Hill Myna by Michael Koch (1)

Kultverdächtig: Hill Myna

In Kultverdächtig, Künstler by Martin4 Comments

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Mach dich rar und sei ein Star. Innerhalb der Musikbranche wird gerne mit dem Ungewissen, dem Mystischen gearbeitet. Doch kann es passieren, dass bei all der Geheimniskrämerei der essenzielle Part des Künstlerdaseins irgendwann auf der Strecke bleibt. Plötzlich interessieren nur noch die aufgestellten Fragezeichen und weniger die Musik dahinter. „Kultverdächtig“ wagt regelmäßig den Sprung nach vorne und tritt ganz dicht an die Menschen heran, die ihre Werke, und vor allem auch die Intensionen dahinter, mit einem Publikum teilen wollen. Heute offenbart sich: Hill Myna.

Des Rätsels Lösung

Hill Myna by Michael Koch (2)Was bedeutet Musik für dich?

Musik ist für mich wie ein gemütliches Zuhause, in dem ich für immer Kind sein darf.

Stefan Hill wächst im Berliner Wedding auf. Heute blickt der 33-Jährige gern auf seine dort verbrachte Kindheit und Jugend zurück. Zum Beispiel auf den Moment, als er im Alter von acht Jahren das erste Mal zum Klavierunterricht geht. Mit Mozart, Bach und Beethoven an seiner Seite versucht Stefan das imposante Tasteninstrument in vollem Umfang zu ergründen und ist zudem völlig berauscht von der Tatsache, dabei eigenmächtig Töne in die große weite Welt entsenden zu können. Irgendwann sind es dann Bands wie Portishead, AIR oder Radiohead, die das Interesse des heranwachsenden Berliners für sich gewinnen können. Doch damit nicht genug. Auch der in den Neunziger Jahren immer populärer werdende Hip-Hop hinterlässt zunehmend seine Spuren im CD-Regal des Teenagers. Heute macht Stefan selbst Musik, und zwar unter dem Pseudonym Hill Myna.

Was muss man deiner Meinung mitbringen, welche Risiken muss man bereit sein einzugehen, um 2014 noch eine Chance auf dem recht überfluteten Musikmarkt zu haben?

„Die Frage aller Fragen! Ich denke, am wichtigsten ist es, eine musikalische Eigenart zu entwickeln und es zu schaffen, diese in die Musik zu übertragen. Ich glaube, dann ist der Zufriedenheitsfaktor am höchsten. Das größte Risiko ist es meiner Meinung nach, ein Risiko daraus zu machen. Ich stecke viel Zeit und Geld in meine Musik, habe aber trotzdem keine Angst vor Misserfolg. Warum auch? Ich bin jetzt schon zufrieden. Es gibt für mich also gar kein Risiko.“

Nachdem er als Produzent und Mitglied eines Bandprojekts erste Erfahrungen gesammelt hat, beschließt Stefan Hill 2011 fortan kompromisslos seinen eigenen akustischen Visionen zu folgen. Als Hill Myna arbeitet er an verschiedenen Songentwürfen, die schließlich zu dem Album „In Color“ führen, das am 10.12.2014 seinen Release feiern wird.

Welche Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen bindest du selbst an diese Veröffentlichung?

„Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht. Ich würde mich am meisten darüber freuen, wenn meine Musik neue Menschen erreicht und sich über mein Umfeld hinaus verbreitet. Und natürlich auch, dass es ihnen dann gefällt.“

Mehr als drei Jahre Arbeit stecken in „In Color“ und wenn man sich die zehn darauf befindlichen Stücke anhört, spürt man, mit welchem Feingefühl und welcher Wertschätzung sich Stefan Hill dem Experiment Debütalbum gewidmet hat.Die Produktionen wirken durchdacht und doch unheimlich kreativ aufgeladen zugleich.

In Color ArtworkKannst du versuchen zu beschreiben, wie der kreative Prozess von der ersten Songidee bis hin zum fertigen Stück bei dir abläuft?

„Bei mir passiert das entweder am Klavier oder an der Gitarre. Meistens sind harmonische Strukturen mein Grundbaustein. Manchmal ist es aber auch eine Melodie der Auftraggeber. Die Ideen halte ich dann entweder auf meiner Voice-Memo-App fest oder auf meinem Laptop fest. Oft gibt die Musik vor, welcher Text dann passt. Es ist ganz selten anders herum bei mir. Der letzte große Schritt ist das Ausproduzieren. Das ist entweder sehr leicht oder wahnsinnig schwer. Jeder Song braucht eine bestimmte Art der Darstellung, eine Inszenierung. Die richtige Bühne, das richtige Setting für einen Song zu finden, ist immer wieder ein neuer und spannender Prozess.“

„In Color“ zieht weite Kreise und ist nicht nur in einem einzigen Genre beheimatet. Greift man zufällig zwei Stücke aus der Tracklist heraus, so kann es sein, dass diese in völlig unterschiedliche Klanguniversen entführen. Das heißt allerdings im Umkehrschluss nicht, dass es keine einheitliche Linie auf „In Color“ gäbe. Was Songs wie den euphorischen Opener „Waves And Sunset“, bei dem auch Stefans Schwester zu hören ist, und das weitläufige Finale „White“ verbindet, sind die musikalischen Referenzen, die Hill Myna bei der Entwicklung der Platte beeinflusst haben.

