„Konzept Feuerpudel“: Schreiben, zuhören, mitbellen!

In Berlin, Ecken checken by Gastautor

Feuerpudel macht Mut. Gelegenheit macht Diebe. Warum also nicht mal  gelegenheitsdiebisch sein und fremdes Gedankengut für umme einsacken?

Der Diether.

So geschehen letzten Donnerstag, in der Bar „Gelegenheiten“ im schönen Neukölln. Hier findet seit Oktober letzten Jahres einmal monatlich die Veranstaltungsreihe „Konzept Feuerpudel“ statt. Doch was genau verbirgt sich hinter dem gelockten Vierbeiner, der sich todesmutig durch den brennenden Reifen stürzt? „Das Pudelbildnis selbst ist als Metapher zu verstehen“, erklärte mir Josephine, eine der vier Organisatoren. Es erfordert Mut, die selbst verfassten Zeilen mit Fremden zu teilen,  eigene Gedanken an die Zuhörer abzugeben. Also, sei Hund, sei mutig, lass raus was in dir schlummert! Die Alphapudel, die Macher des ganzen, sind vier Kulturwissenschaftsstudenten in den Mittzwanzigern, die ich euch an dieser Stelle als Josephine, Walter, Jörg und Diether vorstelle. Man lernte sich in der Weite der Uniflure kennen, und schnell war klar, dass aus dieser Zusammenkunft etwas „Fruchtbares“ entstehen könnte. Ein bisschen Kultur leben, Kultur zum Anfassen, da wo sie entsteht, direkt bei den Menschen. Ein Poetry Slam sollte es werden, eine Möglichkeit für Schreibende, ihre Gedanken mit anderen zu teilen, das Vorgetragene direkt auf den Zuhörer wirken zu lassen, ohne unnötiges Schischi. Der Text sollte im Vordergrund stehen bei der ganzen Sache, und so geschah es dann auch: „Konzept Feuerpudel“ was born!

Angefragt wurde bei der Bar „Gelegenheiten“ in der Weserstraße, die seitdem nun einmal im  Monat zum Obdach für die Pudelcrowd wird. Berlintypisch präsentiert sich die ehemalige Metzgerei ein wenig abgefuckt und vom Interieur her improvisiert, was die Location ungemein sympathisch macht und bestens zum Pudelkonzept passt.

Letzten Donnerstag also tauchte ich ein in eine Welt aus weiß gekachelten Wänden,  rammeligen Sofas und bunt zusammengewürfelten Stühlen um zusammen zu kommen mit anderen, die gerne zuhören. Und/oder schreiben. Als kleine feine Einstimmung auf das bevorstehende Geschehen gabs erstmal den „Lion“ per Leinwand für uns. Entspannt und mit freiem Kopf ging es dann weiter im Hinterzimmer der Location, wo uns insgesamt sieben Texte vorgetragen wurden. Und da sind wir auch schon bei der kleinen Besonderheit, die das Pudelkonzept von anderen Poetry Slams unterscheidet. Die Texte werden anonym vom Autor eingereicht  (Mail an: poetry@dunst-kreis.de) und von Diether, einem der Alphapudel,  vorgetragen. „Ohne Autor leben Texte Welt“. O-Ton Josephine. Und es stimmt. Ich selbst bin ohne große Erwartungen oder Vorstellungen in den Abend gegangen. Letzten Endes war ich sehr überrascht. Diether – ein echtes Original – mit Bundfaltenhosen und Hornbrille, einer Verbal- und Witzgewalt, die einfach mitreißt und die Meute zum gackern brachte. Es war sehr angenehm, seiner Stimme zu lauschen, der Stimme, die den Texten der Autoren seine ganz eigene Seele einhaucht.

Eine Abstimmung, ein Ranking, bei dem die drei Gewinner des Abends gekürt wurden, rundet das ganze Spektakel zu späterer Stunde ab. Kleine Preise und Freigetränke können hier eingesackt werden, an dieser Stelle kann sich der Schreiberling auch überlegen, ob er sich als Autor seines Schreibguts „outen“ und seinen Preis in Empfang nehmen möchte, oder lieber unerkannt bleibt und sich im Stillen am frenetischen Applaus der Anwesenden erfreut. An diesem Abend war beides der Fall, manche gaben sich zu erkennen, andere blieben im Verborgenen. Die ganze Zeit über hatte ich meine Blicke schweifen lassen und mir ausgemalt, wer jetzt wohl was geschrieben hat, von anrührend, schmonzettig über nachdenklich und Textmonster à la „Berliner-Schnauze-Sprachgewalt“ war schließlich alles am Start.

Die Auflösung und Zuordnung Text – Autor  fiel dann teilweise schon recht unerwartet aus. Abgedroschen, aber wirklich war: In den Kopf gucken kannst du niemandem. Umso spannender und schöner also der Gedanke der Textentfremdung und das große Rätselraten hinterher „na, von wem war das nun wohl….“.

Wenn also eine Sache bei dir nicht immer rund laufen muss sondern auch mal eckig sein darf, wenn du neugierig bist, was verborgen in den Köpfen und Herzen anderer so schlummert und im Alltag vielleicht nicht immer so ausgesprochen wie es geschrieben wird, wenn du gerne mit Fremden bei einer Zigarette über TKKG Episoden ins Gespräch kommen magst oder einfach nur gemütlich mit Freunden bei einem Bierchen und netter Stimmung den Abend ausklingen lassen möchtest – dann schwing die Hufen Richtung „Feuerpudel“. Und wenn du selber gerne schreibst – na dann erst recht!

„Konzept Feuerpudel“, jeden 2. Donnerstag ab 20 Uhr in der Bar „Gelegenheiten“ (Weserstraße 50/Neukölln)

poetry@dunst-kreis.de
http://www.dunst-kreis.de
http://www.gelegenheiten-berlin.de