Kultverdächtug: Aloa Input

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On The Road. Junge Musiker kennen das Gefühl gut, ununterbrochen auf Achse zu sein und oft an einem Tag noch nicht zu wissen, wo sie am nächsten vielleicht schon wieder einen Gig ergattern können. Stetig sind sie auf der Suche nach neuen Herausforderungen, neuen Bühnen, neuen Publika. Und das alles dient dem einen Zweck, sich selbst und sein Werk bekannt zu machen. Oder gibt es da etwa noch andere Beweggründe? Ja! Manch eine Band besitzt darüber hinaus tatsächlich noch die unstillbare Passion, wieder und wieder ihre Songs spielen, darin vollkommen aufgehen und Scharen von Hörern mit ihnen infizieren zu wollen. „Kultverdächtig“ möchte seinen Fokus genau auf jene leidenschaftlichen Individuen richten, egal, welchen Bekanntheitsgrad sie auch besitzen mögen. Heute huschen ein paar bayrische Kerls durch unser Radar: Die Soundutopisten von Aloa Input.

Untypisch typisch

1_ALOA_INPUT_wald (Julian Baumann)Was bedeutet Musik für euch?

Total.

Morr Music steht, seit seiner Gründung im Jahre 1999, für einen außergewöhnlich interessanten Künstlerkatalog. Vor allem isländische Acts wie Múm, FM Belfast, Seabear, Sóley, Sin Fang oder die beiden Zwillingsschwestern von Pascal Pinon wissen ihre Werke nur allzu gern unter dem Dach des Berliner Labels. Dies führte im Laufe der Zeit dazu, dass der Ruf des Tonträgerunternehmens regelrecht gefror, und zwar im Sinne der tonalen Ästhetik, die man mit ihm verband. Doch hat Morr Music darüber hinaus auch ein wärmendes Herz für einheimische Liedermacher, was drei Herren aus Bayern bestätigten können. Flo Kreier, Cico Beck und Marcus Grassl lernten sich im Dunstkreis der Münchener Szene kennen und lieben. Es dauerte nicht lang, da griffen sie auch schon gemeinsam zu ihren Instrumenten und spielten in verschiedenen Formationen miteinander. 2011 folgte die Entscheidung, fortan die gesamte Energie in ein eigenes Projekt fließen lassen zu wollen. Als Aloa Input komponierte das Trio daraufhin einige Songs, die man dann als Demotape in die Hauptstadt entsandte. Mit einer Antwort rechnete das Gespann dabei jedoch nicht. Nur sollte alles anders kommen als gedacht. Heute sind Aloa Input Teil der vielschichtigen Morr-Familie. Dass dies auch einen guten Grund hat, beweist exemplarisch und zum Einstand die exlusiv für uns eingespielte Version von The Velvet Undergrounds „Sunday Morning“. Nach „I’ll Be Your Mirror“, beigesteuert von Memoriez, wandert somit bereits das zweite Cover der experimentellen Rocker, rund um den gerade erst verstorbenen Lou Reed, in unsere Playlist.

Wodurch unterscheidet sich eure Version vom Original?

„Durch das veränderte Raum-Zeit-Kontinuum.“

Ihr kommt aus Bayern. Was mögt ihr an eurer Heimat?

 „Die Berge, die Isar, Brezen und das Bier. Wie wir Bayern halt so sind.“

Sich in Deutschland langfristig etablieren zu können, ist kein leichtes Unterfangen. Die Branche hierzulande wirkt oft starr, wenig flexibel und auch Experimenten gegenüber fast ein wenig abgeneigt. Wenn man da nicht mit Schlager oder Strahlemann-Pop um die Ecke kommt, dann wird es auch schon schwierig, dauerhaft einen Platz in den Regalen der beliebten Elektrofachmärkte zu finden. Und doch gibt es ein paar wenige Nischen, die als letzte Zuflucht für Originalität und Einfallsreichtum dienen. In eben genannten Einkaufsparadiesen werden diese gern unter der Bezeichnung „Special Interest“ zusammengefasst. Aloa Input haben sich genau in eine solche Spalte hineingequetscht. Neben Gruppen wie The Notwist klemmen sie da nun, irgendwo zwischen Indie und Lo-Fi, Alternative und Post-Rock. Die drei Herren sehen das gelassen, immerhin haben sie ja gewusst, worauf sie sich einlassen. Sozialisiert in Bands Angela Aux, Joasihno oder Gender Bombs haut sie so schnell nichts mehr aus den Socken. Das man hart arbeiten muss, um am Ende die sprichwörtlichen Lorbeeren ernten zu dürfen, haben sie verstanden und doch schmälert das in keinster Weise ihre Liebe zu dem, was sie tun.

