Kultverdächtig: Saara Markkanen

In Kultverdächtig, Musik by Martin12 Comments

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Ein frischer Wind weht und veranlasst uns dazu, erneut die Segel zu setzen. Es geht auf eine Reise rund um den musikalischen Globus. Getrieben vom unstillbaren Entdeckergeist, verlassen wir dabei die viel befahrenen Routen entlang oft zitierter akustischer Küsten und schicken uns an, die noch unbeschriebenen Flecken des Klangozeans zu erforschen und kartieren. Auf unserem Gefährt dahintreibend, verspüren wir das Verlangen nach verborgenen Schätzen ferner, unbekannter Landen. Als Pioniere durchforsten wir die Bodenschätze neuer Welten und werden fündig. „Kultverdächtig“ widmet sich wiederholt jenen Perlen der Musikindustrie, die auch ohne ausgeklügelte Marketing-Strategien, durch ihre Einzigartigkeit überzeugen. Heute glänzt: Multitalent Saara Markkanen.

 Von der Fähigkeit Kunst zu schaffen

Saara Markkanen alias LUAI 2Was bedeutet Musik für dich?

Musik ist ein Zuhause für mich. Ein Ort, an dem ich mich erholen aber auch wachsen kann.

Mit ihren Veröffentlichungen heißt Saara Markkanen bereitwillig jeden willkommen, der es nicht scheut mit Ruhe und Vorsicht durch die mentalen Zimmer zu schreiten, in denen die Kreativität der finnischen Sängerin beherbergt ist. Seit Beginn ihrer Künstlerkarriere hat sie mehrfach die Möbel ihrer „vier Wände“ verschoben und neu arrangiert. Hat sich von Zeit zu Zeit alter Habseligkeiten entledigt, neue Liebhaberstücke integriert und stets die Fenster und Türen einen Spalt weit offen gelassen, sodass neue Ideen und Einflüsse hineinströmen können wie frischer Wind an einem Frühlingsmorgen. Wer die 28-Jährige einmal erlebt hat, der spürt schnell, was echte Hingabe bedeutet. Saara Markannen lebt nicht nur mit ihrer Musik, nein, sie verkörpert diese vom denkenden Kopf bis hin zum Fuß, der immerfort im aktuellen Takt wippt.

„Ich habe nie hinterfragt, ob es richtig ist, was ich da tue. Es hat sich stets natürlich angefühlt.“

Und so überlegte die ausgebildete Musikerin auch nicht lange, als wir sie darum baten, ein exklusives Cover für unsere Rubrik „Kultverdächtig“ aufzunehmen. Sie wählte den Track „What Is Love“, der im Original von der Euro-Dance-Ikone Haddaway gesungen wird und interpretierte ihn auf ihre ganz eigene und sehr intime Art und Weise. Das Ergebnis dessen gibt es nun hier zu hören.

Wann und weshalb hast du dich entschieden, Musik zu machen?

„Ich denke, es war mit 13 oder 14 Jahren als ich anfing Flöte und Saxophon spielen zu lernen. Ich war fasziniert vom Jazz und wollte unbedingt Jazz-Musikerin werden. Also probte ich ununterbrochen.“

Der Wille nicht aufzugeben und stets das voranzutreiben, wofür das eigene Herz wirklich schlägt, führte dazu, dass Saara Markkanen in den Jahren 2010 und 2011 an zwei Projekten gleichzeitig arbeitete. Zum einen ließ sie die Blasinstrumente, denen sie sich in ihrer Ausbildung verschrieben hatte, vorerst in der Ecke stehen und griff zum rockigeren Bass, um dessen Saiten in Ekstase zu versetzen und ihn darüber hinaus mit der eigenen Stimme zu begleiten. Laute, harte Töne und nahezu geschriene Vocals wurden zum Markenzeichen der schrillen dreiköpfigen Girl-Punkband Liikaa Lovee, deren fester Bestandteil Markkanen eine Weile lang war und zu dem sie sich hin und wieder verwandelt, wenn die Menge erneut danach verlangt. Sensibler und leiser hingegen zeigte sich ihr Soloprojekt. Unter ihrem eigenen Namen veröffentlichte Markkanen das Album „Aina Jossain Sataa“ und später die EP „Schönleinstraße“.

