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when we turn off the light

In Textton Kombinat by Max1 Comment

Christoph Szalay wurde 1987 in Graz geboren, wo er auch aufwuchs und Germanistik studierte. Seit Herbst 2013 ist Christoph an der UdK Berlin und meistert dort den Studiengang „Art in Context“. Seine Vita zeigt Zeitungsveröffentlichungen divers, fürderhin drei Gedichtbände: „stadt / land / fluss“ (Leykam, 2009), „flimmern“ (Leykam, 2012) und „Asbury Park, NJ. Eine Elegie“ (Luftschacht, 2013). Christoph und ich trafen uns im Rahmen von „Babelsprech„, einem Projekt zur Zusammenführung junger deutschsprachiger Dichtung (wie schon Max Oravin im letzten Kombinat). „when we turn off the light“ ist als eine Textsoundperformance in Zusammenarbeit mit dem Grazer Musiker Paul Plut entstanden. Diese Kooperation ist dabei „die Weiterführung eines Dialoges im Grenzraum von Text und Sound“ im Rahmen eines „popästhetischen Diskurs[es]“. Folgend erst drei Ausschnitte aus dem Projekt, dann Christoph’s ausführliches Mission Statement.

I der Text
when we turned off the light ist ein Textprojekt. Ist ein Textprojekt, das sich jedoch der Möglichkeiten interdisziplinärer Arbeit nicht nur theoretisch bewusst ist, sondern diese auch praktisch als methodisches Konzept zu realisieren versucht. Ausgangspunkt also: ist der Text. when we turned off the light besteht aus zwei Teilen, in denen jeweils unterschiedliche Motive, Topoi und Thematiken verhandelt werden.

[…]

II Form und Funktion
Der Begriff des Fragments ist für den Texte von essentieller Bedeutung, sowohl was die literarische als auch die musikalische Narration anbelangt. Die Plakation sowie die Kürze einzelner Fragmentierungen sind Zitationen aus den Form- und Funktionsweisen der Bildenden Kunst sowie der Ästhetik des graffiti. Ebenso von Bedeutung ist das Manifest, dessen rhythmischen und wiederholenden Gestus der Text an vielen Stellen aufnimmt, um dadurch auch eine Strukturation vorzunehmen. Das gesamte Textkonzept umrahmen zwei großformatige Photographien der Grazer Photokünstlerin Clara Wildberger (clarawildberger.com) sowie eine Soundinstallation des Grazer Musikers Paul Plut.

III Kooperation
when we turned off the light ist primär Text. Es ist, wie bereits erwähnt, in seiner Präsentation jedoch gedacht als TextSound Performance. Dabei stehen sich beide als äquivalente Dependenzen gegenüber. Sound überlagert den Text und vice versa. Ausgangs- und Endpunkt des sich entwickelnden Stückes ist die Schaffung eines erfahr- und erfühlbaren Klangraumes. Für den Sound zeichnet sich der Grazer Musiker Paul Plut (paulplut.com) verantwortlich.
Die Kooperation mit Paul als Musiker stellt im Fall von when we turned off the light nur die Weiterführung eines Dialoges im Grenzraum von Text und Sound dar, der über die Jahre immer wieder- und weitergewachsen ist. Sowohl Pauls, als auch mein eigener Zugang war und ist dabei immer durch und von einem popästhetischen Diskurs geprägt gewesen, in dem wir beide sozialisiert wurden und Paul als Musiker auch agiert. Die Herangehensweise ist daher eine spontane und intuitive, organic noise making.

IV Text und Sound
Ich reagiere sehr körperlich auf Wörter, daher auch der Rhythmus (…). Texte bauen ist ein körperlicher Vorgang, den ich dann auch bei Lesungen oder Performances zu vermitteln suche, als Fleisch gewordenes Wort. Sagt Michaela FALKNER in einem Interview. Die Grundvoraussetzung für das Schreiben ist also der Körper, das Schreiben als körperlicher Akt eine Notwendigkeit, um überhaupt erst einen (schöpferischen) Prozess in Gang zu bringen. Gilt dies nun als Prämisse, ist die Hinwendung zur Musik weniger eine kausale denn eine handlungsimmanente Schlussfolgerung. Indem ich Musik in den Akt der Performanz miteinbeziehe, schaffe ich einen erfahrbaren Wahrnehmungsraum, einen Klangraum, Wundraum, Erinnerungsraum, in den ich das Publikum miteinbeziehen will oder Ich komme über dich (Satz der Offenbarung). Der Text wird durch die Addition der Musik erfühlbar, hinterlässt Spuren an der Haut, nähert sich dadurch auch dem Gestus des Sakralen in all seinen Spielformen – vom religiösen Ritus bis hin zur archaischen Geisterbeschwörung, dem Trance des Candomblés et al et al. Die Auseinandersetzung mit Text und Sound erscheint mir denn auch nicht als Spielform innerhalb eines literar-ästhetischen Diskurses sondern in ihrer Exposition des Körpers und der Stimme vielmehr als eine poetische Haltung oder what would you do if i sang out a tune / would you stand up and walk right on me (J. Cocker).

Das Textton Kombinat erscheint zweiwöchig.
Foto von Kathrin Leisch, http://cargocollective.com/kathrinleisch

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