Read + Listen: Joy Wellboy (2)

In Berlin by Martin

Sprache ist ein wesentlicher Teil von uns. Sie verleiht uns Ausdruckskraft, dient uns als Schlüssel zur Kommunikation und somit auch als Zugang zur Welt. Das belgische Duo Joy Wellboy hat an ihrem Bund die Schlüssel zu gleich mehreren Türen hängen.

Mit „Les Pieds Dans La Merde, La Tête Dans Les Étoiles“ öffnen Joy und Wim das Tor zu ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart und etwaigen Zukunft – und klingen dabei noch authentischer als je zuvor. Wir schnappten uns Sängerin Joy, um ihr ein paar Fragen zu stellen. Schnell gelangten wir dabei zu der Erkenntnis, dass es sich vielmehr um ein Gespräch unter alten Freunden, als um ein professionelles Interview handelt. Und so schauen wir nun gemeinsam mit ihr hinter die Kulissen von „Les Pieds Dans La Merde, La Tête Dans Les Étoiles“, hören uns durch Joy Wellboys Diskografie und bieten euch die Möglichkeit, ihrem Konzert, am 12.03. im Privatclub, beizuwohnen!

Euer neues Album habt ihr in Französisch aufgenommen. Warum?

„Die Idee, ein französisches Album zu machen, gab es bereits kurz, nachdem Wim und ich uns kennengelernt hatten. Wir haben schon immer französische Music gehört. Sie erfüllt die Luft mit einer frischen und verträumten Atmosphäre. Unser Lieblingssong ist ‚L’été Indien‘ von Joe Dassin. Er ist unsere Hymne. Genau so wollen wir leben! Man kann gehen, wann immer und wohin auch immer man will. Besonders, wenn du all das loswerden willst, das du nicht mehr brauchst. Wenn du keine Angst hast, spring in das Ungewisse, in das Neue.“

Französisch ist eine derart elegante Sprache.

„Ich liebe es, sie zu sprechen. Manche Gefühle oder Gedanken kann man nur auf Französisch ausdrücken. Mir gefällt die Tatsache, dass man derart leicht Humor und Melancholie in einem Song miteinander vermischen kann. Der Prozess der Albumentstehung war dieses Mal komplett anders als zuvor. Wir leben noch immer in Berlin, was es manchmal etwas schwierig machte. Ich spreche hauptsächlich Deutsch, Englisch und Flämisch hier. Deshalb musste ich mich selbst ein wenig abschotten, um richtig ins Französische eintauchen zu können. Das fühlte sich wie eine Reise an. Meine Stimme hört sich auf Französisch so anders an. Eine interessante und lehrreiche Erfahrung. Da es meine zweite Muttersprache ist, ist das Gesungene meinem Herzen sehr nah.“

Was bedeutet der Albumtitel „Les Pieds Dans La Merde, La Tête Dans Les Étoiles“ (deutsch: Die Füße in der Scheiße, der Kopf in den Sternen) für dich ganz persönlich? 

„Ich las diesen Satz vor einen paar Jahren. Er war in Brüssel an eine Wand getaggt und hat seitdem meinen Kopf nicht mehr verlassen. Das ist die Geschichte dahinter! So fühlte ich mich schon immer. Seit ich klein war, kam es mir komisch vor, auf der Erde zu sein. Ich lernte, meine Vorstellungskraft zu nutzen, um mich selbst aufzuheitern.“

joy-wellboy-2

Wer sind außer Joe Dassin weitere französische Idole für dich?

„Ich liebe Les Rita Mitsouko. Die sind der Kracher! Ihre Attitüde ist so furchtlos. Sie kennen keinerlei Grenzen. Jedes Mal, wenn ich Catherine Ringers Stimme höre, bekomme ich einen Energieschub verpasst. Sie macht noch immer Musik und klingt dabei, als würde sie niemals altern. Auch Serge Gainsbourg liebe ich. Als ich zum ersten Mal seine Musik hörte, wollte ich sofort all seine Texte lernen, weil sie großartig sind. Immer wenn ich einen Ratschlag brauche, fallen mir Zeilen daraus ein. Meine Mutter war auch ein großer Fan. Sie ging auf ein Konzert von ihm, als sie mit mir schwanger war. Da fing es vermutlich schon an. Charlotte Gainsbourg, seine Tochter, ist ebenfalls toll. Sehr natürlich. Ihre Schwester Lou Doillon auch. Eine charismatische Frau. Francis Cabrel ist mein Held. Er ist perfekt. Ich hörte auch oft France Galle, Noire Désir, George Brassens, Michel Polnareff, Sébastien Tellier, Nino Ferrer, Michel Fugain, Blues Trottoir, Claude François, Indochine, Vanessa Paradis, Brigitte Bardot und viele andere.

Fehlt dir Brüssel, deine Heimat, manchmal? Und gibt es hier in der Stadt eine belgische Szene, der du dich verbunden fühlst?

„Ja, mir fehlen Brüssel und meine langjährigen Freunde.“

Manchmal würde ich Brüssel gern aus der Erde stampfen und es direkt neben Berlin verpflanzen.

„Denn Berlin will ich eben auch nicht verlassen. Mir würden der Raum und die Freiheit fehlen, die es hier gibt. Mir ist nichts über die belgische Szene in Berlin bekannt. Allerdings bin ich auch nicht wirklich patriotisch. Ich würde nie danach suchen.“

Ein neues Album bedeutet auch immer eine neue Tour. Aufgeregt?

„Super aufgeregt! Es wird sehr spannend, wie die Reaktionen ausfallen, weil vieles ja auf Französisch gesungen wird.“

Eine Frage zu eurem Berlinauftritt drängt sich förmlich auf. Wie privat wird es im Privatclub mit euch werden?

„Gemütlich wie immer. Es werden nur wir beide auf der Bühne sein!“

Listen: Joy Wellboy

Gewinnspiel

Um Tickets für den Auftritt von Joy Wellboy, am 12.03.2017 im Privatclub zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Joy Wellboy“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist Freitag, der 03.03.2017. Unter allen Teilnehmern verlosen wir 1×2 Gästelistenplätze. Bitte nennt euren vollen Vor- und Zunamen in der von euch geschickten Nachricht. Viel Erfolg!