Kultverdächtig: Apothek

In Musikby Martin

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Wir machen kein Geheimnis aus der Tatsache, dass wir wieder und wieder auf die Suche nach interessanten Newcomern gehen, um sie anschließend in unserer Rubrik „Kultverdächtig“ featuren zu können. Der letzte Streifzug durch die Berliner Eventlandschaft brachte dabei das norwegische Duo Apothek zutage, welches uns als Support auf Susanne Sundførs letzter Tour begeisterte und das wir euch nun gern ausgiebig in folgendem Beitrag vorstellen möchten.

Warten auf den Donner

Apothek (2)Was bedeutet Musik für euch?

Was und wie viel Musik einem bedeutet, schwankt wie alles andere im Leben auch. Manchmal fühlt es sich an, als wäre sie alles, was zählt, dann ist sie wieder nur ein Job und teilweise sogar eine Belästigung. Sämtliche dieser Gefühle sind gleichermaßen nützlich.

Es war Neugier, die Morten Myklebust und Nils Martin Larsen vor fast zwei Jahren zusammenführte. Die Neugier darauf, wie es sich anhören würde, wenn ihre recht unterschiedlichen künstlerischen Ansätze und Hintergründe plötzlich aufeinanderprallen würden. Kollisionsgefahr oder Symbiose? Zerstörung oder der Beginn von etwas Neuem, Unverwüstlichem? Dass die beiden gerade die Aufnahmen zu ihrem im Sommer erscheinenden Debütalbum abgeschlossen haben, lässt Letzteres vermuten.

Was können die Hörer von eurer ersten LP erwarten?

„Wir sind unheimlich stolz auf unsere Arbeit. Das Album ist dynamisch. Zugänglich. Wenn man möchte, unendlich detailliert. Aber auch schlicht. Und anders als bei der Musik in diesem Genre sonst üblich, haben die Lyrics eine Bedeutung. Wir können kaum noch warten, es vorzuzeigen.“

Apotheks Ansatz, elektronische Musik zu machen, die auf klassischem Songwriting basiert, ist nicht unbedingt revolutionär oder bahnbrechend. Das Ergebnis dieser Idee hingegen schon. Und so beweisen Apothek mit ihrer Mischung aus Myklebusts sensiblen Texten, seiner recht eigentümlichen Stimme und den vielschichtigen Sounds Larsens, der alle Instrumente der Band selbst einspielt, dass es auch 2016 noch Newcomer gibt, die sich nicht allein auf die akustischen Hinterlassenschaften früher Generationen stützen müssen, um kreativ zu sein.

Ist es hart, als Newcomer durchstarten zu wollen?

„Alles ist schwierig als Newcomer. Wir haben das Glück, in einer Stadt zu leben, in der es vor großartigen Talenten, von denen wir lernen können, zu denen wir aufschauen, die wir beneiden, bemitleiden oder lieben, nur so wimmelt. Aber wenn etwas einfach wäre, sofern man neu ist, dann würde man vermutlich auch etwas falsch machen.“

Ihr kommt aus Norwegen. Wie wichtig ist euch eure Heimat?

„In unserer Generation ist die Welt derart zusammengeschrumpft, dass selbst die unerreichbarsten Ecken des Planeten plötzlich erreichbar werden. Zu Zeiten unserer Großeltern gab es noch viel mehr Mysterien. Heute scheint alles wichtiger zu sein, als das eigene Zuhause. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir einen Job haben, der häufiges Reisen beinhaltet.“

Auf ihren Reisen statteten Myklebust und Larsen auch Berlin mehrere Besuche ab. Die Stadt bedankte sich dafür auf ihre ganz eigene Art und Weise – denn als Myklebust eines Tages in einer Berliner Bar namens Apothek saß, fühlte er sich derart angeregt, dass er nicht anders konnte, als seinem Bandkollegen umgehend eine SMS zu schicken und ihn davon überzeugen, dass er so eben den Namen für ihr gemeinsames Duo gefunden habe. Zwar lässt sich nicht genau ausmachen, wo sich besagte Kneipe befindet, oder ob Myklebust am Ende nur, vom Alkohol berauscht, den Schriftzug einer nahe gelegenen Apotheke fehldeutete, doch ist es schön zu wissen, dass die Norweger auch in unserer Hauptstadt feine Wurzeln geschlagen haben. Verfestigen konnten Apothek diese auf weiteren Stippvisiten als Vorband ihrer Landsfrau Susanne Sundfør.

