesse beharren können als früher, aber auch das war nicht immer so. Es geht mir dabei auch nicht darum, dass ich denke dass die Kunden nicht für die Werke bezahlen wollen, sondern dass das Bedürfnis Musik im Internet zu konsumieren sehr hoch ist und dass man wenn man ein Stück hören möchte nicht gleich das ganze Album kaufen möchte ist schon selbstverständlich. Doch anstatt zu versuchen, diese Bedürfnisse zu befriedigen mit legalen und auch entsprechend verwertbaren Angeboten, wird eine Diskussion “Nutzer gegen Urheber” geschürt. Wem nützt das? In meinen Augen niemanden, denn der Urheber braucht die Nutzer, die seine Musik kaufen und umgekehrt möchte er sich mit der Musik unterhalten. Also wäre es wichtig, dass wieder Gegenseitige Wertschätzung gibt. Ich denke nämlich nicht, dass die Internetnutzer in der breiten Masse lieber Musik raubkopieren, als ihre Lieblingskünstler zu unterstützen, nur leider sind legale Angebote erst sehr spät beim Nutzer angekommen.

        Aber zum vergleich gerne auch nochmal hier Nachlesen, der Herr Renner kann das etwas besser formulieren als ich. http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_der_grosse_umsonst_irrtum.html

        Nimmt man diese Aussage entsprechend mal an, dann stellt man schnell fest, dass auch Clubgänger und Partyvolk gerne Geld an den Einlässen und Bars der Tanzlocations lassen. Es ist also nicht so, dass niemand zahlen möchte. Aber und dass gilt auch wenn die Clubbesitzer bisher zu wenig bezahlt haben, diese Hauruckänderungen und Trotzhaltung der GEMA wird nicht zum Konsens beitragen! Gibt es in anderen Branchen massive Änderungen in den Zahlungsmodellen, dann werden diese Stufenweise eingeführt oder man einigt sich auf einen Mittelweg. Dieses Verhalten habe ich von der GEMA noch nicht erlebt. Auch das mag an der Berichterstattung liegen, aber die aktuellen Äußerungen in Interviews geben dem ja leider recht. Dies ist für mich eine Position, die man sich nur erlauben kann, weil es keine Konkurrenz gibt. Sonst müsste es ja so sein, dass sie sich um das beste Angebot bemühen müsste.

        Die “armen” Urheber, die sich übrigens am Lautstärksten Aufregen, sind die die auch am meisten Verdienen. Was an der Gesamtsummer der Mitglieder vor allem 5% sind. (http://www.berliner-zeitung.de/kultur/streit-um-gema-gebuehren-gema–der-club-der-oberen-3400,10809150,16472672.html) Der Rest bekommt, zwar Ausschüttungen aber leben können davon die Wenigsten. Ich habe es Spaßenshalber mal ausgerechnet und die Zahlen aus dem Artikel angenommen.

        Demnach bekommt ein Mitglieder der “unteren 95%” also 61.500 Mitlgieder im Schnitt 4188€ im Jahr. (Damit sind im übrigen nur die Komponisten Bedacht, in einer Band ist das eine Person von 3-5 Mitgliedern) und die oberen 5% bekommen 140.000 € im Jahr. Sicherlich lässt sich das jetzt nicht auf jeden anwenden, aber eine 2 Klassen Mitgliedschaft kann man ablesen, wenn man das möchte. Ich finde es deshalb nicht gut, wenn sich die GEMA als Verfechter aller Urheber aufspielt. Das entspricht nämlich schlicht weg nicht der Wahrheit. Den 95% können dementsprechend in keiner Weise von den GEMA Einnahmen leben. Die 5% sind zum Teil auch Erben von Rechten und haben mit der Komposition nichts zu tun gehabt.

        Die 3 Mitglieder des Aufsichtsrats stecken sich im übrigen mehr in die Tasche als selbst das durchschnittliche ordentliche Mitglied bekommt. Da differiert der Jahresverdienst zw. 450.000 und 250.000€.

        Mir geht vor allem auch der Generalverdacht auf den Sack, alle wollen der lieben GEMA und den lieben Labels und den armen Urhebern was böses. Was aber an den Verkaufszahlen von iTunes und Co. eindeutig wiederlegbar ist.

        Der Komponist, dessen Song bei Youtube nicht verfügbar ist, wird wohl auch zukünftig kein Geld für die Plays bekommen, was sehr schade ist! Aber, da ihm auch kein echter Verlust entsteht, geht ihm durch die Sperrung der Videos eine Möglichkeit des Geldverdienens verloren. Denn Werke die keiner kennt, werden nicht weiterverwendet und Lizenzgebühren bleiben aus. Ich kenne viele kleine Bands, die ihre Musikvideos selbstproduzieren und diese stolz bei Youtube hochladen und über mehrere 10.000 Klicks freuen, da dies auch eine Rückmeldung zur Qualität der Musik ist. Man sollte in neuen Entwicklungen und Möglichkeiten nicht immer die negativen Seiten sehen, sondern endlich auch mal Chancen frühzeitig erkennen und diese Nutzen!

  • Heidi

    @malte: das Argument hinkt! Ich bezahle sonst nichts bevor ich es nicht erhalten habe und auch nicht mehr als ich brauche. Das wäre auch so, als wenn ich meine Wohnung am Anfang des Jahres für das ganze Jahr bezahle. Wenn ich dann in juni ausziehe darf ich mein Geld zurückfordern? Totaler Schwachsinn! Ich bezahle erst nach dem ich die Leistung erhalten habe und für den entsprechenden Umfang und nicht entsprechend der Erwartung vom Verkäufer. Die GEMA lebt anscheinend in ihrer eigenen Welt. Aufwachen ist angesagt.

  • Malte

    @heidi: im Gegenteil. Wenn du etwas im Netz kaufst wird die Ware nach Zahlungseingang versendet. Und auch eine Mietkaution ist eine Summe, die du im Voraus bezahlst und nach der Übergabe der Wohnung wieder bekommst.
    @max: die GEMA ist wie jede Institution ein schwerfälliger Apparat, das stimmt. Das Problem sind vor allem auch interne Kämpfe zwischen E und U-Komponisten, Werbekomponisten, Textdichtern, Verlegern und den schwarzen Schafen (Geschäftsmodelle). Der Zweck der GEMA ist auch weder die Erwirtschaftung von Gewinn noch die Förderung von Musik. Wenn es nach mir ginge, müssten Bohlen & Co. an die GEMA zahlen, anstatt zu kassieren. Die GEMA ist kein Großkonzern, sie wird bestimmt durch verschiedenste interne Interessen (wie ich selbst erleben durfte), viele sinnvolle Regelungen kommen wegen einigen schwarzen Schafen leider sehr schwer oder gar nicht zu Stande.

  • Max

    Da ich gerade drüber stolperte: http://blog.browserboy.de/2012/07/mein-senf-zum-gema-senf.html

    Was hier so halbgeil von mir versucht wurde, hat hier jemand richtig gemacht.

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