Mrs. Asteroids Galaxy Tour

In Musik by Martin

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Bereits eine ihrer ersten Singles schaffte es, nicht zuletzt dank der klugen Positionierung in einem Werbespot für einen extrem bekannten MP3-Player, die Charts vieler Länder im Sturm zu erobern. Heute gilt die dänische Band The Asteroids Galaxy Tour, mit ihrer Mischung aus Indie, Funk, Soul und Electropop, als einer der zuverlässigsten Stimmungsgaranten innerhalb der Musikbranche.

Es gießt in Strömen als sich unser Team auf den Weg in das Michelberger Hotel, gegenüber vom U-Bahnhof Warschauer Straße, macht. Dass unsere Klamotten bis aufs letzte Hemd durchnässt sind, als wir final dort eintreffen, spielt jedoch in dem Moment keine Rolle mehr, in dem uns eine wunderhübsche blonde Dame entgegen schreitet. Mette Lindberg, Sängerin bei The Asteroids Galaxy Tour, hat etwas an sich, das dich innehalten lässt. Während sie uns kurz darauf, in einem extrem sympathischen Interview, Einblicke in ihre Welt gewährt, kleben wir förmlich an den Lippen der 30-Jährigen und fragen uns wieder und wieder, wie man gleichzeitig so smart und hübsch sein kann. Wo bleibt da die Überheblichkeit? Wir konnten sie auf jeden Fall nicht finden. Im Gegenteil. Eine derart verrückte und gleichzeitig bodenständige Person haben wir lange nicht mehr getroffen.

Mette, wie geht es dir?

„Gut. Ich bin sehr beschäftigt. Wir haben zuletzt auf vielen Festivals in ganz Europa gespielt. Außerdem ist unsere neue Single raus und wir haben gerade ein Musikvideo gedreht.“

Während viele andere Leute ihren Urlaub genießen, ist es für uns doch recht stressig zurzeit.

Mette Lindberg by Susanne Erler (1)

Was hast du als Letztes vor diesem Interview beziehungsweise dem heutigen Pressetag, gemacht?

„Ich kam morgens in Berlin an. Ein Taxifahrer holte mich vom Flughafen ab und ungefähr ein oder zwei Kilometer vor unserem Ziel hielten wir an einer Ampel, wo ein anderes Taxi auf unseren Wagen auffuhr. Panik, Panik. Wir stiegen aus. Es war nichts zu sehen, aber der Fahrer rief trotzdem die Polizei, weil es nicht sein Auto war. Ich musste weiter. Der Fahrer sagte mir, dass ich für vier Euro eine Kurzstrecke für den Rest des Weges nehmen könnte. Allerdings hatte ich nur noch drei in meiner Tasche. Also gab er mir einen dazu. Dann ging ich zum nächsten Taxi und wollte einsteigen, aber dort sagte man mir, dass man keine Kurzstrecke fahren würde, woraufhin ich meine Situation erklärte und ich endlich mitgenommen wurde.“ (lacht)

Du konntest Berlin seit deiner Ankunft also noch gar nicht genießen?

„Nein, absolut nicht. Aber nach unserem Gespräch gehe ich mit ein paar Leuten aus, mit denen wir zusammengearbeitet haben.“

Was machst du denn generell gern, wenn du in unserer schönen Hauptstadt bist?

„Hier gibt es viele tolle Geschäfte, wunderbare Kunst und mir gefallen die Stimmungen in den verschiedenen Gegenden. Ich bin gerne sozial und hänge mit anderen ab. Das mag ich! Auch die Nachtclubs sind großartig. Leider habe ich immer nur wenig Zeit, wenn ich hier bin.“

Schauen wir einmal zum Beginn eurer Karriere als The Asteroids Galaxy Tour und dem Debüt „Fruit“ zurück. Was hat sich seit der Veröffentlichung von Hits wie „Around The Bend“ oder „The Golden Age“ für euch verändert?

„Unheimlich viel hat sich verändert. Wir haben etliche Liveshows gespielt und uns an viele Dinge herangewagt. Man wächst mit seinen Visionen. Wenn man etwas Neues will, muss man es ausprobieren. Dann siehst du, ob es zu dir passt oder nicht. Mit der Zeit wirst du sicherer auf der Bühne und kannst besser mit Druck umgehen. Anfangs war ich immer so nervös und jetzt bin ich kaum noch aufzuhalten. Wie ein hyperaktives Kind. (lacht) Was das neue Album angeht, das sich sehr von den vorherigen Platten unterscheidet, haben Lars und ich das Gefühl, dass es tatsächlich unser persönlichstes ist. Nachdem wir lange getourt sind, ödeten wir einander etwas an, weil wir immer zusammen waren. Dadurch gab es ein paar Spannungen.“

Es war schlimm zu merken, dass man sich auf irgendeine Weise nicht mehr leiden konnte.

