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Künstler

1. März 2013 – Autor: Genre:

Es ist an der Zeit, einen erneuten Blick in Richtung des unendlichen Musikuniversums zu werfen. Dabei fokussieren wir dieses Mal einen Stern, der vielleicht nicht im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit steht, dafür aber durch seine Einzigartigkeit umso heller zu strahlen weiß. “Kultverdächtig”, die Rubrik, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Künstler vorzustellen, hinter denen keine riesige Marketing-Maschinerie waltet, widmet sich heute einem NewJazz-Phänomen aus dem schönen Odenwald. Durch unser Fernglas betrachten wir: Traumtänzer  Rufus Dipper.

 

Im Rausch des Klanges

Was bedeutet Musik für dich?

Musik bedeutet für mich Persönlichkeit.

Michael-Geldreich-1Manchmal bedarf es keiner Worte. Rufus Dipper, das aktuelle Projekt des studierten Pianisten Michael Geldreich, kommt fast gänzlich ohne vokale Begleitung aus. Losgelöst von Text und Stimme entstehen moderne Jazz-Arrangements, deren schöpferische Kraft ungebrochen zu sein scheint. Während man Stücken mit Namen wie “Dry Matter” oder “Home” ein Ohr schenkt, entstehen im Kopf wunderschöne Bilder, die zur Flucht aus dem tristen Alltag einladen. Eine Sammlung von insgesamt 14 mentalen Asylen bietet das im November letzten Jahres erschienene Debut “Life In A Day”. Als erster Appetizer kommt hier nun das titelgebende Stück:

„Life In A Day“ ist ein vielfältiges Album, das mal ruhig, dann wieder stürmisch, mal hell und dann ganz dunkel daher klingt. Worum geht es thematisch auf der Platte?

“Es gibt im Prinzip kein umfassendes Thema des Albums. Mir geht es beim Schreiben vor allem um Emotionen, und mir ist es wichtig, dass der Hörer eine bestimmte Stimmung vermittelt bekommt, die ihn im besten Falle persönlich berührt.”

rufus_dipper_webcover01Jedes einzelne Stück auf “Life In A Day” hat seinen ganz eigenen Charakter, ist autonom, überzeugt durch Individualität und klanglichen Ideenreichtum. Eröffnet beispielsweise “Introduction” die Platte noch recht zurückhaltend, ja gar schüchtern, legt “Big In April” bereits gehörig an Geschwindigkeit und Stärke zu. “Fastballad” wirft einen dunklen, mystischen Schatten über den Rest der Tracks. “Hello Head” wirkt gar humoristisch. “Trau Part I” und “Trau Part II” sind wie Zwillinge, die sich aber nur aufgrund der äußeren Erscheinung gleichen und “Definition Of Minds” wird zur Überballade, die direkt einen Kloß im Hals heraufbeschwört. Es ist unglaublich mit anzuhören, wie ganz ohne Worte so viel gesagt werden kann. Wie einzelne Noten vermögen, sich zu ganz unterschiedlichen Wesensarten zusammenfügen.

Bis auf eine Ausnahme, handelt es sich bei den Tracks auf „Life In A Day“ um reine Instrumentalstücke. Wie ist es, ganz ohne Worte auszukommen? Und weshalb sollten es bei „Winter“ dann doch welche sein?

“Für mich ganz persönlich ist das Klavier momentan die direkteste Art, das, was ich empfinde musikalisch auszudrücken. Ich finde es dabei auch wunderbar, dem Zuhörer zu überlassen, ob und was er mit der Musik verbindet. Worte würden da vielleicht schon etwas weniger Platz lassen. Auf der anderen Seite habe ich immer Musik für und mit Sängern gemacht und ich mag einfach diese Zusammenarbeit. So entstand auch der Song „Winter“ mit Kristina Kristoffersen.”

Mit ihren Soundtracks zu “Ziemlich beste Freunde”, “Die Fabelhafte Welt der Amélie” oder “American Beauty”, zeigten Musiker wie Ludovico Einaudi, Yann Tiersen und Thomas Newman, dass Instrumentalmusik absolut nicht in die Mottenkiste gehört, sondern sogar kommerziell recht erfolgreich sein kann. Auch Michael Geldreich freut sich über das Phänomen, dass Komponisten und ihre Werke zunehmend mehr wertgeschätzt werden. Er selbst schrieb bereits akustische Untermalungen zu Filmen und empfindet bewegte Bilder stets als große Inspirationsquelle.

Was sagst du dazu, wenn Leute Musik wie die von Rufus Dipper, als „Easy Listening“-Nummern abtun, die man höchstens zur Untermalung in irgendwelchen Cafés gebrauchen könne?

