Videopremiere: Alice Phoebe Lou „Orbit“ (Live Session)

In Musik von Martin

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Wenn man gehetzt und abgearbeitet die Warschauer Brücke, an der Hauptschlagader Berlins, entlangeilt, dann nimmt man viele der Dinge um sich herum kaum noch wahr. Zu laut der Trubel, zu dicht der nicht versiegen wollende Menschenstrom. Doch manchmal durchbricht eine sanfte Stimme das Getöse.

Alice Phoebe Lou ist Straßenmusikerin aus Überzeugung. Trotz ihrer immer größer werdender Bekanntheit, auch weit über die Straßen unserer Hauptstadt hinaus, lässt es sich die gebürtige Südafrikanerin nicht nehmen, immer wieder auf den Asphalt zurückzukehren, um dort live vor Publikum zu spielen. Wie viel Magie dabei freigesetzt wird, beweist jüngst eine Live Session zu ihrem Songs „Orbit“, die es vorab und zu allererst bei uns zu sehen gibt. „Orbit“ ist die zweite Singleauskopplung aus Alice Phoebe Lous gleichnamigen Debütalbum.



Du bist vor Jahren nach Berlin gezogen. Was macht die Stadt zu einem guten Zuhause?

„Für mich besitzt Berlin die perfekte Balance zwischen einer funktionierenden und doch gleichtzeitig auch nicht zu sehr regulierten Stadt. Es herrscht hier eine bestimmte Art von Freiheit und man hat die Möglichkeit, sich selbst auszudrücken sowie das zu sein, was man will, ohne dafür verurteilt zu werden. Aus meiner Sicht ist das wahre Freiheit. Berlin ist der einzige Ort auf dieser Welt, wo ich vom Spielen auf der Straße leben und das tun kann, was ich liebe.“

Fehlt dir Südafrika manchmal? Und was tust du gegen aufkommendes Heimweh?

„Ich habe das Glück, jedes Jahr für drei Monate nach Hause fahren zu können, sodass ich meine Energien aufladen und die Schönheit von Kapstadt genießen kann. Deswegen habe ich nie wirklich Heimweh, weil ich ja weiß, dass ich jeden Sommer wieder zurückkehren werde. Es gibt aber Momente, in denen ich den Ozean und die Berge vermisse.“

Jede Lebensphase hat ihren passenden Ort und für mich und meine Karriere ist das zurzeit Berlin.

Inwiefern unterscheidet sich das Spielen auf der Straße von Auftritten in Clubs?

„Auf der Straße aufzutreten, ist pure Magie.  Vor allem, weil man vor Leuten spielt, die gar kein Konzert erwartet haben. Wenn du in einem Club bist, stehst du vor Menschen, die es sich leisten können und wissen, was in der Musikszene vor sich geht. Auf der Straße spielst du für jedermann. Man bringt die Musik dahin, wo sie am meisten gebraucht wird.“

Könntest du dir vorstellen, jemals auf die Streetgigs zu verzichten?

„Niemals. Es gibt nichts, das mir mehr Freude macht, als die Straßenmusik.“

Für mich bedeutet Leben, Energie, Zeit und Liebe in das zu stecken, womit man sich glücklich und lebendig fühlt.

Wovon handeln die Lyrics zu „Orbit“?

„Ich schrieb den Song kurz vor Neujahr, als ich mich in einem Baumhaus befand und über einen großen Wald blickte. Das bot mir die Ruhe, mein Jahr, mein Leben und das, was mir wichtig ist, zu reflektieren. Der Song kann gut durch die folgende Zeile beschrieben werden: Let’s set sail, start a fire, learn to live a little higher. Let’s pick the lock, grab the reigns, forget there ever were chains.“

Dein Debütalbum trägt ebenfalls den Titel „Orbit“. Warum?

„Das Wort ‚Orbit‘ kann auf so viele Arten interpretiert werden. Es kann in Bezug zu Weltall und Universum gesetzt werden, hat aber auch eine persönliche Bedeutung, wenn man es als eigene Umlaufbahn für das Leben und Freunde versteht.“

Die nächste, reguläre Chance, dich live zu sehen, ist am 13. Mai in der Passionskirche. Hast du zuvor schon einmal in einer Kirche gespielt? Wie sehen deine ganz persönlichen Erwartungen an die Show aus?

„In London bin ich bereits ein paarmal in Kirchen aufgetreten. Es ist unglaublich, vor allem aufgrund des Settings und der Akustik. Aber auch, weil es einen sehr sympbolischen Charakter für unsere Zeit und die Veränderungen, die passieren, hat, wenn junge Menschen sich von organisierten Religionen abwenden und ihre eigenen Regeln finden, indem sie Kirchen auf unkoventionelle, nicht religiöse Weise nutzen.“

Der Sommer rückt näher. Wie sieht aus deiner Sicht die perfekte, laue Sommernacht in Berlin aus?

„Ein Auftritt auf der Warschauer Straße, bis die Sonne untergeht, dann der Performance von jemand anderem zuhören und abschließend irgendwo tanzen gehen.“