„Wobei ich weiß, dass das bei vielen Bands mal kommt. Krisen sind dazu da, überwunden zu werden. Also haben wir unserem Ärger Luft gemacht und sind dann noch mal neu gestartet. Wir schauten zurück und wurden uns darüber klar, was wir als Nächstes machen möchten, und dass wir uns die nötige Zeit dafür nehmen würden.“

Ihr habt die Produktion eures neuen Albums komplett über euer eigenes Label namens Hot Bus Records laufen lassen.

„Das Label haben wir schon eine Weile. Das ist ganz lustig, weil wir dadurch natürlich extrem unabhängig waren. Und es ist spannend, völlig auf sich selbst gestellt zu sein. Wir schrieben recht viel. Am Ende war uns klar, dass wir uns wieder von einigen Songs würden verabschieden müssen. ‚My Club‘ war das letzte Stück, das entstand, und wir waren uns einig, dass das der neue Sound sein sollte. Ich selbst singe wesentlich tiefer, die Drums sind sehr abgeschnitten und es gibt viele programmierte Samples. Dafür opferten wir sogar einige potenzielle Hits, die den Hörer sonst kalt erwischt hätten. Ja, ‚My Club‘ sollte der größte Hit sein dürfen und kein anderer Song. Zudem musst du Titel teilweise zehn Jahre lang performen. Da muss man sich schon klar positionieren.“

Bitte beschreib uns „Bring Us Together“ mit deinen eigenen Worten.

„Ich glaube, es ist superfunky, aber nicht auf eine blöde Art. Um ehrlich zu sein, es steckt viel Spaß in den Stücken. ‚Out Of Frequency’ war sehr cineastisch. Es gab fiktive Charaktere, wir experimentieren damals sehr viel mit Klangstrukturen, nur bei der neuen Platte wollten wir lieber unsere eigene Energie transportieren. Es geht um die Suche nach Euphorie und um Geschichten, über die Lars und ich uns unterhalten haben.“

Mette Lindberg by Susanne Erler (2)

Wenn man sich den Titel eurer neuen Platte anschaut, wäre es natürlich spannend zu erfahren, was Lars und dich einst zusammengebracht hat.

„Nun, wir waren zuvor beide in Bands. Lars war bei Nu, die ein Album rausgebracht hatten und teilweise recht erfolgreich gewesen sind. Sie trennten sich dann aber und Lars wollte etwas Anderes machen. Er gründete also ein neues Projekt und suchte eine Sängerin. Ich war damals auch in einer Band und übte mich etwas im Songwriting, zusammen mit ein paar anderen Leuten.“

Wie hieß deine Band?

„Das kann ich nicht sagen. Ihr werdet danach suchen müssen. (lacht) Aber eventuell kennt ihr die dänische Band Quadron? Ich habe damals mit Rob ein wenig herumexperimentiert. Nur findet man keine Soundsamples, weil wir nie etwas veröffentlicht haben. Auf jeden Fall empfahl er mich weiter und so traf ich Lars zum ersten Mal. Es wurde dann aber nichts aus dem Projekt. Jahre später hatte Lars dann die Idee zu The Asteroids Galaxy Tour und rief mich an.“

Kommen wir noch einmal zu eurer Single „My Club“ zurück. Wovon handelt sie?

„Lars und ich finden, dass es den Hörern oft ihre eigenen Ideen nimmt, wenn man zu viel über einen Song spricht. Wenn man sich allerdings mit den Lyrics befasst, merkt man, dass es bei ‚My Club‘ darum geht, von der Liebe überrascht zu werden. Sprich, wenn du dich von der Liebe eigentlich schon verabschiedet hast, es dennoch jemand schafft, deinen Club zu entern. Ja, davon handelt ‚My Club‘. Sich sicher zu sein, dass einem keiner nahekommen wird, dass man immer wieder sagt, man brauche keinen Freund, keine Freundin oder was auch immer, und dann ist jemand aber so hartnäckig, dass er den Weg in dein Innerstes findet und du feststellst, dass alles plötzlich richtig zu sein scheint.“

Lass uns zu guter Letzt noch ein wenig mit deinen Assoziationen spielen. Woran denkst du zuerst, wenn du die folgenden Worte hörst: Universum?

„Einhorn.“

Sonnenlicht?

„Wisst ihr, woran das englische Wort im Dänischen erinnert? Samleje heißt Geschlechtsverkehr!“ (lacht)

Musik?

„Glück.“

Funk?

„Tanzen.“

Liebe?

„Küssen.“

Hass?

„Faust.“

Kreativität?

„Farben.“

Dänemark?

„Nein, nein, nein. (lacht) Ich will das nicht sagen, denn wenn ich ehrlich bin, sah ich die kleine Meerjungfrau vor mir. (lacht) Das ist so touristisch.“

Gut, damit hätten wir deinen ersten Gedanken zu Dänemark eingefangen.

„Können wir einen Strich ziehen? Ich muss etwas Neues finden. Immerhin ist das meine Heimat. Mhm. Ähm. Ich würde Design sagen! Es gibt wunderbare Kunst in Dänemark.“

Vielen Dank für dieses erheiternde Gespräch, Mette.

„Ich habe zu danken.“

Mette Lindberg by Susanne Erler (3)
Fotos © by Susanne Erler