“Für mich hat es auf jeden Fall zwei Seiten. Einerseits finde ich es schön, dass jemand die Musik mag und sich ihr, für welchen Zweck auch immer, bedient. Auf der anderen Seite sind mir Kontraste und Brüche sehr wichtig und ich fände es schade, wenn über die hinweggehört werden würde.”

Genau diese Brüche machen die Kompositionen von Rufus Dipper so außergewöhnlich. Es sind keine ganz und gar klassischen musikalischen Gebilde, die Michael Geldreich auf “Life In A Day” zusammengetragen hat. Im Gegenteil. Oft schwingt ein Hauch Synthetik, fast Unnatürlichkeit mit, der das Organische nur noch lebendiger erscheinen lässt. Ähnlich dem Cover der Platte, auf dem große Dreiecke durch einen Nadelwald schweben, sind es genau diese Kontraste, die die Musik von Rufus Dipper ins 21. Jahrhundert transportieren. Das Ganze gipfelt in dem letzten Stück der Platte. “T.F.R.O.D.F.” (kurz für “The False Rhapsody Of Don Fugo”) haftet eine postmoderne Attitüde à la Radiohead oder James Blake an. Nicht allzu verwunderlich, wenn man erfährt, dass Geldreich genau diese neben Bach oder Keith Jarrett zu seinen persönlichen Musikpräferenzen zählt.

Der Track „T.F.R.O.D.F.“ unterscheidet sich deutlich vom Rest der Platte. Gespickt mit elektronischen Elementen, wird er zum nachhallenden Höhepunkt von „Life In A Day“ bevor das Album endet. Wie kam es zu diesem „Sonderling“?

“Ich wollte Stücke auf dem Album haben, die irgendwie herausstechen und in verschiedene Richtungen zeigen. Die etwas elektronischere Richtung reizt mich gerade sehr und dieses letzte Stück, das zusammen mit „jacob and the appleblossom“ entstand, soll auf jeden Fall einen Ausblick auf die Zukunft bieten. “

Michael-Geldreich-Bei der Umsetzung seiner Ideen helfen Michael Geldreich, neben den schon erwähnten Künstlern Kristina Kristoffersen alias “Mono Girl” und “jacob and the appleblossom”, vor allem Bassist Konrad Blasberg, Schlagzeuger Florian Schlechtriemen, Robert Fischer an den Electronics und VJ Flo Kuster. Zusammen spielen sich die Herren quer durch die Republik.

Wie ist es, live auf der Bühne zu stehen? Und inwieweit löst ihr euch dabei von den Arrangements eurer Stücke?

“Da wir uns außerhalb der Studioaufnahmen meist nur dann sehen, wenn wir live spielen, ist alleine das super! Wir nehmen die Stücke live nicht auseinander, sondern bleiben den Kompositionen treu, versuchen aber die größtmögliche Dynamik aus ihnen herauszuholen. Was auf der Platte nur angedeutet ist, wird live ausgereizt. Das kann je nach Laune, Location oder Publikumsverhalten sehr unterschiedlich ausfallen.”

Und zum Abschluss haben wir noch etwas ganz Besonderes für euch. Basierend auf seiner Liebe zu der Musik des Dubstep-Genies James Blake, nahm Michael Geldreich exklusiv für Kultmucke, einen ganz besonderen Track auf.

Kultverdächtig?

Je öfter und intensiver man die 14 Stücke auf “Life In A Day” hört, umso mehr verliebt man sich in die schlichte Schönheit, die dieser Platte innewohnt. Rufus Dipper schaffen es, ein Genre wie den Jazz neu zu interpretieren, dabei Rücksicht auf das gewaltige Erbe zu nehmen und dennoch moderne Akzente zu setzen. Kultmucke ist begeistert!

Verlosung

Nun möchten wir noch zwei Kultmucke-Lesern die Chance geben, das Album “Life In A Day” zu gewinnen. Alles, was ihr tun müsst, um in die dafür zuständige Lostrommel zu gelangen, ist bis spätestens kommenden Montag, den 04.03.2013, eine Mail mit dem Betreff “Rufus Dipper” an martin@kultmucke.de zu schicken. Unter allen Teilnehmern werden anschließend die Gewinner ausgelost und benachrichtigt.

Interessante Links

“Life In A Day” bei iTunes kaufen

Offizielle Website von Rufus Dipper

Rufus Dipper bei Facebook

 

Gib dein' Senf dazu

  • Thomas

    Überraschend belebend. Ich finde, das allein das Piano schon super ohne jegliche Begleitung toll klingen würde. Ich würde gerne mal Sachen von ihm hören, welche wirklich nur Piano sind…

    • http://www.facebook.com/privatedisco Martin

      Schön, dass dir die Musik gefällt! Nimm doch an der Verlosung des Albums “Life In A Day” teil und vielleicht erhälst du die Chance, dann das komplette Werk zu hören!

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