Oft nur von der Gitarre begleitet, stehen dabei Markkanens Stimme und die Texte der überwiegend finnischen Songs im Fokus der Aufmerksamkeit. Tiefschürfend, ungeschönt und ehrlich. Saara Markkanen wählte vorrangig ihre eigene Muttersprache um sich darin auszudrücken, da ihr diese anfänglich den größtmöglichen Raum offerierte, Gedanken und Ideen möglichst genau festzuhalten.

Wörter sind wichtig für mich. Ich möchte verstehen, worüber ich singe.

Die digitalen Releases ihres Solodebuts und der darauf folgenden EP, welche übrigens in Berlin entstand, ließ Markkanen von wunderschönen Konzepten begleiten, die in ihrer Umsetzung jedweden Betrachter in regelrechtes Staunen versetzen dürften. „Aina Jossain Sataa“, die erste Platte der Sängerin, auf der sie ihre musikalische Unabhängigkeit erklärt, erhielt als visuelles Beiwerk ein prachtvolles Poster mit originellen Blättergrafiken und den handgeschriebenen Lyrics der acht darauf befindlichen Songs, sowie einen eindrucksvollen Kunstdruck. Für ihre EP „Schönleinstraße“ diente ein kleines Büchlein mit verspielten Grafiken, Fotos und Textpassagen als haptisches Pendant. Die Liebe und Wertschätzung, die in der Umsetzung dieser Projekte steckt, ist überwältigend.

Saara Markkanen Aina Jossain Sataa Saara Markkanen Schoenleinstraße

Wie kam es zu dieser Konzeptkunst?

„Ich weiß nicht mehr, wessen Idee das eigentlich anfänglich war. Aber ich erinnere mich daran in einer Bar gesessen und darüber geredet zu haben, dass sich CDs heutzutage schlecht verkaufen. Da mich und meine Musik zu jenem Zeitpunkt kaum jemand kannte, wollte ich zum Release meines Albums etwas Außergewöhnliches machen. Wir überlegten, was das sein könnte und am Ende wurde das daraus. Wenn ich selbst ein Album kaufe, dann möchte ich auch etwas in der Hand haben. Und zwar nicht nur eine CD, auf der steht, wer was gemacht hat. Natürlich ist die aufgenommene Musik an sich schön genug, aber ich finde, es macht Spaß um das Ganze herum, eine kleine Welt aufzubauen.“

luaiNachdem Markkanen von ihrer Heimat Finnland aus aufgebrochen war, um das Flair des Pariser Künstlerviertels Montmartre kennenzulernen, führten sie die verschlungenen Pfade des Schicksals letzten Endes in unsere prächtige Metropole an der Spree. Dem Charme Berlins, der durch seine Multikulti-Attitüde zu begeistern weiß, konnte sich auch Markkanen nicht verwehren und so weilt sie seit nunmehr zwei Jahren im Lebeviertel Kreuzberg. Irgendwann merkte sie, dass es an der Zeit war, neue Wege in dieser ihr anfangs so fremden Umgebung einzuschlagen. Das war die Geburtsstunde ihres Alteregos LUAI. Aufbauend auf der Grundstimmung ihres finnischen Soloprojekts entwickelte sie abermals originelle Songstrukturen. Allerdings wählte sie nun Englisch als Ausdruckssprache, da sie im Berliner Alltag eh auf die Verwendung jener „Mundart“ zur besseren Verständigung zurückgreifen musste und weil sie ferner denjenigen, die kein Finnisch beherrschen, die Möglichkeit des Verstehens ihrer Lyrics eröffnen wollte. Unter dem Namen „Boulder Thicket“ erschien vor ein paar Wochen das erste Album LUAIs.

Die Natur ist eine Art Leitmotiv auf der Platte. Weshalb?

