Marc Poppcke

Marc Poppcke und ein Jahr Crossfrontier Audio mit Verlosung

In Interview, Musik by Arne2 Comments

Genre:

Wer im Club auf schwebende, melodiöse Sounds steht, der wird bestimmt schon das eine oder andere mal zu einem Track von Marc Poppcke oder seinem Label, Crossfrontier Audio, die Welt um sich herum vergessen haben. Seit einem Jahr schon beglückt uns das Berliner Label immer wieder mit seinem typischen Sound, welcher sich bewusst nicht an aktuellen Trends orientiert, sich aber auf keinen Fall vor den aktuellen Größen im Genre verstecken sollte.
Zum Jubiläum ist am letzten Montag eine Jubiläums-Compilation erschienen, auf dem zwölf bisher unveröffentlichte Remixe und Tracks von Künstlern aus dem Labelumfeld zu finden sind.
Aus diesem Anlass haben wir ein Interview mit Marc geführt, welcher, wie er selbst sagt, nicht mehr aufhören kann über elektronische Musik zu sprechen, wenn er einmal damit angefangen hat. Wir finden das Spitze und deswegen gibt’s vorab auch gleich schon den passenden Soundtrack:

 

1. Du erreichst den Club und stellst fest, dass mehr Leute an der Bar Stehen, als auf der Tanzfläche, wie reagierst du?

Das hängt ganz von der Uhrzeit ab. Wenn es noch früh am Abend ist, finde ich es durchaus in Ordnung, dass die Leute erstmal an der Bar stehen und sich unterhalten und nicht gleich direkt auf die Tanzfläche stürmen. So ein Clubabend kann lang sein und muss sich ja auch erst einmal entwickeln. Als DJ würde ich dann versuchen den entsprechenden Soundtrack dazu zu liefern, indem ich eher ruhigeren Warm-Up Sound spielen würde. Nach und nach würde ich dann das Tempo ein wenig anziehen, in der Hoffnung, dass sich das Verhältnis von ‚Leuten an der Bar’ zu ‚Leuten auf der Tanzfläche’ zu meinen Gunsten verschiebt ;-) Steht die Mehrzahl der Leute zu vorgerückter Stunde immer noch an der Bar, wird es weitaus schwieriger. Dann heißt es als DJ ein wenig rumprobieren, ob man irgendetwas findet worauf die Leute positiv reagieren. Auch das gehört zu der Aufgabe eines DJs dazu und kann eine spannende Aufgabe sein. Gerade wenn es am Ende gelingen sollte, die Leute zum Tanzen zu bringen, erfüllt einen das doch auch mit Stolz. Natürlich gibt es auch immer wieder Abende an denen man auf verlorenem Posten steht. Aber ich versuche eigentlich immer das Beste aus jeder Situation rauszuholen, denn schließlich wurde ich dafür ja auch gebucht.

2. Labelowner, Produzent, DJ, im Nachtleben bist du eher Macher statt Konsument, ein Ergebnis langer, harter Arbeit oder eher ein Schicksal?

Als ich anfing mich mit elektronischer Musik zu beschäftigen war eigentlich relativ schnell klar, dass ich die Musik nicht nur einfach konsumieren möchte, sondern  auch aktiv an ihr teilhaben und vielleicht auch ein  Stück weit mitgestalten möchte. Von daher ist es schon Schicksal gewesen, als mir ein sehr guter Freund Mitte der 90er die ersten HR3 Clubnights von Sven Väth mitbrachte, denn seitdem dreht sich mein Leben zum größten Teil um elektronische Clubmusik. Dabei ist es aber nicht so, dass ich nicht auch mal versucht hätte einen bürgerlicheren Weg einzuschlagen, was jedoch immer wieder nach kurzer Zeit gescheitert ist. Deshalb habe ich mich irgendwann dazu entschlossen meine ganze Kraft und Energie der Musik zu widmen. Aus diesem Grund habe ich zunächst eine Tontechnikerausbildung an der SAE hier in Berlin absolviert und danach an der Universität der Künste noch den Studiengang ‚Sound Studies’ belegt, den ich dann 2011 mit einem ‚Master of Arts’ abgeschlossen habe. Seitdem versuche ich von der Musik zu leben, was aber nach wie vor ein täglich neuer und harter Kampf ist.
Wie gesagt würde ich es schon als Schicksal bezeichnen, dass ich mich heute mit Musik beschäftige, es war und ist aber auch mit langer und harter Arbeit verbunden.

3. Henne oder Ei, bitte bring diese Begriffe in deine persönliche Reihenfolge: Produzieren, Feiern, Weltherrschaft, Auflegen, elektronische Tanzmusik, künstlerischer Anspruch.

Elektronische Tanzmusik, Auflegen, Produzieren, künstlerischer Anspruch, Weltherrschaft, Feiern.

