Kultverdächtig: Jesper Munk

In Musik by Gastautor

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Auf einem abendlichen Spaziergang durch die Straßen Berlins bleibt der Autor dieses Artikels an einem Spätkauf-Kiosk stehen. Mit den Augen scannt er die nach Themen sortierten Regale ab, bis die Buchstabenkombination „MUSIK“ sein Interesse weckt. Von fast jedem der Titelblätter in dieser Sparte blicken unseren Nachtschwärmer dabei zwei skurrile Herrschaften an, die futuristische Cyber-Helme auf ihren Köpfen tragen. Irgendwie wenig abwechslungsreich, denkt er sich. Einmal eins der scheinbar austauschbaren Magazine aufgeschlagen, liest der kritische Nachwuchsredakteur unbeeindruckt all jene Geschichten über die zahlreichen Musiker, die mit ihren aktuellen Veröffentlichungen abermals das Sound-Rad neu erfunden haben wollen oder betrachtet glanzvoll inszenierte Fotos, auf denen hippe Newcomerbands scheinbar seelenlos in die Kamera grinsen. Kaufen wird er in diesem Laden nichts. Stattdessen dreht er die Lautstärke seines iPods auf und hört weiterhin das Debüt eines jungen Mannes, dessen Gesicht er schon ganz deutlich in Verbindung mit dem Titel „Kultverdächtig“ sehen kann: Authenzitätsliebhaber Jesper Munk.

Im verrauchten Nachtclub

_MDO1918_printWas bedeutet Musik für dich?

Alles was deine Sinnesorgane aufnehmen, alles, was du träumst oder dir einfach nur vorstellst, kannst du auch auf deine persönliche Art und Weise mit Musik ausdrücken. Musik bedeutet für mich also alles.

Die EG-Gesundheitsminister warnen, dass Rauchen tödlich sein kann. Jesper Munk sieht das gelassen. So hält er auf dem Albumcover seines Debüts genüsslich eine Zigarette in der Hand. Unbekümmert, sorglos, entspannt. Wer ehrliche Musik machen will, der sollte auch zu seinen Lastern stehen, antwortet er uns auf die Frage, weshalb man sich denn für diese Darstellung entschieden habe. Und eine gewisse Ästhetik kann man dem Glimmstängel als solchem ja auch nicht absprechen. Zumal er perfekt zu dem Bild eines verrauchten Nachtclubs, mit zerschlissenen Wänden, schummrigem Licht, Holztheke und kleiner Proberaumbühne passt, welches sich der Verstand sofort ausmalt, sobald Jespers Songs, wie zum Beispiel das kratzige „Hungry For Love“, ertönen.

Jesper Munk kann sich ein Leben ohne Musik gar nicht mehr vorstellen. Schon in seiner frühsten Kindheit waren Rockgrößen wie Elvis, Tom Waits oder die Beatles allgegenwärtig für den Blondschopf mit dänischen Wurzeln. Verbunden mit der Tatsache, dass sein Vater von jeher selbst musizierte, beeinflusste dies den jungen Jesper in seinem Denken, seinem Geschmack und seinen Ansichten. So zeichnete sich mehr und mehr ein Weg für ihn ab, dem er nach einigen Anlaufschwierigkeiten schließlich bereitwillig folgte. Denn es gehörte anfangs eine gute Portion Hartnäckigkeit dazu, die die Mitglieder der Formation Lila’s Riot aufbringen mussten, um Jesper davon zu überzeugen, ihrer Band beizutreten. Einmal im Probekeller und dem Schmelztiegel des Garage-Rocks angekommen, dem Lila’s Riot sich verschieben hatte, konnte Jesper jedoch nicht mehr anders als sich schlussendlich vollends der Musik hinzugeben. Die frühe Liebe zu Ton und Klang erblühte so von Neuem und fesselte das junge Talent mit einer unbändigen Leidenschaft.

Welche Erfahrungen hast du mit der Band gesammelt?

„Ich hab sehr viel von jedem Einzelnen gelernt. Die Freundschaften wurden natürlich immer dicker und ab und an auch auf die Probe gestellt. Die Erfahrungen und Erinnerungen, die ich in den vier Jahren sammeln durfte, sind für mich die wichtigsten meines Lebens.“

Gestärkt und selbstbewusster denn je entwickelte Jesper das Verlangen, auch auf eigenen Pfaden und unabhängig von seinen Bandkollegen, nach den persönlichen Grenzen zu suchen. Er griff zu seiner Gitarre und trat regelmäßig bei einer Veranstaltung namens Fish’n’Blues in der Münchner Glockenbergwerkstatt auf.

So hat’s dann angefangen. Ich habe quasi mein persönliches Ventil gebraucht.

Unbenannt-1Dabei blieb Jesper den retroesken Klangstrukturen vergangener Zeiten treu. Probierte sich in Blues, Rock und Folk. Dass dies auch Auswirkungen auf seine Debütplatte „For In My Way It Lies“, die am 14.06.2013 veröffentlicht wird, haben musste, verwundert da natürlich nicht. 12 Stücke voller Energie, verschwommener akustischer Querverweise und einer Reife, die man einem 20-Jährigen gar nicht zutrauen würde, bilden gemeinsam ein sehr überzeugendes Erstlingswerk.

Der Titel deines ersten Albums lehnt sich an ein Shakespeare Zitat an. Was verbindest du mit dieser Zeile und dem britischen Poeten? Und warum hast du dich letzten Endes für eben diesen Titel entschieden?