Alles was mir musikalisch je begegnet ist, hat es in irgendeiner Form auf dieses Album geschafft. Und sei es, durch das bewusste Weglassen. Im Endeffekt gibt es ja keine unbeeinflusste Musik und das finde ich auch sehr schön. Doch ich überlasse die Suche nach meinen Inspiratoren gerne den Hörern.

Zwischen Indierock, Alternative, New Wave, Folk und Ambient springt „In Color“ munter hin und her. Wo „Today“ noch luftig leicht wirkt, stampft „Glance“ bereits schwer beladen in Richtung Nachtclub. „Something About Us“ erzählt mit sanfter Stimme seine Geschichte, „Sunlight“ erstrahlt nahezu gleißend im Mittelteil des Albums und „Sweet Novelty“ wird zu einer dieser leisen Hymnen, die sich unmittelbar ins Gedächtnis brennen. Verträumt und schwerelos präsentiert sich „Trip The Light Fantastic“, das dem Dream Pop den Walzerschritt lehrt, und somit in Kontrast zu dem wesentlich kantigeren „My Place“ steht. Last but not least wäre dann da noch „Too Good“ und dieser Track feiert jetzt bei Kultmucke seine Premiere.

‚Too Good‘ erzählt vom Verliebtsein. Von der Aufregung und der großen Panik, irgendwas falsch zu machen.

Wie sah dein Leben während der Produktion von „In Color“ aus? Wie nah liegen Glück und Verzweiflung in diesen Zeiten beieinander?

„Zählt man die Tage und Nächte zusammen, war ich bestimmt mehrere Monate in Studios unterwegs. Habe ewige Mixing-Sessions hinter mir und immer und immer wieder an den Songs gefeilt. Für Außenstehende ein wahrlich skurriler Prozess.“

Obwohl Hill Myna im Herzen vielleicht ein Soloprojekt darstellen mag, lässt sich Stefan Hill auch gern von anderen Musikern unter die Arme greifen – sei es bei Liveauftritten oder dem Einspielen seiner Songs im Studio. Genau an dieser Stelle schließt sich nun der Kreis und wir gelangen zu einem Act, den wir euch bereits im September 2013 bei „Kultverdächtig“ vorstellten. Das musikalische Ehepaar Early Autumn Break sollte sich für Stefan als eine der wichtigsten Unterstützer bei der Produktion von „In Color“ erweisen. Kein Wunder also, dass die Platte schließlich auch auf dem von Susan und Chris betriebenen Label One Sunny Day Recordings vertrieben werden wird. Und nicht zuletzt waren es eben auch Early Autumn Break, die uns mit ihrer Begeisterung für Hill Myna infizieren konnten.

Jetzt wo auch du Teil der „Kultverdächtig“-Familie wirst, wäre es natürlich interessant zu erfahren, wie du eigentlich zu dieser Artikelreihe stehst?

„Ich fühle mich geehrt und freue mich sehr, dabei zu sein! Dank dieser Kolumne habe ich viele neue und unglaublich gute Bands kennengelernt. Zudem ist meine Liebe zum Mixing wieder neu entfacht. Die Produktion des Coversongs war dabei sehr ausschlaggebend. Vielen Dank dafür!“

Richtig, der Coversong. Erfahrene Leser wissen bereits, dass zu jedem „Kultverdächtig“-Feature auch immer die Neuinterpretation eines Songs gehört, den die entsprechenden Künstler selbst auswählen, einspielen und für unsere exklusive Playlist bereitstellen. Hill Mynas Wahl fiel dabei auf Becks „Volcano“, was insofern interessant ist, als dass Stefan Hills Stimmfarbe und auch die Aufmachung seiner Songs an vielen Stellen bereits an seinen amerikanischen Kollegen erinnern.

Ich mochte den Song schon immer sehr. Es ist der letzte Song auf dem Album ‚Modern Guilt‘. Allerdings war mir ‚Volcano‘ soundmäßig immer etwas zu grob und trashig. Ich habe ihn einfach komplett anders gehört. Das habe ich versucht umzusetzen.

Woran denkst du, wenn du das Wort Kultmucke hörst?

„‚Smells Like Teen Spirit‘, ‚Teardrop‘, ‚All I Need‘, ‚Paranoid Android‘ und natürlich an euch und die vielen spannenden Künstler, die ich vielleicht sonst nie kennengelernt hätte.“

Kultverdächtig

Egal, auf welche Art man sich Hill Myna auch nähern mag – man findet an allen Ecken und Enden Impulse, die man nur mit einem einzigen Wort beschreiben kann: kultverdächtig. Seien es die vielen Analogien zu großartigen Künstlern der Musikgeschichte oder die durchgehende Passion, mit der Stefan Hill sich seinen Kompositionen verschrieben hat.

Gewinnspiel

Wir reisen mit der heutigen Verlosung in die Zukunft. Zwei Leser haben die Chance, zum Release von „In Color“ (am 10.12.2014) das entsprechende Album als Download und ein passendes Shirt in gewünschter Größe abzustauben. Um an besagtem Datum nicht mit leeren Händen dazustehen, solltet ihr bis spätestens kommenden Mittwoch, den 22.10.2014, eine Mail mit dem Betreff „Hill Myna“ an martin@kultmucke.de geschickt haben. Unter allen Einsendungen werden die Gewinner zufällig ermittelt. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Interessante Links

Offizielle Website von Hill Myna

Hill Myna bei iTunes

Soundcloud-Profil von Hill Myna

Hill Myna bei Facebook

Fotos © by Michael Koch