Read + Listen: Christian Löffler

In Berlin by Martin

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Künstler durch und durch. Christian Löffler gehört zu jenen Musikern, die sich nicht allein auf das Experimentieren mit Sounds reduzieren lassen. Vielmehr versucht der 31-Jährige, die Komplexität des Seins auf vielen unterschiedlichen Kanälen zu ergründen – und das stets mit seiner eigenen, unverkennbaren Handschrift.

Was Löffler 2012 auf seinem Erfolgsdebüt „A Forest“ (2012) begann, führte er im letzten Jahr konsequent auf dem Nachfolgewerk „Mare“ (2016) fort: Eine subtile Fusion aus elektronischen Beats und norddeutscher Melancholie. Diese gewagte Kombination bescherte dem gebürtigen Greifswalder vielerorts positive Kritiken und lässt uns sehnsuchtsvoll seiner anstehenden Deutschlandtour entgegenfiebern.

Kultmucke präsentiert Christian Löffler (+ Mohna) live – am 26.04.2017 im Lido.

Kontemplativer House ist ein Label, das dir eine namenhafte deutsche Zeitung einmal verpasst hat. Leere Worthülse oder treffendes Schlagwort?

„Ich mag den Begriff. Und obwohl ich kein Freund von Kategorisierung bin, finde ich es bisher am treffendsten gewählt. Das trifft gut auf die Musik und mich zu.“

Die Ostsee ist Quell deiner Kreativität und Pate deiner ersten beiden Alben. Was liebst du an ihr?

„Es liegt vermutlich daran, dass sie der erste zu erreichende Zufluchtsort für mich als Jugendlicher war. Gerade im Winter, wenn kaum Touristen und Urlauber im Land sind. Eine Art Entdeckungs- und Expeditionsspielplatz vor der Haustür. Man kann ziemlich schnell raus und findet noch einige ziemlich einsame Flecken. Das hat schon was von einem kleinen Abenteuer. Aber davon abgesehen, ist es natürlich auch erholsam und beruhigend. Und die Luft ist gut.“

Inwiefern siehst du Parallelen zwischen der See und deiner Musik?

„Zuallererst ist die Musik natürlich sehr direkt vom Meer beeinflusst. Allein deshalb, weil ich zirka 300 m davon entfernt lebe und ein Großteil des Albums zuhause entstanden ist. Das Meer ist im wahrsten Sinne als Grundrauschen im Hintergrund immer dabei. Bildlich ist die Musik, wie auch die See, ständig am Kommen und Gehen. Das heißt, sie steigt und sinkt. Ein Stück baut sich auf, manchmal so stark, dass es einer Sturmflut gleicht. Dann baut es sich wieder ab, reduziert sich aufs Wesentliche, wie bei sehr niedrigem Wasserstand, bei dem der Strand doppelt so breit zu sein scheint. Auch sind die relativ simplen, sich wiederholenden Rhythmen im 4/4 Takt ähnlich den stetigen Brandungswellen.“

Du nutzt Field Recordings als wiederkehrendes Element in deinen Tracks. Wo sammelst du diese am liebsten? Und hast du eine Art kleines Tagebuch aus Sounds?

„Ja, vor langer Zeit habe ich entdeckt, Songs mit relativ einfachen Mitteln wie Field Recordings aufzuwerten. Es ist ja nun wirklich kein Geheimnis mehr, aber ich finde es immer noch toll, die Umgebung mit einfließen zu lassen.“

Schon, als ich anfing elektronische Musik zu machen, war ich auf der Suche nach Strategien, sie organischer klingen zu lassen.

„Solche Aufnahmen sind da sehr effektiv und man findet auch schnell neue Klänge für Percussions oder Melodien. Mittlerweile hat sich eine ziemlich große Sammlung an Recordings angehäuft. Leider nicht wirklich wie ein Tagebuch, da meine Ordnung zu wünschen übrig lässt.“

Mona Steinwidder alias Mohna ist nicht nur Gastsängerin auf „Mare“, sie wird dich auch auf deiner anstehenden Tour begleiten. Was schätzt du an der Zusammenarbeit mit ihr?

„Mona ist sehr unkompliziert und verständnisvoll. Sie versteht genau, wo ich mit meiner Musik hinwill und steht voll dahinter. Die Zusammenarbeit hat sich auch völlig spontan und ungezwungen ergeben. So ist es bis heute. Wenn wir etwas nicht wollen, machen wir es nicht.“

Christian Löffler + Mohna

Die Debatten darüber, ob elektronische Musik überhaupt „live“ aufgeführt werden kann, reißen nicht ab. Was entgegnest du Kritikern?

„Für mich stellt sich die Frage gar nicht. Wenn ich zurückdenke, hat es für mich als Hörer nie eine Rolle gespielt, was auf der Bühne passiert oder welche Instrumente eingesetzt werden. Mir geht es immer nur um die Musik. Ich liebe sogenannte Laptop-Acts im Konzertsaal genauso wie Bands im Club. Wenn ich die Musik gut finde, stehe ich dahinter und vertraue dem Musiker. Gerade die Freiheit, ungezwungen so auftreten zu können, wie man möchte, fand ich an elektronischer Musik schon immer faszinierend. Im schlimmsten Fall schau ich ja nicht mal hin, was gerade passiert. Wenn ich Musik live höre, analysiere ich nicht, was da vorn passiert, sondern genieße es. Dazu kommt, dass es völlig sinnlos ist, Musik beziehungsweise Kunst zu kritisieren. Alles hat zu jedem Zeitpunkt, in jeder Form seine absolute Berechtigung.“

Welches war das erste Konzert, das du selbst besucht hast? Welche Erinnerungen hast du daran?

„Ich vermute, das war irgendetwas Kleines in meiner Heimatstadt Greifswald. Wir sind damals ziemlich oft zu Indie-Musik in das sogenannte Klex gegangen. Zu der Zeit gab es tolle Leute in der Stadt, die regelmäßig schöne Konzerte organisiert haben. Das waren junge, unbekannte Bands und ich habe fast immer eine CD am Merchandise-Stand gekauft.“

Bitte sag uns doch zuletzt, was das schönste Feedback für dich als Musiker während einer Show ist!

„Ich freue mich einfach jedes Mal total, wenn ich spüre, dass die Leute die Musik mögen und fühlen. Auch wenn man danach mal ins Gespräch kommt und Geschichten und Erlebnisse rundum die eigene Musik erfährt, ist das einfach unglaublich schön.“

Listen: Christian Löffler

Gewinnspiel

Um Tickets für den Auftritt von Christian Löffler und Mohna, am 26.04.2017 im Lido zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Christian Löffler“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist Freitag, der 24.03.2017. Unter allen Teilnehmern verlosen wir 1×2 Gästelistenplätze. Bitte nennt euren vollen Vor- und Zunamen in der von euch geschickten Nachricht. Viel Erfolg!