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27. Juni 2012 – Autor:

“The Gecko”. Das ist nicht nur ein niedliches kleines Schuppenkriechtier aus den Tropen, sondern auch eine Elektro-Rock-Band aus Berlin und dem englischen Königreich. Sie überzeugten erst letztlich die Berliner Gemeinde bei der ersten Spätitour vor ein paar Wochen.
Espin, der Frontsänger, hat sich ein paar Minuten für uns Zeit genommen und uns ein paar Fragen zur Band und zum “The Gecko-Moment” beantwortet.

Hallo “The Gecko”. Danke, dass ihr euch für Kultmucke und den Lesern Zeit genommen habt ein paar Fragen zu beantworten. Wie kam es dazu euch nach dem kleinen Tropentier zu benennen?

“Eine gute und grundlegende Frage. Ich war gerade in Italien als ich einem Gecko beim Sterben zusehen musste. Er fiel von einer Brücke direkt in den Fluss. Jedoch tauchte er nach kurzer Zeit zappelnd wieder auf und schwamm weg. Ich war so beeindruckt. Vor allem, weil dies genau die gleiche Stelle war, an der sich mein Britischer Großvater vor der Deutschen Armee, nach der Flucht aus  dem Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg, versteckt hatte. Der Gecko stellte für mich den Neuanfang dar. Zudem liebe ich Geckos, weil sie Moskitos essen und ich drei Mal an Malaria erkrankt bin.”

Welche Künstler beeinflussen eure Musik?

“Nun, die Liste ist endlos.  Aber mich haben durch mein Aufwachsen in UK und Irland und als Sänger definitiv The Police, David Bowie und The Cure beeinflusst. Später war ich großer Fan von Bands wie The Charlatans, Blur, The Verve und Supergrass, aber zur gleichen Zeit verrückterweise auch von Underworld, Leftfield und Massive Attack. Ich denke nicht, dass wir tatsächlich wie eine dieser Bands klingen, aber sie sind alle irgendwo im Hintergrund. Und für den Rest der Band? Nun, unsere Einflüsse sind so vielfältig, dass ich jetzt nicht jeden einzelnen einordnen möchte.

Ich liebe es, wenn die Leute Einflüsse in unserer Musik hören, von denen ich selber noch nie etwas gehört habe. Leute kommen oft nach Konzerten zu mir und sagen: “Hey das Stück hast du von XXXX geklaut.” und nennen zum Teil Bands, die mir total unbekannt sind.”

Auf eurer Facebook-Seite redet ihr vom “The Gecko-Moment”. Wie genau sieht der aus?

Ich freue mich, dass du mich fragst wie der “The Gecko-Moment” “aussieht”, da er schon fast sehbar ist. Metaphorisch ist es die Sonne, die nach dem Regen durch die Wolken bricht – erfrischend und belebend, wie eine Welle voller Energie. Aber wenn du es auf die Bühne beziehst, ist es der Moment, in dem wir uns alle wie Affen angrinsen, weil die anderen genau das spielen, was wir in diesem Moment spielen wollen, wodurch die Band mehr als ein Teil der Summe wird. Es ist als ob wir in perfekter Synchronisation wären.

Ihr schreibt eure Texte selber. Wie kommen die Ideen für die Songs zusammen?

Hier arbeiten zwei verschiedene Elemente miteinander – Die Musik und der Text.

Oft kommen Carsten oder Samuel mit einer melodischen Idee zu den Proben. Von einem Fragment für einen Song-Part bis hin zu einer ganzen Struktur.  Normalerweise entwickeln wir die Ideen zusammen. Beide haben eine umfangreiche musikalische Ausbildung absolviert. So müssen sie sich nicht in Noten erklären, sondern können einfach erzählen was sie spielen. Ich wiederum muss es hören. So lasse ich sie spielen bis mein Gehirn infiziert ist und ich dazu nach meinem Instinkt eine Strophe nach der anderen singe. Dies kann zu einem Streit führen, wenn mein “Instinkt” nicht zu den Harmonien passt.

Der Text wird durch eine Reihe von Erfahrungen inspiriert, von politischer und gesellschaftlicher Kritik des aktuellen Geschehens, bis hin zum inneren Kampf mit sich selbst, dem wir mit wechselnder Motivation, Umgang und Fähigkeiten begegnen. Singen ist für mich eine Möglichkeit die Dinge, die ich nicht unbedingt sagen würde, direkt zum Ausdruck zu bringen.

Was sind eure Pläne für dieses und die nächsten Jahre?

Was sagte John Lennon über das Thema Pläne machen? Als erstes werden wir die neue EP “All of a Sudden” rausbringen. Aktuell haben wir eine Menge gutes Material, aber gucken gleichzeitig auch nach einer guten Partnerschaft, durch die wir die EP produzieren und promoten können. Falls ihr “The Gecko” schonmal live gesehen habt, werdet ihr wissen, dass es eine reine Live-Erfahrung ist. Also versuchen wir das zu erweitern, wo auch immer wir können. Das Deichbrand-Festival im Juli scheint eine gute Möglichkeit dafür zu sein.

Was ist denn für euch Kult?

“Kult” ist für mich etwas zu mögen, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, ob es andere auch mögen. Kult ist der Geschmack des Einzelnen, nicht von den Massen. Kult ist die Freiheit der Meinungsäußerung ohne Einschränkung.

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