Kultverdächtig: Alex Highton

In Musik by Gastautor

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Wie CDs in einem Regal drängen sich auch die Häuser einer Großstadt oft dicht an dicht. Dabei versucht jedes Gebäude mit seinem Äußeren zu glänzen und so den Wettstreit, um die Aufmerksamkeit der Betrachter für sich zu gewinnen. Ob durch Farbe, Form oder Größe, es kann eigentlich nie genug sein, wenn man im Fokus stehen möchte. Ähnliches gilt auch bezüglich der Strategien, mit denen Agenturen ihre Musiker auf dem Markt positionieren. Gestresst von diesem Konkurrenzkampf packen wir unsere sieben Sachen, werfen sie in einen Van und fahren raus aufs Land. Und dort finden wir das Glück, wenn auch nicht auf der Straße, sondern auf einer grünen Wiese liegend. Wir beobachten wir einen Mann, der im ruhig, gelassen und entspannt im duftenden Gras ruht und sich scheinbar keine Gedanken über Verkaufszahlen seiner Platten macht: Aussiedler Alex Highton.

Wurzeln schlagen auf dem Land

Alex HightonWas bedeutet Musik für dich?

Sie ist etwas Unfassbares, das dich so viele verschiedene Emotionen innerhalb kürzester Zeit erleben lässt.

Der Herr, der im Teaser zu diesem Beitrag seine Erwähnung findet, trat seine persönliche Reise von der Metropole hinaus aufs Dorf schon vor vielen Jahren an. Alex Highton wurde in Liverpool geboren, verbrachte einige Zeit in London und zog dann schließlich in die Grafschaft Cambridgeshire, ein ländliches Idyll im Osten Englands. Dort angekommen verliebte sich der Brite in die frische Luft, die herrliche Natur und die Tatsache, dass das Leben in einer Dorfgemeinschaft viele positive Aspekte mit sich bringt.

„Dieser Ort ist voll von verrückten und wundervollen Charakteren. Jeder hat seine Geschichte. Da kennst du jemanden eine Ewigkeit und dann verblüfft er dich plötzlich. Zum Beispiel der Kerl, der bei uns gegenüber wohnt, Dougal. Er fragte mich, was bei mir anstünde und ich erzählte ihm, dass es auf Tour nach Deutschland ginge. ‚Oh‘, sagte er, ‚das hab ich auch schon gemacht. Ich war dort in den 60ern.‘ Es stellte sich heraus, dass er eine Art Popstar ist, der einen Top 30 Hit hatte. Es gibt Fotos von ihm, auf denen er mit den Hollies abhängt.“

Feststeht, dass die Entscheidung aufs Land zu ziehen nicht nur für Alex Highton ein echter Gewinn war. Denn wäre der Kerl mit dem markanten Schnurrbart in London oder Liverpool geblieben, wäre sein aktuelles Werk „Woodditton Wives Club“ wohl nie entstanden. So haben wir nun aber die Chance, uns an wunderschönen Stücken wie „I Left The City“ zu erfreuen.

Worum geht es in dem Stück?

„Das ist sehr persönlich, aber ich denke, man findet die Antwort in den Lyrics. Ich schrieb den Song in meinem Garten, trank eine Tasse Tee und stellte wieder einmal fest, welch seltsame Wendung mein Leben genommen hatte.“

Wenn man sich das Video zu „I Left The City“ anschaut, bei dem auch Alex‘ älteste Tochter Molly fröhlich durchs Bild marschiert, dann kann man besser nachvollziehen, wieso Mr Highton den hektischen Alltag in der Großstadt gern gegen das Leben in einer überschaubaren Gemeinde eintauschte. Alles ist dort überschaubarer, kleiner und vielleicht auch ein Stück weit leichter zu erfassen. Denn Schnelllebigkeit hat es nun mal schwer zwischen Kuchenbasar, Pubbesuch und Gartenarbeit. 16 page booklet_AH_finUnd so darf man sich auch ganz genüsslich und entspannt an das Hören von „Woodditton Wives Club“, dem Debüt Hightons, machen. Spätestens mit dem Opener „You’ve Got The Trees“ verzieht sich jegliche Rastlosigkeit in eine Ferne, die selbst für den gewieftesten Gedanken nicht mehr erreichbar zu sein scheint. Dabei dann schlussendlich abzuschalten und sich vollkommen zwischen den wunderbar sanften Melodien eines „You Left Me In No Doubt“ oder „Song For Someone“ zu verlieren, ist nicht wirklich schwer. Alex Highton hat mit „Woodditton Wives Club“ eine Platte voller feingeistiger Songwriter-Perlen erschaffen. „The Great Divide“ beispielsweise streichelt die Seele, „Little Rocks“ wiegt den Verstand, wie ein Schaukelstuhl es nicht besser tun könnte und auch ein Stück wie „Village Life“ avanciert da umgehend zum klarsichtigen Spiegel für die Schönheit des Moments. Man kann gar nicht anders, als dieses Album von der ersten Note an zu mögen.

