Kommentar: Neuer Trend der Namenskürzung – Wenn Bands plötzlich erwachsen werden

In Kultcheck, Lifestyle by Julia

Genre:

Als Capture The Crown am 14. März 2017 alle Facebook-Einträge löschten und stattdessen Titel- und Profilbild in „RIP CTC 2010 – 2017“ änderten, war die Verwirrung unter den Fans groß. Noch immer ist nicht ganz klar, was passiert ist. Die Band existiert wohl weiterhin – aber unter dem Namen „Capture“.
Zwei Wochen später postet die deutsche Melodic-Hardcore Band Burning Down Alaska: „// IMPORTANT ANNOUNCEMENT IN 24 HOURS //“ – und laden 24 Stunden später ein Video hoch, in dem sie die Namensänderung in „ALAZKA“ bekannt geben.
Am 07. April folgt die nächste Band: Itchy Poopzkid – wohl vielen ein Begriff aufgrund des doch eher kindischen Namens – veröffentlichen ihre neue Single-Auskopplung „Nothing“ unter dem Namen „Itchy“. Dabei war es ironischerweise die Band selbst, die in mehreren Interviews betonte, man müsse mit schlechten Bandnamen leben und dabei über ihre eigene Entscheidung lachen konnte.
Was ist also los in der Welt der Musik? Heißt Justin Timberlake bald nur noch Justin und gerät in Rechtsstreit mit Justin #2 (ehemals Bieber)?
Die Begründungen der Bands klingen wie aus einem Munde: Man sei erwachsen geworden, man wolle seinen Stil ändern, man könne sich mit dem, was mal war, nicht mehr eindeutig identifizieren. Dementsprechend amüsant fallen die Reaktionen der Fans aus: „Vergesst nicht, dann auch nichts mehr von eurer bisherigen Musik zu spielen. Dafür seid ihr jetzt viel zu Erwachsen!“, schreibt ein Nutzer auf Facebook und erhält sofort Zustimmung. Zurecht – denn sich als Band in solchem Ausmaß über den Namen zu definieren, wirkt alles andere als erwachsen. Musiker sollten sich viel eher über ihre Musik definieren anstatt dem Namen eine solche Fokusposition einzuräumen. Es ist normal, sich weiterzuentwickeln, Neues auszuprobieren, mit früheren Jahren zu hadern, sich vielleicht sogar dafür zu schämen. Als Mensch nennt man das übrigens Leben. Deshalb benennen die Eltern ihre Kinder nach der Pubertät aber nicht plötzlich um, auch wenn deren Frisur vor zwei Jahren im Nachhinein betrachtet der größte Fehltritt war. Entscheidungen gehören zur Lebensgeschichte – auch eine Namensänderung und ganz, ganz viel Verdrängung ändern daran nichts.
Was außerdem auffällt: keine der drei Bands wagte den Schritt, sich vollständig vom alten Namen zu distanzieren – es erfolgte lediglich eine Namenskürzung. Auch die unter neuem Namen veröffentlichten Songs erinnern sehr stark an früheres Material (wäre ohne Namensänderung wahrscheinlich keinem aufgefallen, der „neue“ Stil). Den Fans wird also nichts Ganzes und nichts Halbes vorgelegt. Und zum Dank darf das alte Merchandise im Schrank versauern.