„Susanne ist schon seit Jahren eine unserer Lieblingskünstlerinnen. Außerdem ist sie eine Freundin. Mit ihr zu touren ist das größte aller Vergnügen. Zu sehen, wie sie jede Nacht die Bühne einnimmt und auf dem Level performt, wie sie es tut, ist wahrlich inspirierend und wundervoll zu beobachten. Oh, wir lieben ihre Musik!“

Was mögt ihr selbst am Auftreten und was nicht?

„Wir können nicht genug von glücklichen Menschenmengen kriegen, die unsere Sounds mögen. Wovon wir allerdings schnell zu viel kriegen, sind Kabel.“

Apothek (3)

Was inspiriert euch?

„Vor allem nicht-musische Kunstformen. Bücher, Interviews und kleine Texte von Intellektuellen, die wir bewundern. Sich zu verirren und einen gruseligen Typen in der U-Bahn einer unbekannten Stadt zu treffen.“

Alle Musiker haben irgendeine Musiklegende, die sie gern als Inspiration angeben. Für uns ist das nicht wirklich relevant.

Bisher haben Apothek nur zwei reguläre Singles veröffentlicht. Zum einen wäre da das fiebrige „Family“, das ein destruktives, dysfunktionelles Familienleben seziert und mit seinen schweren Synthiesounds schnell den Verstand befällt. Passend zu diesem Stück haben Apothek auch einen entsprechenden Remix erschaffen, der mit etwas mehr Fahrt, die Synapsen zum Glühen bringt.

Was macht aus eurer Sicht einen guten Remix aus?

„Für Bands ist ein guter Remix oft etwas, das ihnen das Gefühl gibt, jemand habe sich um ihre Musik gekümmert und es mit einer neuen Stimmung oder Ästhetik versehen. Für Label und PR-Leuten ist das oft anders. Wir versuchen, nicht so viel über den Reiz eines Remixes nachzudenken. Das sollte jemand mit einer anderen E-Mail-Adresse tun.“

Als Nachfolger zu „Family“ schenkten Apothek ihrem Publikum den Track „Waiting For The Thunder“, welcher sich wiederum jenen – teilweise auch mentalen – Orten widmet, die man zurücklässt, wenn man in eine neue Zukunft aufbricht. Das Stück spielt sowohl textlich als auch klanglich mit Dissonanzen, was eine Art Markenzeichen für die Arbeiten von Myklebust und Larsen zu sein scheint.

Da nun bekanntlich aller guten Dinge drei sind, fühlten wir uns geradezu berufen, Apothek erneut ins Studio zu schicken, um ein exklusives Cover für unsere „Kultverdächtig“-Playlist und somit ihren dritten, digitalen Release via Soundcloud einzuspielen. Herausgekommen ist eine ergreifende Version der recht unbekannten B-Seite „Figure 8“ zu Elliott Smiths „Son of Sam“.

„Wir entschieden uns für Elliotts Smith ‚Figure 8‘, das selbst Cover eines Songs aus einer alten TV-Show aus den Siebzigern ist. Es geht schlicht und ergreifend um die Zahl 8. Wir verliebten uns in die Art, wie melancholisch Elliott Smith über etwas so Simples singen kann. Außerdem hat das Stück eine der schönsten Akkordabfolgen und ein wunderbares Wurlitzerarrangement.“

Gibt es noch etwas, das ihr unseren Hörern mitteilen wollt?

„Hört Elliott Smith. Und Apothek.“

Gewinnspiel

Um die Tracks „Waiting For The Thunder“, „Family“ und „Family (Apothek Reimagine Remix)“ als MP3s zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Apothek“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist der Freitag, der 06.05.2016. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

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