Videopremiere: Marta Collica „Will We Know More“

In Musikby Martin

Bella Italia! Als Mitteleuropäer blicken wir nur allzu gern in Richtung unseres gestiefelten Nachbarlandes und malen uns sehnsüchtig ein Leben à la Dolce Vita aus. Dass es aber auch umgekehrt geht – was für den kältegebeutelten Deutschen wohl kaum vorstellbar sein dürfte – beweist die gebürtige Sizilianerin Marta Collica, die es vor Jahren nach Berlin zog.

Vom Herzen des Prenzlauer Bergs aus lässt Marta Collica ihre Gedanken regelmäßig über die Dächer ihrer auserkorenen Wahlheimat ziehen. Jenes Sinnieren über Sinn und Unsinn des Lebens bescherte ihren Hörern zuletzt das Album „About Anything“, welches 2009 bei Solaris Empire erschien. Nach unzähligen Nebenprojekten, Zusammenarbeiten mit John Parish und Hugo Race, mit dem sie das Duo Sepiatone bildet, möchte sich Marta Collica dieses Jahr wieder bevorzugt auf ihre eigene Arbeit konzentrieren. Einen ersten Vorboten für das, was uns erwartet, stellt der Song „Will We Know More“ dar.



Wie geht es dir, Marta? Woran arbeitest du zurzeit?

„Mir geht es gut, danke. Ich begann das Jahr mit Studiosessions für das neue Album von John Parish, gefolgt von einer kleinen Tour durch England, einer anschließenden Kollaboration mit der sizilianischen Band Dounia und einer Zusammenarbeit mit Cam Butler. Für unser gemeinsames Projekt schreibe und produziere ich aktuell Songs.“

„Will We Know More“ feiert heute bei uns Premiere. Worum geht es in dem Stück?

„‚Will We Know More‘ ist der erste Song von meinem neuen Soloalbum ‚She Travels The Fastest‘. Ich produzierte ihn zusammen mit Cam Butler, der ein wirklich toller Musiker und Komponist aus Melbourne und auch verantwortlich für die Gitarrenpassagen in dem Track ist. Die meisten der Instrumente arrangierte und spielte ich selbst ein, aber Riccardo Gerbino fügte ein paar ungewöhnliche und sehr wertvolle Percussions für den Rhythmus hinzu.“

Was für Inspirationen liegen „Will We Know More“ zugrunde?

„Es ist ein Song, der aus Licht hervorgegangen ist, ohne großen Vorsatz. Es ist ein Blues, bei dem die Verzweiflung durch eine darunterliegende, wohltuende Qualität, ähnlich einer Art Hoffnung, besänftigt wird. ‚Will We Know More‘ bezieht sich auf jene Momente, wenn du dich wie im Auge eines Sturms fühlst und es dir schwerfällt, stillzuhalten, da du dich der Angst gegenübersiehst, davon geweht zu werden. Dann hörst du aber eine innere Stimme, die dir sagt, dass du ruhig bleiben und warten musst, weil wieder bessere Zeiten kommen.“

Ich konstruierte in dem Track eine Welt mit Leuten, die sich nicht sicher sind, ob aus einer schwierigen Situation etwas Positives hervorgehen kann. Ihre Instinkte sagen ihnen jedoch, die Herausforderung anzunehmen, anstatt den Schwierigkeiten auszuweichen.

Du hast für das entsprechende Video zu „Will We Know More“ erneut mit Jean de Oliviera zusammengearbeitet. Was macht ihn zu einem guten Kollaborateur und was magst du an seiner Arbeit?

„Auch, wenn Jean bei diesem Video eher für die Nachbereitung zuständig war, ist er ein großartiger Kollaborateur. Er besitzt ein unglaubliches Gespür für Musik und Rhythmus und weiß, wie Bilder zu einem bestimmten Song tanzen müssen. Außerdem hat er genug Erfahrung, was die Umsetzung betrifft. Die Fotografin Elena Panouli führte bei ‚Will We Know More‘ Regie und war in alle Prozesse, von der Locationsuche bis zum Filmen, involviert. Ein zusätzlicher Fotograf, der Brasilianer Eduardo Mattos, unterstützte uns am Set. Es war eine intensive Teamarbeit zwischen verschiedenen Künstlern mit unterschiedlichen Visionen und Stilen. Meistens fange ich damit an, meine Idee vorzustellen. Ich zeichne dafür Storyboards, bedenke und überdenke Aktionen und verliere mich vollkommen in der Arbeit des Kreierens. Um ehrlich zu sein, ich bin nicht die Art von Künstlerin, die in der Ecke hockt und wartet, bis alle ihre Jobs gemacht haben. Elena und Jean waren dahingehend sehr unterstützend, versuchten gute Lösungen zu finden und hatten auch immer das geringe Budget im Auge. Jeder gab sein Bestes. Auch Mika Bajinsky, mein Hügel herunterrollendes Alterego für ein paar Stunden, und Rachel Maio, deren sensibles Cellospiel zu einem nicht hörbaren Playback passen musste. Ich bin dankbar für jeden, der an diesem Projekt teilhatte.“

Storyboard

Welche Erinnerungen hast du noch an den Dreh?

„Ich erinnere mich an ein paar großartige Tage in völligem Einklang mit der Natur. Wir hielten uns ständig im Park auf, warteten auf den richtigen Wind, jagten das Licht, purzelten den Abhang hinunter und fühlten uns von all der Geschwindigkeit ganz benebelt, wie Kinder. Es gab viel zu lachen und am Ende des Tages saßen wir meist glücklich mit einem Glas Wein zusammen.“

„Will We Know More“ ist nur der erste Vorgeschmack auf dein neues Album. Worauf dürfen wir uns freuen?

„‚She Travels The Fastest‘ ist eine Sammlung von Songs mit souligen, bluesigen Wendungen und minimalistischen Arrangements, die sowohl auf Italienisch als auch Englisch gesungen werden. Ich arbeitete mit mehreren talentierten Musikern aus Italien, Australie und Frankreich zusammen. Der Sound besitzt eine analoge,  Wärme, Vintage-Flair, aber auch elektronische Ambient-Einflüsse. Das Album ist verträumt, von Zeit zu Zeit jedoch kantig.“

Wann ist die nächste Möglichkeit, dich live auf der Bühne zu erleben?

„Kommt am 9. Mai in den Roten Salon!  Ich werde zusammen mit Rachel Maio als Support auf Danielle de Picciotto und Alexander Hackes Record-Release-Show zu sehen sein. Die Nacht wird von Pharoah Cromium und seinem ‚Mutant-Psych‘-Set eröffnet werden.“

Erwartet einen spannenden Abend voller Livemusik!