Projekt Kiezchor – Chorgesang mal anders

In Berlin by Jan

Genre:

Chorgesang ist im allgemeinen eher der Kirche oder den Hochschulen vorbehalten. Hier wird zweifelsohne auf ausgesprochen hohem Niveau gesungen, aber muss es immer so spröde sein? Könnte man nicht auch Spass und Lebensfreude mit Chorsang verbreiten? Kultmucke besucht das Projekt Kiezchor und ist überrascht.

Singen beflügelt die Sinne und hilft gegen Verspannungen, nicht nur psychisch sondern auch physisch. Schon seit langem will ich meine Stimme zu mehr als nur zum Sabbeln verwenden. Leider hat in der Vergangenheit, ein Chorleiter bei meiner Teilnahme an Gehörbildungsübungen, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und mir davon abgeraten Mitglied eines Chors zu werden. Somit legte ich meine Karriere als Sänger Ad acta und habe mich auf´s Gitarrespielen beschränkt. Dabei fand ich es damals bei den Übungen wunderbar zu singen.

Durch Zufall bin ich, vor kurzem, auf das Projekt Kiezchor gestoßen. Eine Bekannte erzählte mir von dem Projekt und als sie auf meine Nachfrage hin das Reportoire vorstellte, war ich baff. Ich erinnere noch „..All That She Wants, machen wir auch..“. Darauf hin habe ich direkt gefragt ob ich mir das mal anhören könnte. Aus meiner ursprünglichen Idee einen Artikel über das Projekt zu schreiben wurde die Teilnahme an der Chorprobe, und die war ganz anders als erwartet.

Songs von Daft Punk, Gnarls Barkley, den Fugees oder Bronski Beat, gehen runter wie Öl. Diese Mehrstimming zu hören ist ein Genuss. Die Kieztruppe lud mich ein, anstatt nur zuzuhören mitzumachen, und siehe da, es war gar nicht so schlimm. Das ich mehrmals erwähnte, ich wolle die Probe mit meinem Gejaule nicht zum stocken bringen, wurde ignoriert und ich ermutigt. Am Ende hatte ich richtig Freude und darf auch weiterhin mitsingen.

Das verstaubte Paradigma, des Schul- oder Universitätschors ist Meinerseits gebrochen. Man muss kein Messdiener sein und am Sonntag in der Kirche schwere Choräle durch die Stimmlippen pressen. Chorgesang darf auch Spass machen und das macht der Kiezchor. Der Ursprung findet sich Anfang 2013, mit dem Willen einiger Freunde, zusammen Lieblingssongs neu umzusetzen. Klar braucht auch der Kiezchor einen Vorsinger und Dirigenten. Johan hält die gut 25 Frau und Mann zählende Truppe zusammen. Er selbst hat in seiner Jungend im Gospelchor gesungen und stets großen dabei Spaß gehabt.

Die Kiezies treten nicht nur, wie diesen Samstag in den Neuköllner Höfen, geplant auf Veranstaltungen, sondern auch gerne spontan im Park, auf der Strasse oder auf einem Boot, das über die Spree schippert auf. Es gab auch schon verkleidete Attacken alla Ghostbusters auf den Straßen Neuköllns.

Singen ist für mich somit wieder attraktiv geworden. Die Bedenken allein vor einem strengen Profivokalist zu stehen und dem eigenen Stimmversagen zu lauschen, sind gebannt. Musik insgesamt und Singen insbesondere, wird schließlich seit Menschengedenken als Kommunikationsmittel genutzt und sollte nicht ausschließlich der oft propagierten strenge und Theorie der Kirchchoräle vorbehalten sein. Im Vergleich mit anderen Kulturen, fällt hierzulande doch öfter musikalische Befangenheit, als Leben mit ihr auf. Meines Erachtens, sind wir aktuell eher eine Nation der Zuhörer und Mitgröler. Kultur muss lebendig sein, bedarf es gelebt zu werden, sollte freude schaffen und das funktioniert nur im Alltag.

Somit möchte ich euch ans Herz legen auch zu singen, mit Freunden oder allein auf der Strasse. Die Menschen die dies schon tun, lassen mein Herz immer freudig grinsen, wenn sie laut singend mit dem Fahrrad an mir vorbeipreschen. Menschen singt und kommuniziert wann immer es möglich ist. Ich traue mich nun wieder und das ist dem Kiezchor zu verdanken, also haltet die Ohren offen, wenn ihr wieder mal durch euren Kiez schlendert.