Alex, wie fühlte es sich denn für dich selbst an, als du „Woodditton Wives Club“ im letzten Herbst veröffentlicht hast?

„Diese Platte war ein echter Liebesdienst. Die Zeitspanne, in der die meisten der Songs geschrieben wurden, hielt das eine oder andere Gefühlshoch bereit und doch fand ich mich auch in sehr dunklen Momenten wieder. Diese Stücke zu schreiben, half mir die guten Dinge zu zelebrieren und jene zu verstehen, die nicht allzu angenehm waren. Ich interessierte mich nie wirklich für den Zeitgeist, worüber ich insofern froh bin, als dass das Album nicht hätte, ferner von diesem sein können. Insofern kann ich ehrlich sagen, dass mich die durchaus positiven Reaktionen auf die Veröffentlichung sehr überraschten.“

Das Feedback, welches Alex Highton auf seine Songs erhielt, ist tatsächlich sehr beachtlich. Als der Hollywood-Schauspieler Ashton Kutscher über den Myspace-Account von Alex stolperte, entschied er sich kurzerhand, auf seinem Twitter-Account Werbung für den britischen Musiker zu machen. Bei mehreren Millionen Followern sorgte das natürlich für eine unheimliche Welle an Aufmerksamkeit, die übermächtig unseren uneitlen Alex für eine gewisse Zeit überschwemmte und umspülte. Als sich der Sturm allmählich gelegte hatte, stellte dieser dann jedoch ganz nüchtern fest, dass sich nicht wirklich etwas verändert hatte. Nur der Wille, weiterhin an dem festzuhalten, was ihm wichtig war, verfestigte sich auf einer neuen Stufe.

Es ging so weit, dass Ashton Kutcher Madonnas Manager twitterte, er solle sich mal mit mir beschäftigen.

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Welche Bedeutung kommt der Musik in einer derartig beschleunigten Welt, wie der unseren, überhaupt noch zu?

„Nun, es gibt, da draußen mehr Musik als man je zu hören vermag. Sie wird in einer mächtigen Geschwindigkeit konsumiert und wieder beiseitegelegt. Ich versuche all das zu vergessen, mich durch das Angebot zu wühlen und das zu finden, was mir gefällt. Oft bin ich meiner Zeit dermaßen hinterher, dass all diese Dinge mir irrelevant erscheinen.“

Obwohl Alex teilweise den Eindruck macht, er lebe ein wenig in der Vergangenheit, trifft das bei genauerem Hinsehen nicht wirklich zu. Auf seine Zukunftspläne angesprochen, verriet uns der Musiker, dass er bereits Songs für zwei weitere Alben geschrieben habe. Wenn das nicht weitsichtig ist, was dann? Er spiele mit dem Gedanken allerlei alte Synthesizer in die Arrangements der neuen Stücke zu integrieren, sagt Alex. Zudem solle es dunkler und verrückter auf dem Nachfolger von „Woodditton Wives Club“ werden. Es wirkt fast so, als wäre mit den 13 Stücken auf besagtem Album nur die Ruhe vor einem akustischen Sturm skizziert worden. Das macht natürlich neugierig.

Worum wird es thematisch auf deinem nächsten Album gehen?

