Proteste formieren sich gegen den geplanten Google Campus Kreuzberg

Der Protest rund um den Google Campus Kreuzberg

In Berlin by Joseph

Google plant schon seit einiger Zeit einen Campus an der Ohlauer Straße, im Herzen Kreuzbergs zu errichten. Dort sollen nicht nur Büros für Google-Angestellte, sondern auch Räumlichkeiten für junge Start Ups entstehen. Doch nicht jedem passt eine Zweigstelle des Tech-Giganten vor der eigenen Haustür. Unter den Anwohner formiert sich Widerstand.

Wer durch Kreuzberg läuft, kann an vielen Hauswänden ein aufgesprühtes „Fuck Off Google“ lesen. Viele Anwohner halten die Pläne des Suchmaschinenkonzerns für eine existenzielle Bedrohung. Der lokale, anarchistische Buchladen Kalabal! K veranstaltet sogar zweimal im Monat das „Anti-Google-Café„, wo sich Gegner des Campus vernetzen und austauschen können. Doch was treibt die Anwohner an? Was unterscheidet Berlin von Städten wie London, Warschau oder Tel Aviv, in denen Google seine Campus-Pläne, ohne nennenswerten Widerstand realisieren konnte?

Anwohner fürchten Verdrängung aus ihrem Kiez

Nun, zum einen gilt Kreuzberg zwar als junger, urbaner, einzigartiger Stadtteil, wovon natürlich auch Google profitieren möchte, zum anderen ist aber auch die politische Linke sehr aktiv und gut vernetzt. Verschiedenste Gruppierungen protestieren, mal mehr mal weniger autonom, gegen den geplanten Campus. Auch die Beweggründe der Protestierenden sind unterschiedlich. Die einen fürchten steigende Mieten, in dem sowieso schon von hohen Mietpreisen gebeuteltem Bezirk und warnen vor Zuständen wie im Silicon Valley. Dort sind aufgrund der Ansiedlung von namhaften Tech-Konzernen die Mieten exorbitant gestiegen. Der Teil von San Francisco gilt mittlerweile als einer der teuersten Orte der Welt. Das Räumlichkeiten nur über eine relativ kurze Zeitspanne genutzt werden, liegt in der Natur von Start Ups. Das irgendwann entweder die Pleite oder Expansion im Raum steht, freut vor allem Vermieter. Denn die können nach Auszug oder Insolvenz des Unternehmens die Räumlichkeiten wieder mit einem saftigen Aufschlag an die nächsten Gründer vermieten, so die Sorge vieler Anwohner. Die Folge: eine konstant steigende Preisspirale.

Protest gegen „Daten-Kapitalismus“

Andere hingegen befürchten, dass der Konzern seine Macht nutzt um mehr Nutzerdaten zu erheben. In der Vergangenheit hat Google beispielsweise dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst NSA dabei geholfen, massenweise Daten zu sammeln und auszuwerten. Doch nicht nur Google steht hier in der Kritik. Auch Konzernen wie Facebook, Apple oder Plantir wird vorgeworfen durch die massenhafte Erhebung von Nutzerdaten maßgeblich unser Zusammenleben mitzugestalten und zu kontrollieren. Ein Gegenvorschlag ist die dezentrale Speicherung von Nutzerdaten. Berechtigte Kritik, denn ein immer höherer Prozentsatz an Daten wird von einer Hand voll Unternehmen verarbeitet. Ein ebenfalls oft genannter Kritikpunkt: Konzerne wie Google vermeiden Steuern in Deutschland, indem Geld solange hin- und hergeschoben wird, bis nur noch ein Bruchteil davon versteuert werden muss. Länder wie Frankreich und Großbritannien gehen mittlerweile dagegen vor, Deutschland hinkt hinterher.

Google beschwört „Diversity“

Rowan Barnett ist der deutsche Chef von Googles Start Up Sparte. Er wirbt für das Projekt Google Campus Kreuzberg und fordert mehr Diversität in der Gründerszene. Larry Page und Sergey Brin haben Google vor 20 Jahren in einer Garage gegründet und wissen daher wie schwer es ist, ein Unternehmen aufzubauen. Darum will der Konzern Gründer nun mit Räumlichkeiten und einem Raum zum Netzwerken unterstützen. Außerdem wirbt der Start Up Stratege für Programme, die Mut zur Unternehmensgründung geben sollen. In Australien beispielsweise, fördert der Konzern weibliche Gründerinnen, in den USA eine Organisation für latein- und afroamerikanische Entwickler. Auch für Berlin ist Ähnliches geplant: Google möchte Start Ups für Bevölkerungsgruppen wie Eltern, Flüchtlinge oder Schulkinder attraktiver machen. Zudem sollen mehr Frauen und gescheiterte Unternehme für die eigenen Firmengründung begeistert werden.

Google Campus Kreuzberg wird Ende 2018 eröffnet

Der Google Chef in Deutschland unterstreicht im Rahmen seines Auftritts auf der Heureka Conference im Berliner Admiralspalast immer wieder die Vorteile, die durch das Programm „Google for Entrepreneurs“ geschaffen werden. So konnten global bereits 44.000 Arbeitsplätze geschaffen und über 5,5 Millionen Dollar an Risikokapital gesammelt werden. Auf die Frage, was Google davon hätte, antwortet er nonchalant: Das gute Gefühl etwas zurückzugeben. Barnett hat auch eine Nachricht für die Gegner des Projekts: Eine strenge Trennung von Gesellschaft und Tech-Gemeinde sei nicht im Sinne von Google. Vielmehr wolle man der lokalen Community die Möglichkeit geben, die Start Up-Welt kennenzulernen und sich einzubringen. Ob das einem Anwohner, der bei steigenden Mietpreisen nicht mehr mithalten kann noch etwas bringt, bleibt hingegen fraglich. Sicher ist mittlerweile, dass der Google  Standort Kreuzberg schon im Herbst 2018 in Betrieb genommen werden soll.

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