Kultverdächtig: Reba Hasko

In Kultverdächtig, Musik by Gastautor

Es gibt Musiker, hinter denen keine mächtigen Marketing-Maschinerien stehen. Ihre Veröffentlichungen werden von den Fluten an Berichterstattungen zu Neuerscheinungen großer Medienlieblinge teilweise so verdrängt, dass sie gar im allgemeinen Getümmel untergehen. Mit „Kultverdächtig“ möchten wir gegen diesen Sog ankämpfen und  zukünftig ein Rettungsnetz spannen, in dem sich auch kleinere Fische gern verfangen dürfen. Heute an der Angel: Weltenbummlerin Reba Hasko.

Transzendente Überfliegerin

Reba HaskoWas bedeutet Musik für dich?

Ich schätze, Musik ist der persönliche Zugang zur Welt, zum Universellen.

Eine spirituelle Aura umgibt Reba Hasko. Wer mit ihr oder ihrer Musik in Kontakt kommt, spürt schnell die außerordentliche Feinfühligkeit, mit der die Sängerin sich den Dingen widmet, die sie beschäftigen. Sei es das Songwriting, das Performen ihrer Stücke auf der Bühne oder das Sinnen über die Welt und sich selbst. Um einen ersten hörbaren Eindruck dessen zu erlangen, gibt es hier nun eine Coverversion des Songs  „Don’t Let Me Be Misunderstood“. Exklusiv für Kultmucke eingespielt, macht sich die Sängerin dabei das Original der großartigen Nina Simone, vollkommen zu eigen. Da darf man auch mal kurz den Hut ziehen…

Was brachte dich zur Musik?
„Ich erinnere mich daran, mit neun oder zehn Jahren am Piano improvisiert zu haben. Mein Bruder sieht mich manchmal noch, wie ich völlig ins Spiel versunken am Klavier saß, während ein Tornado über unser Haus fegte.“

Genau jene Situation beschreibt Reba Hasko und ihr Kreativsein vermutlich recht gut. Während des Schreibens und Komponierens wird die gebürtige Amerikanerin ganz und gar eins mit dem Prozess. Sie verschmilzt mit verschiedenen Klangmustern, verliert sich in phonetischen Geschichten und erblüht schlussendlich mit einer Hand voll fertiger Songs.

Wie beschreibst du deine Musik mit fünf Worten?

Rauchige 3D-Gemälde von filigranen Abfolgen.

Live At Studio 43Kurz nach der Jahrtausendwende präsentiert Reba Hasko 2001 mit „Live At Studio 43“ ihr Debut. Darauf zu hören, eine Frau und ihr Klavier. Im Stil der jungen Tori Amos, spielt sich Hasko durch insgesamt acht sehr unterschiedliche Stücke und bewandert dabei mit ihrer ausgebildeten Stimme, die Höhen und Tiefen des Klangspektrums. Während der Liveaufnahmen ist kein einziges Knistern, Rascheln oder  Säuseln auf Seiten des Publikums zu hören, mit dem Hasko den Moment der Entstehung dieser Platte teilt. Gefesselt von der Magie des Augenblicks, scheinen diese geradezu paralysiert.

Seeds Fron The Twisted PearFünf Jahre später greift Reba Hasko zu den Synthesizern. Elektrifizierte Rhythmen jagen durch Tracks wie „Here’s How“, „Drifting To The Veil“ oder „Death By Facelift“. Die Experimentierfreude kennt keine Grenzen. Weitläufige Electronica-Sinfonien durchdrungen von verzerrten Vocals, kratzenden Beats und einem Hauch Düsternis, verbinden sich zu einem Album der besonderen Art. „Seeds From The Twisted Pear“, welches tief in den Wirrungen und Irrungen des menschlichen Daseins verankert zu sein scheint, mutiert zum psychodelischen Fiebertraum.  Und das macht es so unglaublich interessant, dieser Platte sein Ohr zu schenken. Man hat die Chance, in eine Welt fernab vom Mainstreamgedudel der Radiostationen zu fallen.
Enstanden ist Haskos zweite LP übrigens während eines dreijährigen Berlin-Aufenthalts. Unsere Metropole an der Spree wurde zum Katalysator und verschaffte Reba Hasko den Aufwind, den sie brauchte, um sich musikalisch weiterentwickeln zu können.

Was für Musik hörst du selbst gern?
„Momentan zieht mich das Epische, Theatralische und Verletzliche an. Ich war geradezu überwältigt als ich letztes Jahr Antony Hegarty „Swanlights“ in New York City performen sah.“

Mit „Delicate Cyclone“, ihrem dritten und aktuellen Album, verabschiedet sich Reba Hasko 2013 von der synthetischen Attitüde des Vorgängers und wählt einen organischeren Sound als Grundlage.