„All die Songs auf der neuen Platte drehen sich in jedweder Form um das Leben und den Tod. Es wird generell philosophischer und metaphysischer.“

Neben dem Komponieren eigener Songs hat Alex Highton im Laufe der Zeit auch immer mehr Gefallen daran gefunden, sich mit den Werken anderer Künstler zu befassen und diesen einen ganz eigenen Charakter zu verleihen. Das hören wir bei Kultmucke natürlich mehr als gern und stellten auch Alex, genau wie allen anderen Kultverdächtig-Künstlern, die Aufgabe, sich den Track eines anderen Musikers zu suchen und diesen für uns neu einzuspielen. Er entschied sich für „Tonight I’ll Be Staying Here With You“ von Folk-Legende Bob Dylan. Der Song befindet sich auf Dylans „Nashville Skyline“ (1969). Ein Album, das Alex Highton während der Entstehung von „Woodditton Wives Club“ viel gehört hat und von dessen Einfachheit er sehr beeindruckt war.

Was ist das Besondere am Covern?

„Einen großartigen Song zu spielen, macht Spaß. Zudem hängt an einem Cover oft nicht ein allzu großes emotionales Paket. Gelegentlich spiele ich auch live mal ein Cover. Auf meiner Tour durch Deutschland waren es sogar einige und ich fing an zu verstehen, welche Vorzüge es haben kann, Teil einer Pubband zu sein.“

alexconcert0313byRichardLaHuisDie Liveperformance ist für viele Musiker wie die Luft zum Atmen. Sie arbeiten Wochen, Monate oder Jahre an ihren Alben, um sie dann schließlich auf die Bühnen der Welt transportieren zu können. Da geht es auch Alex Highton nicht anders. Das Gefühl nie zu wissen, wie sich ein Auftritt entwickeln wird, macht für ihn dabei einen besonderen Reiz aus. Immerhin hängt dies oft von vielen verschiedenen Faktoren ab. Ist ein Publikum gut gelaunt, kann es sich auf die Person im Scheinwerferlicht einlassen oder nicht und treffen die Songs den Geschmack der einzelnen Konzertbesucher? Um nicht vor Nervosität zu zergehen, plaudert Alex Highton gern mit den Menschen, die zu seinen Shows kommen. Dadurch hat er gleichzeitig die Möglichkeit neue Geschichten zu erfahren und die unterschiedlichsten Leute kennenzulernen, was für einen Philanthropen wie Alex unverzichtbar ist.

Was war der schönste Auftritt, an den du dich erinnern kannst?

„Da gab es so viele. Das ‚No Direction Home‘-Festival letzten Sommer war toll. Direkt an einem Fluss, groß, schön und mit einem gut gelaunten Publikum. Einige der Shows meiner letzten Tour durch Deutschland, Holland und Belgien waren auch fantastisch. Ich trat in einem alten Kloster in Groningen auf, was Freude gemacht hat.

Kultverdächtig

Vielleicht sollte man ernsthaft einmal überlegen, den Weltfrieden zu sichern, indem man präventiv CDs von Alex Highton in alle Ecken dieser Erde entsendet, anstatt mit Bomben und allerhand aggressiver Kriegsmaschinerie vorzugehen. Denn sobald die Songs des Briten erklingen, verflüchtigt sich sämtliches feindliches und boshaftes Gedankengut umgehend. Wer in der Lage ist, mit seiner Musik dermaßen viel Sanftmut zu verbreiten, der ist aus unserer Sicht nicht nur kultverdächtig, sondern ein echter Gewinn für die oft so verbissene und engstirnige Menschheit.

Verlosung

Dann beginnen wir jetzt mal damit, der Welt ein wenig mehr Optimismus zu schenken. Wir verlosen insgesamt drei Fanpackages, bestehend aus dem Album „Woodditton Wives Club“ und einem wunderschönen T-Shirt, dessen Größe individuell von den Gewinnern der Verlosung bestimmt werden kann. Wenn ihr gern einer der Glücklichen sein wollt, die sich über ein solches Package freuen können, dann schickt bis spätestens kommenden Donnerstag, den 20.06.2013, eine Mail mit dem Betreff „Alex Highton“ an martin@kultmucke.de. Vielleicht ist es ja dann auch euer Name, der am Ende des Monats aus der Lostrommel gezogen wird.

Interessante Links

“Woodditton Wives Club” bei iTunes kaufen

Offizielle Website von Alex Highton

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