Premiere: Angela Aux „Wrap Your Troubles In Dreams“

In Musik by Martin

Die Welt verliert ihren Humor und wir stehen daneben. Ein wenig schmunzelnd. Künstler nehmen sich zu ernst, die Musikbranche versucht irgendeine Art Renaissance des großen Anspruchs zu feiern und Erfolg scheint zu einer Wissenschaft verkommen zu sein, deren Regeln nur noch Adele und Beyoncé kennen. Schluss damit!

Dass es auch anders geht, verdeutlicht uns Heiner Hendrix alias Angela Aux alias praktizierender Philosoph der Alltäglichkeit. Wer nach einem Helden im Kampf gegen staubtrockene Sachlichkeit gesucht hat, der hat ihn mit diesem Beitrag gefunden – und kann ihn sich sogar direkt nach Hause, ins Wohnzimmer, Schlafzimmer, in die Küche oder die Abstellkammer holen. Wie das geht? Indem man seine Träume in Schwierigkeiten einwickelt. Nein, andersherum. Indem man seine Probleme und all die Sorgen in etwas Positives verwandelt. Wir freuen uns sehr, Angela Auxs neues Album „Wrap Your Troubles In Dreams“ vorab präsentieren, es verlosen und mit dem Songwriter besprechen zu dürfen.



Wer ist Angela Aux? Woher kommt dein Alias und wieso hat er deine Person für sich beansprucht?

„Der Name kommt aus der Vergangenheit. Er bedeutet nichts, aber hat ein Drittel meiner Persönlichkeit für sich beansprucht. Das ist manchmal schwierig bei der Entscheidungsfindung, zum Beispiel bei der Frage, ob man bei der Steuer bescheißen soll oder nicht. Solche Fragen werden dann aber an die anderen beiden Drittel weiterverwiesen. Angela Aux beschäftigt sich dafür mit Träumereien.“

Kannst du dich noch entsinnen, was dich einst zur Musik brachte? Bis wohin reichen die Wurzeln deiner auditiven Kreativität zurück?

„Ich hab mal so stark gestottert, dass niemand mit mir spielen wollte. Dann hab ich mich im Keller verschanzt und ein paar Monate mit Neil Young, Leonard Cohen und den Beatles herumgehangen. Ich hab mich morgens schon gefreut, dass ich am Nachmittag wieder allein im Keller sitzen kann. Dabei sind auch die ersten Gedichte entstanden.“

Ist das Perückentragen auch über 25 Grad Außentemperatur noch zu empfehlen? Welche Risiken sind dabei zu bedenken?

„Welche Perücke?“

Angela Aux ist nur eins der vielen Projekte, in die du involviert bist. Wie entspannend ist es, ab und an auch mal allein zu arbeiten, und sich nicht mit den Ideen und Vorstellungen anderer auseinandersetzen zu müssen?

„Das macht Spaß, hat aber Vor- und Nachteile. Oft ist es ja gar nicht so gut, wenn Musik so persönlich ist, und das wird es eigentlich immer, wenn man sie nur allein bearbeitet. Man dreht sich dann schnell im Kreis, braucht nur länger, um es zu bemerken. Toll ist aber, dass man sehr konkret Ideen umsetzen kann, weil niemand da ist, der andere Vorschläge macht. Es ist aber auch toll, wenn jemand da ist.“

Eigentlich ist alles toll.

Angela Aux by Sophie Wanninger (3)Ein Album voller Folk-Songs – das ist „Wrap your Troubles in Dreams“. Warum macht das Sinn und warum vielleicht auch nicht?

„Die letzten Jahre hab ich viel mit Samples gearbeitet und verschiedene Genres und Dekaden miteinander verwoben. An irgendeinem Punkt fand ich das langweilig. Konzentration auf ein bestimmtes Setting finde ich gerade interessanter. Die Folk-Platte hat sich angeboten, weil ich viele Folk-Songs schreibe. Warum, weiß ich gar nicht. Vielleicht, weil überall, wo ich bin, immer Gitarren rumstehen. Ob es Sinn macht, weiß ich auch nicht, man kann es natürlich auch langweilig finden. Die Reaktionen darauf sind ziemlich unterschiedlich. Leute, die sich viel mit Musik beschäftigen, finden es meistens gut. Die Platte wäre darum beinahe auf einem ziemlich geilen Techno-Label rausgekommen, weil die Jungs das so gefeiert haben. Es ist halt eher eine historische Perspektive auf die jetzige Zeit. Das macht schon Sinn, finde ich. Aber die Platte ist definitiv sehr unmodisch, vielleicht sogar antimodisch.“

Wie viel Vergangenheitsbewältigung ist an die LP gekoppelt?

