Kultverdächtig: Die Outlanders

In Musik by Martin

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Berlin ist eine bunte Stadt. Eine Stadt, in der man vom Heavy-Metall-Schuppen bis zum Schlagerzelt fast alles finden kann, was das Musikherz begehrt. Über den Dächern, in den Kellern oder auf der Sraße – der auditive Puls der Metropole kommt nie wirklich zur Ruhe. Adir O Ohayon und Gilad Gili Reichental alias Die Outlanders sind nur einer der Gründe dafür.

Integration mal anders

die-outlanders-2Was bedeutet Musik für euch?

Adir: Musik ist der pure Eskapismus. Ein Zufluchtsort.

Gilad: Musik ist für mich die eine Sache, mit der ich, selbst wenn ich genug von ihr habe, nicht aufhören kann. Sie ist meine Nahrung.

Adir (31) und Gilad (41) trennen zehn Jahre von einander. Dass dieser nicht unwesentliche Altersunterschied jedoch keinerlei Einfluss auf ihre akustische Kompatibilität zu haben scheint, wird deutlich, wenn sie zu ihren Instrumenten greifen. Die Outlanders nennt sich Adirs und Gilads Herzensprojekt. Nachdem die beiden Israelis schon in ihrer Heimat zusammen in einer Band gespielt hatten, trafen sie sich schließlich in einem ganz anderen kulturellen Schmelztigel wieder.

Adir: “Ich kam der Musik wegen nach Berlin. Und weil ich eine Veränderung in meinem Leben brauchte.”

Gilad war es nicht anders ergangen. Auch er hatte seine sieben Sachen gepackt, um in Berlin neue Perspektiven zu suchen. Als Adir dann ebenfalls an den Ufern der Spree auftauchte, war es nur noch eine Sache der Zeit, bis sie die ersten gemeinsamen Songs schrieben.

“Erst wollten wir nur ein paar Cover spielen, doch aus dieser Session erwuchsen schließlich erste eigene Titel. Uns gefiel, wie wir klangen und wir entschieden uns, es als Duo zu probieren.”

Fehlt euch Israel manchmal?

Gilad: “Mir fehlen nur Leute und das Meer. Wobei die meisten Leute nach Berlin kommen. Das Meer hingegen nicht.”

Adir: “Mir fehlen meine Familie und Freunde.”

Ausländer. Genau das waren und sind Adir und Gilad fern der eigenen Herkunft. Da sich diese Tatsache auch nicht verleugnen lässt, machten die beiden Musiker sie kurzerhand zu ihrem Markenzeichen. Der Bandname Die Outlanders stammt dabei von einem Freund des Duos, dessen Talent für Doppeldeutigkeiten noch zu überprüfen wäre.

Gab es bisher irgendwelche Probleme oder lustige Zwischenfälle, wenn jemand euren Bandnamen auszusprechen versuchten?

Adir: “Ab und zu machen Leute Fehler. Wir vergeben ihnen allen.”

Sich in Berlin zuhause zu fühlen, ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Das bekamen auch Die Outlanders zu spüren. Nun gilt der Berliner per se auch nicht gerade als herzlich und umgänglich. Dennoch fließt aber eine gewissene Aufgeschlossenheit durch seinen Kopf und er weiß es, über den eigenen Tellerrand zu blicken.

Was habt ihr getan, um euch zu integrieren?

Adir: “Ich trinke nur Berliner und lerne Deutsch.”

Gilad: “Ich habe eine deutsche Freundin.”

Alkohol und Frauen – wenn das mal keine kreativen Mittel sind, um zur Völkerverständigung beizutragen. Doch Die Outlanders haben noch eine weitere Strategie entwickelt, sich bei verschiedensten Ethnien beliebt zu machen. Und zwar mit ihren Songs, die es durchaus mit Werken von Grizzly Bear oder auch Incubus aufnehmen können, was Rafinesse und textliches Feingespür betrifft. Ungeschliffen und rau haben Die Outlanders so eine fast schon verloren geglaubte Nische neu besetzten können: Den Alternative Rock. Ihr Debüt “Tomorrow” lässt sich in Gänze auf dem Soundcloud-Profil der Band finden.

Wir wollen, dass unsere Musik so viele Leute wie möglich erreicht. Wohlhabend können wir später noch werden.

Wie entstand “Tomorrow”?

Gilad: “Wir fanden da dieses kleine, nette, warme Studio mit einem echt tollen Kerl, der unsere Musik liebte. Die Rede ist von Giulio Gola und dem Legato Sound Studio. Alles ging sehr schnell. Die Songs gab es schon und wir spielten sie mit ordentlich Feuer ein, sodass es nur drei Tage dauerte.”

Adir: “Jeder Song ist verschieden. Es geht ums Alleinsein, Liebe, Beziehungen, Abhängigkeit und das Leben an sich. Es ist ein persönliches Album, weil es von meinen eigenen Erfahrungen erzählt. Mein Lieblingstrack ist ‘Hanging On’.”

Mal hart, mal zart. “Tomorrow” weiß sich in einem Kontinuum zu bewegen und verschiedenste Stimmungen zu bedienen. Anstatt die elf Songs tot zu produzieren, entschieden sich Gilad und Adir, sie relativ unbearbeitet zu lassen. Als handele es sich dabei um Skulpturen aus grob beschlagenem Stein.

Es fühlt sich an, als seien wir eine Oldschoolband.

Lena and Nir - the wedding

Was darf man denn als Nächstes von euch erwarten?

Gilad: “Wir arbeiten an neuen Songs, einem Videoclip und einer Wintertournee.”

Last but not least sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch Die Outlanders – wie all ihre Kollegen vor ihnen – ein exklusives Cover für unsere Kultverdächtig-Playlist aufgenommen haben. Dabei wagten sich Adir und Gilad an eine Hinterlassenschaft des King of Pops höchstpersönlich: Michael Jacksons “Beat It”.

Gilad: “Wir lieben diesen Song, die Art, wie wir ihn spielen, und wie das für uns funktioniert.”

Wie war es, “Beat It” aufzunehmen?

Gilad: “Es ging alles schnell und war sehr auf den Punkt. Idan Altman hat unsere Energie wunderbar eingefangen. Außerdem waren noch viele weitere Leute mit im Raum. Das tat gut.”

Gewinnspiel

Um eins von zwei CD-Exemplaren von Die Outlanders “Tomorrow” zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff “Die Outlanders” an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist der Montag, der 10.10.2016. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

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