Welche Themen, beeinflussten die Entstehung des neuen Albums?
„Verwandlung. Heilige Tiere und Geister. Das Unerklärbare. Die eigene Herkunft. Extreme Naturgewalten. Loslassen. Sternenwesen.“

Delicate CycloneDie acht Titel auf „Delicate Cyclone“ sind in ein mystisches Licht getaucht. Unzertrennlich zu einander gehörend, umarmen „The Call“ und „The Elements“ die übrigen Tracks und werden zum hypnotischen Beginn und Ausklang des Albums. Als stehe man inmitten einer indianischen Schwitzhütte, vernebeln dabei sphärische Gesänge den Verstand. „Golden Iris“ und „Bloody Knuckles (The Glasshouse Song)“ erinnern stark an Haskos Debut. Zurückgenommene Klavierkompositionen, die sich durch eine faszinierende Klarheit den direkten Weg in Richtung Gefühlszentrum des Hörers bahnen, um dort anschließend verschiedenste Emotionen wachzuküssen. „Fell From The Stars“ und „Love You Like The Sun“ tragen darüber hinaus ein wenig Zwielicht in sich und schlagen am ehesten eine Brücke zu „Seeds Of The Twisted Pear“. „Bourbon & Cardamon“ berichtet von den Gefängnissen, die wir uns selbst erbauen und die wir dann zu entflammen versuchen. Seit 2008 arbeitete Reba Hasko an dem Song. Ein Erlebnis im Sommer des letzten Jahres führte schlussendlich dazu, dass sie endlich in der Lage war, ihn fertigzustellen.

„Mein Trip in die Wüste von New Mexico in jenem Sommer war besonders wild: erst war alles trocken, elektrisch, die  Luft und Atmosphäre knisterten und darauf folgte ein heftiger Monsunregen! Ich hatte großes Glück, dass ich in einer Hütte im Garten schreiben konnte. Anfangs war es einfach zu stickig und heiß, um dort drin zu arbeiten. Es deprimierte mich, dass ich nicht so produktiv sein konnte, wie ich es eigentlich wollte aufgrund der Wärme. Aber dann hab ich einfach angefangen mit der Hitze zu leben und zu arbeiten. Ich habe die Hütte wie eine Art Sauna für mich genutzt. Und fand heraus, dass dadurch eine gewisse transzendente Erfahrung entstehen konnte, die mich öffnete. Das war so befriedigend! Und in diesem Moment nahmen die letzten zwei Minuten des Songs ihre Form an.“

„Love You Like The Sun“ und „The Stallions“ sind Titel, die die Sängerin selbst zu ihren Favoriten zählt.

„Love You Like The Sun‘ ist in gewisser Weise meine Lieblingsaufnahme. Mein größter Wusch war es einen Chor zu involvieren und ich liebe Devin’s Produktion. (…) Den Song „The Stallions“ mag ich auch, da er der erste Song vom Album war, der fertig wurde. Er  begann eigentlich als eine Vision. Ich war im Halbschlaf und ich wusste, dass drei massive Pferde über mir schwebten. Es war sehr bizarr und seitdem hatte ich kein ähnliches Erlebnis mehr. Ich durchlebte quasi die Geschichte des Songs, stieg aus dem Bett, setzte mich ans Klavier, meine Hände legten sich auf die Tasten, ich verlor mich und erzählte die Story nach.“

Neben der Kollaboration mit Devin Greenwood, der unter anderem schon mit Künstlern wie Sufjan Stevens und oder Norah Jones arbeitete, wurde das Phänomen des Crowdfundings zum wichtigen Teil der Entstehung von „Delicate Cyclone“.

Du hast zur Finanzierung der neuen Platte auf Crowdfunding zurückgegriffen. Wie sind deine Erfahrungen damit?
„Es ist eine fantastische Möglichkeit herauszufinden, wer deine wahren Zuhörer sind, wie man eine Beziehung zu ihnen finden und natürlich auch wie man sie auf gewisse Weise an sich heranlassen kann.“

Wahre Glückseligkeit: Eine Künstlerin und ihr Werk

Wahre Glückseligkeit: Eine Künstlerin und ihr Werk

Glücklich und zufrieden teilte Reba Hasko Ende letzten Jahres ein Bild via Facebook, auf dem sie die Probepressung ihres Albums zum ersten Mal in den Händen hielt. Es bleibt festzustellen, dass hier jemand für seine Kunst ausnahmslos brennt. Während der Aufnahmen zu „Delicate Cyclone“ versuchte sich die Sängerin mit Aushilfsjobs über Wasser zu halten. Ein harter Weg, dessen Beschreitung sich nun aber auszahlt. Mit diesem Album hat Hasko eine weitere Metamorphose durchschritten und kann nun zum Flug in neue Gefilde ansetzen. Getrieben von ihren Visionen, Wünschen und Träumen, hat die Reise für die New Yorker Künstlerin gerade erst begonnen. Man darf gespannt sein, welche Klangwelten sie uns in Zukunft noch präsentieren wird.

Was inspiriert dich?

Am Rande zu leben.

Kultverdächtig

Fernab des Massengeschmacks kann Reba Hasko durchaus überzeugen. Und zwar durch ihre Liebe zur Musik, die den geschulten Hörer aus seinem gemütlichen Sessel fegen dürfte. Wer Experimente nicht scheut und gern einmal über den Plattentellerrand schaut, der ist hier definitiv richtig beraten.

Verlosung

Zum Abschluss möchten wir drei Kultmucke-Lesern die Möglichkeit geben, einen Download-Code für die Digitalversion des Albums, sowie jeweils ein dazu passendes, handsigniertes „Delicate Cyclone“-Poster zu ergattern. Schickt uns dafür bis spätestens kommenden Samstag, den 09.02.2013, eine Mail mit dem Betreff „Delicate Cyclone“ und eurer Adresse an martin@kultmucke.de. Unter allen Teilnehmern werden zufällig drei Gewinner ausgelost. Viel Erfolg!

Interessante Links

„Delicate Cyclone“ via Bandcamp kaufen

Reba Hasko bei Myspace

Reba Hasko bei Facebook