Wie sieht denn so ein typischer Tag bei euch aus?

„Aufstehen gegen Mittag. Dann erst mal Frühstücken. Es folgt die Arbeitsaufteilung. Einer holt das Auto, zwei andere müssen zur Strafe Bier trinken und das Equipment zusammensuchen. Danach wird ordentlich Auto gefahren. Wer fährt, darf die Musik aussuchen. Nach Ankunft am Club heißt es Equipment schleppen. Diesmal alle. Der Clubbesitzer serviert derweilen veganes Catering. Vor dem Essen gibt es den Soundcheck, nach dem Essen das Konzert. Im Anschluss Platten verkaufen, abbauen und sich unterhalten mit jedem, der einem Fragen stellt. Gegen zwei Uhr morgens dann schließlich der Rückzug in die Schlafgemächer, gegen fünf Uhr ist Zapfenstreich. Dazwischen immer wieder Käsebrot.“

Wirklich gesund klingt das Leben für aufstrebende Nachwuchstalente nicht. Ganz nebenbei haben Aloa Input es dann aber auch noch geschafft, ein Album zu produzieren, das am 18.10.2013 seine Veröffentlichung feiern durfte.

mm125_aloa_input_12x12Das Wortspiel „Anysome“ ziert euer Debüt. Weshalb?

„Wir fanden das gut. Anysome verbindet die Anfangssilben von Wörtern wie anything, something, somehow, anyhow und so weiter. Irgendwo spiegelt es vielleicht die Kombination aus den verschiedensten Dingen wieder, konkretisiert diese jedoch. Es verdeutlicht in einem Wort, was Musik, Texte und Artwork darstellen, nämlich viele Puzzlestücke, bei gelegentlichem Augenzwinkern, miteinander in Einklang gebracht.“

Tatsächlich ist „Anysome“ ein Sammelsurium unterschiedlichster Sounds und Melodien geworden. So bunt wie das von Julia Guther gestaltete Cover zeigen sich auch die 13 auf dem Album befindlichen Songs.

Inwiefern funktioniert „Anysome“ dennoch als homogenes Album?

Es ist sehr homogen in seinem Abwechselungsreichtum.

2.by Ela Grieshaber„Prelude“ eröffnet, seinem Namen entsprechend, die Platte. Das plätschernde Vorspiel besitzt einen sanften Charakter, der wohl am besten mit jenem Vogelgezwitscher vergleichbar ist, das man wahrnehmen kann, während man sich am Morgen noch vorsichtig die Nacht aus den Augen reibt. Das Stück kennzeichnet den Beginn einer Stimmungslinie, die für Aloa Input von essenzieller Bedeutung bei der Planung ihres Erstlingswerkes war. Sobald der Zuhörer vollkommen erwacht ist und den grauen Alltag hinter sich gelassen hat, erblüht mit „Another Green World“ ein undurchsichtiger Urwald voller akustischer Gewächse. Laute Trommeln, euphorisches Gepfeife und ein Rhythmus, der die Endorphine regelrecht durch die Adern zu jagen vermag, machen den Track zu einem Zeugnis an Hochstimmung. Nahtlos geht es zum beschwingten „Prblms“ weiter, bis „Rubbish“ schließlich eine mystifizierte Stimmung heraufbeschwört, die man nicht unbedingt erwartet hätte. „This Must Be The Age“ bildet kurz darauf den versöhnlichen Ausklang zu seinem düsteren Vorgänger. „Chasing Shades“ erinnert hier und da an Vampire Weekend, beziehungsweise das, was die Formation aus New York einmal ausgemacht hat, wohingegen „Interlude“ zu einer Insel inmitten eines spiegelglatten Synthiemeers wird. Dort für einen Moment zu verweilen, kommt einem Aufenthalt im Garten Eden gleich. Bevor man jedoch sesshaft wird und gar nicht mehr weiterziehen will, vertreibt einen das bayrische Trio schnell wieder aus dem Paradies und das, auch ohne nur einen einzigen Biss von der Sündenfrucht genommen zu haben. Erneut verdunkelt sich mit „Clouds So far“ die Szenerie.