„‚For in my way it lies‘ heißt so viel wie ‚for he’s in my way‘. Macbeth bezieht diese Aussage auf Malcom, die Hürde, die er nehmen muss, um König zu werden. Ich fand die Wortästhetik sehr schön und die Bedeutung der Hürde passt gut zu der Lage, in der man sich mit 20 Jahren befindet. Ich meine damit die Hindernisse, die man beim Werden überwinden muss. Ich habe das Zitat zuerst in den Song ‚The Everlasting Good‘ eingebaut, welcher für eine sehr besondere Frau und Shakespeare-Liebhaberin geschrieben wurde, dann wurde der Titel des Albums daraus.“

Neben dem erwähnten „The Everlasting Good“, einer recht groovigen und fast schon leichtfüßigen Nummer, machen Tracks wie der Opener „Seventh Street“, den ersten Longplayer Jesper Munks zu einem echten Hörvergnügen.

„Seventh Street“ ist nicht nur das Eröffnungsstück deines Albums, sondern auch die erste Single. Wieso hast du diesen Song auserkoren, um dein Album zu repräsentieren?

„Der Song ist in sehr kurzer Zeit in New York entstanden, wo ich für eine Woche „Urlaub“ gemacht habe. Ich hatte lange gespart, um mir dort eine Gitarre zu kaufen, was ich dann auch gemacht habe. Als ich nach Hause gekommen bin, hab ich ihn mit dieser alten Jazzgitarre aufgenommen und seitdem hat er sich nicht mehr verändert. Er ist für mich ein sehr solides und ehrliches Stück Musik und so wollte ich die Platte präsentieren.“

Worum geht es denn in dem Stück?

„Um eine zerstörte Beziehung, Befreiung und die Stimmung auf der 7th Street, wenn es regnet.“

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Dass Songwriting keine Frage des Alters ist, beweist „For In My Way It Lies“ auf eindrucksvolle Art und Weise. Feinfühlig nähert sich Jesper Munk innerhalb seiner Songs den eigenen Gedanken, Träumen und Sinneseindrücken, extrahiert deren Grundmotive und hüllt sie in aufrichtige Singer-Songwriter-Melodien. Das schaffen nur wenige Künstler mit einer solchen Selbstverständlichkeit. Doch geht Jesper noch einen Schritt weiter und nimmt sich unerschrocken auch den Stücken anderer Musiker an. Seine Intension ist es dabei einerseits, den Titeln einen eigenen Fingerabdruck zu verpassen, ohne gleichzeitig deren Essenz zu zerstören. Andererseits möchte er damit natürlich auch den eigentlichen Komponisten huldigen und sich selbst musikalisch an deren Arbeit fortbilden. Insofern war es auch eine Ehre für den nebenbei in einer bayrischen Wirtschaft als Kellner jobbenden Munk, exklusiv ein Cover für dieses „Kultverdächtig“-Feature einspielen zu dürfen. Auf „Death Don’t Have No Mercy“, ein Lied von Reverent Gary Davis aus den 1920er Jahren, fiel seine Wahl.

Warum?

„Der Song ist sehr einfach aufgebaut und dadurch unwahrscheinlich intensiv. Das Gitarrenspiel und auch das Songwriting von Davis sind für mich meisterhaft und ich würde gerne, wie auch schon viele, auf ihn aufmerksam machen.“

Wer nun immer noch an den Qualitäten dieses aufstrebenden Musikers zweifelt, der sollte sich vielleicht auf den Weg zu einer seiner Liveshows machen. Bevor er die Stage entert, gönnt sich Jesper übrigens meist noch eine Zigarette und trinkt ein Bier.

Wenn du dann auf die Bühne gehst und deine Songs performst, wie fühlt sich das für dich an?

Das ist neben Sex und dem Gefühl der Liebe, das Größte, was ich kenne.

Da sich Jesper Munk aktuell leider etwas rarmacht, was seine Auftritte angeht, sollte man alternativ die Möglichkeit nutzen und sich einmal durch die Weiten von Youtube & Co. klicken, in denen man immer wieder auf kleine Perlen stößt, die der charismatische Sänger dort versteckt hat. Beispielsweise den „Broke Folk Song“. Intensiv und mitreißend verströmt die Aufnahme einen extravaganten Charme und hebt sich deutlich von den anderen Videos ab, die Amateure hochladen, um einem breiteren Publikum bekannt zu werden.

Was macht einen perfekten Tag für dich aus?

Wenn er fast perfekt ist.

Kultverdächtig

Jesper Munk blickt aufgeregt der Veröffentlichung seines Albums „For In My Way It Lies“ entgegen. Wir können ihn in dieser Hinsicht ein wenig beruhigen und sind uns sicher, dass es viele Musikliebhaber geben wird, die diesen Lichtblick aktueller Singer-Songwriter-Kunst mehr als zu schätzen wissen werden. Selten hat man ein derart erwachsenes und starkes Erstlingswerk zu hören bekommen. Mit seinen Songs schafft es Jesper, dass Zeitreisen keine Zukunftsmusik mehr ist, sondern schon im Jahre 2013 stattfindet und jeden, der es möchte, mühelos in längst vergessene Tage zurückreisen lässt.

Verlosung

Anscheinend hat Jespers Fähigkeit auf uns abgefärbt, denn auch wir haben jene magische Gabe und können euch nun aus der Ggenwart lösen und ganze zwei Wochen ins Morgen schicken. Nutzt die Chance auf eins von drei CD-Exemplaren des Jesper Munk Debüts „For In My Way It Lies“, das regulär erst am 14.06.2013 seinen Release feiern wird. Schickt dafür bis spätestens kommenden Montag, den 03.06.2013, eine Mail mit dem Betreff „Jesper Munk“ an martin@kultmucke.de. Aus allen Einsendungen werden zufällig drei Gewinner ermittelt und anschließend per Mail benachrichtigt.

Interessante Links

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Offizielle Website von Jesper Munk

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