Bouldern in Berlin. Kultcheck: „ostbloc“.

In Berlin, Geheimtipp by Website-Einstellung

Wir haben uns für euch auf den Weg gemacht, um den Trendsport Bouldern und insbesondere die Boulderhalle „ostbloc“ mal für euch auszuchecken. Nach kurzer Desorientierung finden wir die „ostbloc“-Halle endlich auf den zweiten Blick, da diese leicht versteckt am Ufer der Rummelsburger Bucht liegt. Als wir die Halle betreten, begrüßen uns entspannte Reggaeklänge und eine freundliche Atmosphäre. Am Tresen treffen wir wie verabredet auf Lutz, der sich Zeit für unser kleines Interview nimmt und uns anschließend die Essentials des Boulderns erklärt. Nach zwei kurzen Fallübungen, schmeißen wir uns ins Kletter-Outfit und dann ran an die Wand. Ein bisschen eingeschüchtert starten wir mit den gelben Anfängerrouten. Wie war das – also immer mit dem ersten Trackstein starten und dann einfach der Route nach, bis man oben in 3-4 Metern Höhe anschlägt und dann (wie Lutz meinte) „sich einfach fallen lassen“, aaaah ja. Das mit dem „ganz entspannt fallen lassen“ aus vier Metern Höhe finde ich (als menschlicher Halbzwerg) im aktiven Kletter-Prozess dann aber doch nicht ganz so „eeeeeasy“ (vier Meter können verdammt hoch sein!) und kletter sicherheitshalber lieber wieder ein Stück tiefer, bevor ich mich erleichtert in die Matte plumpsen lasse. Erste Route erfolgreich geschafft – check! Voll motiviert stürzen wir uns in weitere 12-15 Anfängertracks und umkreisen die Halle, bis wir dann doch an den schrägen Kletter-Wänden an unsere Anfängergrenzen stoßen und die Muskulatur den weiteren Dienst verweigert. Kurzer Balanceakt noch auf der Slackline und dann umfallen und einfach chillen. Das kann man da neben dem Hauptaugenmerk dem Bouldern nämlich auch verdammt gut.  Unbekümmert zu nicer Musik mit entspannten Mitboulderern auf der Indoor-Terasse mit Spreeblick rumhängen, quatschen und sich an der Bar ne Mate gönnen. Perfekt.

Von daher unser Fazit:  sehr schöne Halle mit vielen Tracks für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis, nette Betreiber, tolle Atmosphäre und ein Sport der sehr viel Spaß bringt. Von daher traut euch, denn bis auf den anschließenden Muskelkater (und ich hatte ihn in Partien, wo ich niemals im Leben auch nur Muskeln vermutet hätte) gibt es absolut nichts zu bereuen!

Hier jetzt noch unser kleines Interview mit Lutz Schneider, einem der Betreiber des „ostblocs“, und darunter alle weiteren Infos zur Halle.

Hallo Lutz, wie seid ihr eigentlich auf den Namen „ostbloc“ für eure Boulderhalle gekommen?

„Bloc“ wird ja bei uns mit c geschrieben und „bloc“ ist im französischen und englischen das Synonym für Felsblock, und das steht dann sozusagen assoziativ für das Klettern bzw. Bouldern. Und der zweite Teil des Namens begründet sich daraus, dass wir eine Kletterhalle im Osten Berlins sind. Tja, daraus ergab sich dann die namentliche Kombination aus Inhalt (Felsblock/Klettern) und Lage (Ost) der Einrichtung. Aber uns ist auch schon aufgefallen, dass der Name von vielen auch politisch kokettierend aufgefasst wird (lacht).

Die Halle gibt es ja mittlerweile seit ca. einem Jahr. Wie seid ihr auf die Idee gekommen dieses Projekt zu starten?

Also, Jakob und ich sind die beiden Betreiber hier und selber seit Jahren aktive Boulderer. Außerdem haben wir in Leipzig auch schon eine Kletterhalle ins Leben gerufen. Dort haben wir gemerkt, wie aus diesem klassischen Boulder-Klientel plötzlich ein Anfänger-Klientel wurde. Sprich die Leute sind nicht mehr über das Klettern zum Bouldern gekommen, sondern vom Bouldern zum Klettern. Die Einstiegsschwelle beim Bouldern ist nämlich sehr niedrig. Und wir wollten eine Boulderhalle in Berlin gründen, die jedem das einfache Klettern ermöglicht.

Wenn wir schon dabei sind, wo liegt denn nun der genaue Unterschied zwischen Bouldern und Klettern?

Also für mich ist das Bouldern die Reduktion auf das Wesentliche beim Klettern. So ähnlich, wie das Klettern vom alpinen Bergsteigen oder Wandern herkommt, kommt das Bouldern letztendlich vom Klettern. Man reduziert beim Bouldern so unter anderem das Seil weg, die Karabiner weg und die ganzen Zwischensicherungen und hält das alles in einem Rahmen, wo man im Prinzip nur noch Schuhe braucht, um sofort los zu starten. Das Bewegungserlebnis pur sozusagen.

Bei euch geht es also ums reduzierte Klettern für jedermann. Was zeichnet die „ostbloc“-Halle als Boulderhalle denn besonders aus?

Das Besondere bei uns ist, dass man sehr lange und auch verschiedene Boulderstrecken hat, so dass man sozusagen fast schon den Übergang vom Bouldern zum Routenklettern schafft. Und ganz klar die Helligkeit und Größe der Halle und natürlich die Musik, die eigentlich immer läuft (lacht).

Das Stichwort Musik passt ja auch gut zu Kultmucke. Abschließend, was würdest du Leuten mit auf den Weg geben, die nach dem Lesen dieses Artikels Lust haben das auch mal auszuprobieren. Drei Gründe sozusagen die für das Bouldern sprechen?

Man sollte das ausprobieren, weil es erstens wirklich ein Bewegungserlebnis ist, man bricht aus dem alltäglichen Bewegungsabläufen sozusagen einfach mal aus. Es wirkt nach außen auf den ersten Blick jetzt vielleicht nicht so attraktiv, wie zum Beispiel Wellenreiten, Bouldern bzw. Klettern ist eher ein Prozess der innerlich wirkt. Ansonsten bringt Bouldern ein gutes Körpergefühl und macht einfach glücklich – wie jede Bewegung irgendwie (lacht). Man braucht da also eigentlich keine Angst zu haben, einfach ausprobieren. Und wie gesagt, die Einstiegsschwelle ist viel geringer, als beim Routenklettern. Man muss keine Knotentechniken oder Sicherungstechniken können, man muss nur Runterspringen können und das müssten wir eigentlich alle noch aus unserer Kindheit vom Spielplatz oder auf Bäume Klettern herkennen, oder (lacht)? Aber bei manchen ist es dann wohl doch schon ein bisschen länger her.

Vielen lieben Dank Lutz.

 

Kurz & Knapp zum „ostbloc“

 

Lage: Hauptstrasse 13, 10317 Berlin, Rummelsburger Bucht

Öffnungszeiten: täglich 10-23 Uhr

Preise: Tageskarte ab 5,50 Euro

Weitere Informationen zu den Preisen, Kursen und zur Halle unter:

http://ostbloc.de/