Mein ganzer Alltag dreht sich wie angesprochen um elektronische Tanzmusik, ob beim Produzieren eigener Tracks, bei der täglichen Labelarbeit oder beim Auflegen am Wochenende. Deshalb habe ich den Begriff ganz an den Anfang gestellt.
Danach kommt dann aber definitiv das ‚Auflegen’. Ich habe zunächst einige Jahre als DJ in Clubs aufgelegt, bevor ich mit dem Produzieren eigener Tracks begonnen habe und ich sehe mich nach wie vor in erster Linie als DJ. Die Aussicht am Wochenende als DJ auflegen zu dürfen ist für mich die Antriebsfeder für alle anderen Aktivitäten.
Das Produzieren eigener Musik macht mir auch sehr viel Spaß. Aber es ist nach wie vor so, dass ich hin und wieder einige Selbstzweifel habe, weshalb das Selbstverständnis und auch Selbstbewusstsein mit dem ich als DJ beim Auflegen heran gehe noch nicht so ausgeprägt sind.
Den künstlerischen Anspruch hab ich ein wenig weiter hinten angeordnet. Für mich geht es eher darum eine künstlerische Freiheit zu erreichen, einfach das machen zu können was einem gerade in den Sinn kommt. Da habe ich mit der Gründung des eigenen Labels bereits einen großen Schritt getan, weil ich jetzt weiß, dass ich einen Track jederzeit veröffentlichen kann, wenn ich es für richtig halte und keine Rücksicht auf die Meinung anderer Leute mehr nehmen muss. Das erleichtert mir das Produzieren eigener Tracks ungemein. Beim Auflegen gebe ich den ‚künstlerischen Anspruch’ sowieso an der Garderobe des Club ab. Es geht doch darum Leute zum Tanzen zu bringen und ihnen eine gute Zeit zu bescheren. Da gehe ich nicht allzu kopflastig an die Sache heran und versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten einfach das optimale aus einem Abend herauszuholen. Denn es gibt doch nichts Besseres als eine volle Tanzfläche mit glücklichen Menschen vor sich zu haben.
Die Weltherrschaft wäre definitiv schön und ist auch erklärtes Ziel. Einfach deshalb weil ich so viel Leute wie möglich mit meiner Musik erreichen möchte. Dafür würde ich mich aber musikalisch nie verbiegen lassen. Ich denke, das zeigt auch mein bisheriger Werdegang. Da hätte ich es mir oftmals, wie jetzt auch mit Crossfrontier Audio, wesentlich einfacher machen können, um mehr Bekanntheit zu erlangen. Ich bin aber noch nie irgendwelchen Trends gefolgt und eher im Gegenteil oft sehr schnell gelangweilt davon gewesen. Von daher lasse ich mich einfach von meinen Gefühlen leiten wohin die Reise gehen soll. Wenn nachher die Weltherrschaft dabei herauskommt, um so besser. ;-)
Das ‚Feiern’ kommt deshalb ganz am Ende, weil ich noch nie jemand war, der alle Partys bis zur letzten Afterhour mitnehmen musste oder Angst hatte etwas zu verpassen, wenn er mal am Wochenende nicht auf Piste war.
Ich bin aber bestimmt auch keiner der 5 Minuten vor einem Gig im Club erscheint und 5 Minuten danach wieder verschwunden ist. Mich fasziniert das Nachtleben nach wie vor sehr und ich bin auch gerne auf Partys unterwegs, vor allem wenn ich selber auflege. Aber wenn ich an einem Wochenende mal nicht selber spiele, freue ich mich auch auf ein ruhiges Wochenende zu Hause mit meiner Frau.

4. In einem Jahr habt ihr mit Crossfrontier Audio schon eine ansehnliche Anzahl an Releases und Partys hinter euch. Wie soll es weitergehen? Wo sehen wir dich und dein Label in einem Jahr?

Wohin sich das Label musikalisch entwickeln wird kann ich jetzt noch nicht genau sagen. Grundsätzlich steht das Label für melodische elektronische Musik, dass kann genremäßig aber relativ viel bedeuten. Ich möchte auch in Zukunft einfach die Musik veröffentlichen, die mir persönlich gefällt ohne dabei auf irgendwelche Trends und Hypes Rücksicht zu nehmen. Wie sich das Label in einem Jahr darstellt weiß ich deshalb noch nicht genau. Ich würde in Zukunft aber auch gerne Artistalben veröffentlichen, was allerdings noch einmal einen ganz anderen Anspruch an ein Label stellt. Erste Gespräche mit einem Künstler gibt es da bereits. Aber auch das lasse ich mal auf mich zukommen.
Was die Partys bzw. Labelnächte angeht werden wir auf jeden Fall versuchen das Ganze noch weiter voran zu treiben. Es gibt einfach nichts besseres als mit ein paar Freunden diese Leidenschaft für elektronische Musik in Form einer gemeinsamen Party zu teilen.
Wir hatten ja gerade unsere 1-Jahres Party im Sisyphos hier in Berlin und dort die Möglichkeit wirklich viele Freunde und Bekannte aus dem Labelumfeld mit unterzubringen. Das war schon lange ein Traum von mir und es war wirklich ein unvergessliches Wochenende. Nach solchen Momenten weiß man dann auch wieder, warum  man sich den ganzen Stress, den es zwischendurch ohne Zweifel auch gibt, überhaupt antut. ;-)
Die nächsten Labelnächte sind auch bereits geplant und werden am 15. Dezember im La Ruche in Lausanne und am 28. Dezember in der Ritter Butzke gemeinsam mit unseren Freunden von Dikso sein. Fürs nächste Jahr sind auch schon die ersten Termine bestätigt. Dazu dann zu gegebenem Anlass mehr.