„Vergangenheit spielt ja immer eine Rolle, denke ich. Es ist irgendwie eine Hommage an viele Pop-Erzähler, die mich mit ihren Gedanken in meinem Leben begleitet haben: Lou Reed, Leonard Cohen, Neil Young, Elliott Smith, Beck, Nick Drake oder Bob Dylan. In den Geschichten verarbeite ich natürlich auch Erfahrungen, die ich selbst gemacht hab. Fast jeder Satz auf der Platte wurde so oder so ähnlich von Menschen gesagt, meistens aber nicht von mir. Es ist also eher eine Gegenwartsbewältigung, weil sie mit mir selbst gar nicht so viel zu tun hat, behaupte ich einfach mal.“

Welche Schwierigkeiten beziehungsweise Probleme hast du selbst schon in Träume eingewickelt? Wie macht man das am besten?

„Die Platte beschäftigt sich viel mit dem Dualismus, in dem westliche Menschen oft denken, wenn sie zum Beispiel glauben, man könnte nur das eine oder nur das andere sein. Dann macht es oft Sinn, sich zu erlauben, dass man gleichzeitig fleißig und faul sein kann, oder dass diese Begriffe irgendwie keinen Sinn machen. Sprache grundsätzlich infrage zu stellen, kann also eine gute Strategie sein. Oder vermeintlich logische Zusammenhänge zu ignorieren. Viele Probleme ergeben sich ja erst durch diese andauernde Analyse, der wir alles unterziehen. Und dabei bemerken wir oft gar nicht, was für einen Schwachsinn wir dabei zusammenschustern. Wenn man sich dieses unendliche Chaos in der Welt ansieht, dann ist das zum großen Teil von Menschen produziert worden, die vorher alles analysiert und sich dann einen schlauen Plan zurecht gelegt haben. Was mich selbst betrifft, ich hab beispielsweise eine Allergie auf Alkohol und alle Arten von Getreide. Als ich das mitgeteilt bekam, fand ich das ein paar Tage echt kacke. Aber jetzt finde ich es gut, man wird bewusster dadurch. Und Alkohol war eh nie so meins.“

Du hast jüngst bei einem anderen Onlinemagazin „Wrap your Troubles in Dreams“ höchstpersönlich verrissen. Wie viel Spaß hat das gemacht oder kullerten am Ende doch ein paar Tränen?

„Das war eine der witzigsten Sachen, die ich je gemacht hab. Ich würde es am liebsten sofort wieder tun. Ich kann diesen Kunstzirkus generell nur bedingt ernst nehmen.“

Dieser notorische Selfieismus und Image-Bildungs-Stumpfsinn, in dem wir leben, ist ja ziemlich fragwürdig.

„Ich habe eigentlich mehr Spaß dabei, etwas auf sinnige Weise kaputtzumachen, als so eine seltsame Parallel-Realität zu inszenieren. Das ist auch eine gute Übung. Es hilft einem dabei, kein arrogantes Arschloch zu werden.“

Gehörst du zu den Musikern, die nach der Veröffentlichung einer Platte, erst einmal einen großen Bogen um diese machen müssen?

„In den ersten Tagen, nachdem so eine Platte oder neue Songs fertig sind, höre ich die ganz oft. Das mache ich so lange, bis die Songs anfangen, mich zu nerven. Später hört man sie dann noch mal auf eine neue Art und Weise, so als hätte man sie gar nicht gemacht. In dieser Phase entsteht eigentlich auch die nächste Platte beziehungsweise die nächsten Songs, weil man feststellt, welche Dinge man anders machen will. Bei ‚Wrap Your Troubles In Dreams‘ haben wir zum Beispiel fast keine Effekte verwendet, weil ich so etwas ganz Trockenes und Unverfälschtes wollte. Nach der Platte hab ich mich dann wieder langsam mit Effekten beschäftigt und gerade bastel ich viel mit komischen Sounds rum. Kann also gut sein, dass die nächste Platte mit sehr viel Krimskrams sein wird.“

Wie stellst du dir die Menschen vor, die sich „Wrap your Troubles in Dreams“ anhören? Hast du da Bilder im Kopf? Zumindest jetzt, wo wir danach fragen?

„Diese Platte fordert viel Aufmerksamkeit, sie entfaltet nicht, wenn die Musik nebenbei so rumplätschert. Die Kombination aus Text und Musik ist dabei wichtig. Im besten Fall sollte man sie allein hören, aber dann mit anderen Menschen besprechen. Es liegen ganz viele subtile Doppeldeutigkeiten und krude Symbolismen vergraben, in denen man sich selbst sehr gut spiegeln kann. Ich würde empfehlen die Platte zum Kochen zu hören, zum Radfahren im Regen, bei langen Autofahrten oder wenn man wütend auf die Welt ist. Oder einfach nur wenn man Lust hat. Geht bestimmt auch.“

Angela Aux

Gewinnspiel

Um ein CD-Exemplar von Angela Aux „Wrap Your Troubles In Dreams“ zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Angela Aux“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist Montag, der 16.05.2016. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!