„Dem Lyrischen Ich werden unvermittelt Substanzen in den Drink gemischt, es kommt schwer damit klar. Der Chorus nimmt die komplizierte Situation auf den Keks, wenn es da heißt: ‚All these crazy little things up on my mind, they turn me on, with crazy big effect upon my life‘.“

Intelligent aufbereitet und in seiner Akzentuierung unumstritten innovativ wird auch „Radio“ zu einem wahren Highlight. Dass sie aber darüber hinaus die Kunst der Melancholie beherrschen, beweist das getragene „Mellow Red Ball“. Im Anschluss spannt „Going Home“ die Segel und bereitet geschickt den Weg für „Someday Morning“.

„Am Anfang war das irre schöne Klaviersample, wir können es immer noch stundenlang im Loop hören. Es ist großartig! Es wurde versucht, um diese Stimmung herum den Song zu basteln. Deshalb ist alles sehr mellow-gemütlich.“

Nachdem sich der Hörer nun im völligen Einklang mit sich und seiner Umwelt befindet, spalten Aloa Input im letzten Akt ihres Albums den ewigen akustischen Horizont auf. „Zweiklang“ nennt sich das dann.

Wieso habt ihr euch bei „Zweiklang“ für einen deutschen Songtitel entschieden?

Es war der Arbeitstitel, der auf die überschaubare Basstonkombination anspielt. Aber das Wort hat uns so gut gefallen, dass es geblieben ist.

Zwei Jahre haben Aloa Input an „Anysome“ gearbeitet. Mal in der flirrenden Bundeshauptstadt und dann wieder inmitten einer Idylle nahe des Chiemsees. Resultat ist ein vielschichtiges Album, das untypisch typisch klingt. Untypisch, weil man wohl kaum beim ersten Hören an eine bayrische Band denken würde. Typisch, weil es dann eben doch eine solche ist. Es gibt keine Regeln, keine Gesetzmäßigkeiten innerhalb kreativer Prozesse. Sie lassen sich nicht räumlich definieren und auch, wenn wir mit unserem Verstand immer wieder versuchen werden, Dinge in Schubladen zu stecken, reißen Ausnahmen wie Aloa Input diese nur allzu gern mit Schwung aus der Verankerung.

Wen würdet ihr als eure musikalischen Väter und Mütter benennen?

Papa: Brian Eno. Mama: Miriam Makeba.

Mutter und Vater dürfen stolz auf ihre Jungs sein. Zusammen mit vielen anderen begeisterten Audiophilen blickt Kultmucke optimistisch in die Zukunft des musikalischen Herrenstammtischs aus München. Mindestens zwei weitere Alben haben uns Cico, Marcus und Flo innerhalb unseres Interviews mit ihnen noch versprochen, wir hoffen da definitiv auf ein paar mehr.

Von welchen Momenten und Augenblicken zehrt ihr in stillen, einsamen Stunden?

Schwer zu sagen, zu dritt ist man selten allein.

Kultverdächtig

Man kann dem Freistaat Bayern gegenüber gesonnen sein, wie man will. Möge man auf zahlreichen Reisen durch südliche Gefilde wieder und wieder all die Klischees bestätigt finden, die man zuvor mit nahestehenden Personen gern diskutiert hat, eins lässt sich jedoch nicht verleugnen. Aloa Input tragen weder Lederhosen, noch frönen sie in ihren Songs dem Schuhplattler. Zudem sind sie begabte Musiker, die definitiv eine Bereicherung für die deutsche Independentgemeinschaft darstellen.

Gewinnspiel

Mit jedem „Kultverdächtig“ ist auch immer eine passende Verlosung verbunden. Dieses Mal könnt ihr das Debütalbum „Anysome“ von Aloa Input gewinnen. Dazu sendet einfach eine Mail mit dem Betreff „Aloa Input“ an martin@kultmucke.de oder gebt unter diesem Beitrag einen Kommentar dazu ab, was euch an der Band gefällt. Bis kommenden Mittwoch, den 04.12.2013, habt ihr Zeit teilzunehmen.

Interessante Links

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