Im Bühnennebel: Cold Specks live

In Berlin by Martin

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Im Sommer des letzten Jahres trafen wir Al Spx alias Cold Specks zum Interview im Büro ihres Labels Mute Records. Schon damals waren wir ganz berauscht von der glühenden Aura, die die Toronto geborene Songwriterin umgibt. Am Freitag, den 23.01.2015, sollte sich dieser Eindruck erneut bestätigen, nein, geradezu ins Unermessliche steigern.

Das Bi Nuu ist gut gefüllt, als der Supportact Still Parade die Bühne betritt. Das Trio versetzt das Publikum kurzerhand in einen Schwebezustand, der jedoch mit Erklingen der ersten Gitarrenriffs von Cold Specks Kompositionen seine Auflösung erfährt. Während die farbige Schönheit ihren Doom Soul heraufbeschwört, als wäre sie eine Voodoo-Priesterin, die einen mysteriösen Zauber praktiziert, beginnen die Konzertbesucher im diabolischen Takt mit ihren Füßen zu stampfen. Derweil erklingen Stücke wie das flackernde „Bodies at Bay“ und seine zahlreichen düsteren Geschwister, die Namen wie „Absisto“ oder „A Formal Invitation“ tragen. „Ich habe versucht für mein neues Album Liebes- und Popsongs zu schreiben“, gibt Al mit einem Lächeln zu verstehen und fügt hinzu: „Das hat wohl nicht funktioniert“. Stattdessen wirken die Stücke von „Neuroplasticity“ wie schrille Grabeshymnen – entfesselt und aufbegehrend. Sie stehen dabei in starkem Kontrast zu den wesentlich akustischeren Songs des Debüts „I Predict a Graceful Expulsion“ und den kurzen Acapella-Einlagen, die Cold Specks regelmäßig in ihr Set einstreut. Als dann auch noch ihr Cover von Nick Caves „We No Who U R“ erklingt, jubelt die Menge auf und feiert frenetisch die Heldin des Abends.

Fotos © by Christine Burkart