5. Grade in der Clubmusik ist man ja oft Reiseleiter für das Publikum. Wohin möchtest du den Zuhörer mit deinen Tracks bzw. Sets mitnehmen?

Wie bereits erwähnt versuche ich nicht allzu kopflastig an das Auflegen heran zu gehen. Ich höre jede Woche wirklich eine Menge neuer Musik und suche mir einfach die Tracks heraus, die mir wirklich gefallen und die ich gerne in meinen Sets spielen möchte. Aus diesem Repertoire versuche ich dann das Bestmöglichste aus einem Abend herauszuholen. Natürlich versucht man auch immer die Leute ein wenig herauszufordern und probiert auch mal Sachen aus, bei denen man sich nicht sicher ist ob sie am Ende funktionieren. Aber das darf in meinen Augen nicht auf die Kosten der Stimmung gehen. Als DJ sollte man aber schon seinen eigenen Stil entwickeln, der einen dann auch von anderen DJs abhebt und möglichst einzigartig und dadurch interessant macht. Nur einen Hit nach dem Anderen runterzuleiern und so die Leute zu begeistern, ist auf jeden Fall keine wirklich bemerkenswerte Leistung und kann am Ende auch jeder. Mein Ziel ist es letztlich immer, meine Liebe zur elektronischen Clubmusik mit den Zuhörern zu teilen bzw. sie im besten Fall ebenfalls dafür zu begeistern.

6. Welche Frage habe ich vergessen bzw. was würdest du gerne noch loswerden?

Du hast vergessen mich zu fragen, wer eigentlich alles hinter Crossfrontier Audio steckt. Es ist zwar so, dass ich das Label vor einem Jahr ins Leben gerufen habe. Aber inzwischen bekomme ich zum Glück tatkräftige Unterstützung, durch die viele Dinge das Label betreffend überhaupt erst ermöglicht wurden. Allen voran natürlich Luis Hill, ohne den bei Crossfrontier Audio gar nichts gehen würde und der es mir ermöglicht, mich mehr auf die musikalische Seite zu konzentrieren, indem er mir viel administrative Arbeiten abnimmt. Ohne ihn hätte es vermutlich noch keine Labelnacht von uns gegeben. Außerdem ist es immer gut jemanden zu haben, den man um seine Meinung fragen kann. Wir sind zwar nur in den seltensten Fällen einer Meinung, was mir aber auf der anderen Seite auch noch mal eine ganz andere Sicht auf die Dinge ermöglicht.
Dann möchte ich noch meine Schwägerin Stella Gelesh erwähnen, die für die tollen farbfrohen Cover unserer Veröffentlichungen verantwortlich ist und für die wir auch schon sehr viele Komplimente bekommen haben. Zwar veröffentlichen wir derzeit unsere Releases nur digital, aber die Cover haben dennoch dabei geholfen die Aufmerksamkeit unserer Veröffentlichungen und auch des Labels allgemein zu erhöhen. Dann gibt es noch eine Reihe weiterer Leute, die ihren Anteil daran haben, dass wir nach einem Jahr so gut mit dem Label dastehen und ohne die vieles nicht möglich gewesen wäre. Denen gebührt an dieser Stelle ebenfalls ein großes Dankeschön.

Wer noch mehr über das Label und die dazugehörigen Menschen erfahren möchte, dem sei noch das folgende Video ans Herz gelegt, welches ebenfalls zum einjährigen Jubiläum erschienen ist.

Und weil uns diese tiefen Einblicke in die Welt von Marc noch nicht genug sind, hauen wir auch noch was raus, zu verlosen gibt’s nämlich einmal die Jubiläums-Compilation und dazu noch ein T-Shirt mit einem aufgedruckten Albumcover von Crossfrontier Audio eurer Wahl!
Hinterlasst uns einfach unten bis zum 25.11. einen Kommentar, welcher Track der Compilation euch am besten gefällt!

Comments

Leave a Comment