Ich wuchs in Finnland auf und dort geht es immerzu um die Natur. Das ganze Land ist ein einziger, riesiger Wald. Das vermisse ich hier in Berlin sehr. Der Gedanke hinter „Boulder Thicket“ ist, dass man im Wald genauso verloren gehen kann wie in einer großen Stadt. Ich hatte das erst nicht geplant. Es trat eher unbewusst an mich heran.“

Es sind Melodien für ruhige Momente des Sinnens, die sich in den zehn Songs des Albums versammeln. Zarte, von innen herausleuchtende Aufnahmen. Man kann sich ohne große Anstrengungen und mithilfe von Stücken wie „No Man Is An Island“, dem titelgebenden „Boulder Thicket“ oder „Tripper“ in eine fremde Welt flüchten. Dieses Entfliehen aus dem Alltag, auch wenn es nur für ein paar Minuten ist, schenkt einem derartig viel Kraft, dass die Platte schnell zur Allzweckwaffe gegen Hektik und Unwohlsein avanciert. Wahre Kunst, die kostbarer nicht sein könnte.

Wie entstanden die Tracks auf „Boulder Thicket“?

„Bei den meisten Songs der Platte hatte ich das Glück, dass ich Augenblicke einfangen konnte. „Tripper“ zum Beispiel bedeutet mir sehr viel. Das Lied erschien, wie eine Vision als ich im Zug saß und nach Berlin fuhr. Zuvor gab es ein paar Schwierigkeiten zwischen mir und einem Freund und ich begriff, dass fortan jeder seinen eigenen Weg, getrennt voneinander, gehen muss. Und dann war da plötzlich diese Blase mit einer Vorstellung von einem Lied. Das frustriert einen beinahe in bisschen, weil du sofort das Gefühl bekommst, du müsstest irgendwo hin und alles aufschreiben. Also ging ich umgehend nach Hause und hielt meine Gedanken fest. Als ich mich dann letztendlich ans Aufnehmen machte, klang es natürlich ganz anders, als es mir anfangs vorschwebte.“

Was macht dich glücklich?

Menschen zu treffen. Menschen sind das Wichtigste.

Kultverdächtig

Wenn es ein Musiker schafft, ein derartig umfangreiches und dennoch in seinen einzelnen Teilen so gut funktionierendes, brillantes Werk zu erschaffen, wie es Saara Markkanen seit Jahren tut, dann ist das mehr als kultverdächtig. Nur wird auch hier der Mainstream wahrscheinlich wenig Notiz von der Passion, die dahinter steckt, nehmen. Liebhaber des Besonderen hingegen dürften aufgrund des sich auftuenden Hörgenusses und Augenschmauses, mehr als zufrieden sein.

Verlosung

Wir haben im Zuge des aktuellen „Kultverdächtig“ etwas ganz Besonderes für euch! Saara Markkanen stellt uns mehrere handgefertigte und streng limitierte Versionen ihrer bisherigen Veröffentlichungen zur Verfügung, die wir nun an insgesamt vier Kultmucke-Leser verteilen möchten. Wir verlosen 3x die EP „Schönleinstraße“ (Download + handgemachtes Begleitbuch), sowie als Hauptgewinn einmal das Debüt „Aina Jossain Sataa“ (Download + Poster + hochwertiger Kunstdruck). Und als wäre das allein noch nicht genug, bekommen alle Gewinner darüber hinaus einen Download-Link für das aktuelle, kürzlich erschienene LUAI-Album „Boulder Thicket“. Wer dieser Versuchung nicht widerstehen kann, der sollte bis spätestens nächsten Freitag, 22.03.2013, eine Mail mit dem Betreff „Saara Markkanen“ an martin@kultmucke.de geschickt haben, um in die dafür zuständige Glückstrommel zu gelangen, aus der am Folgetag zufällig vier Namen gezogen werden.

Interessante Links

LUAIs „Boulder Thicket“ bei iTunes kaufen

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Saara Markkanens Bandcamp-Seite

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