Kultverdächtig: Duke & Sara

In Musik by Martin

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In einer Zeit, in der die Technisierung zum Motor unserer Gesellschaft geworden zu sein scheint, sehnen wir uns nur allzu oft nach etwas Greifbarem, Durchschaubarem, Ehrlichem. Was gibt es Authentischeres als einen Musiker mit seiner Gitarre in der Hand? „Kultverdächtig“, die Rubrik für akustische Erscheinungen fern des Massengeschmacks, widmet seinen heutigen Beitrag einem Paradebeispiel für die Aufrichtigkeit handgemachter Melodien, welche ganz ohne große Effekte auskommen. Vor eineinhalb Jahren schrieb Kultmucke zum ersten Mal einen Artikel über sie, kurz darauf spielten sie auf einem der beliebten Wohnzimmerkonzerte, im letzten Sommer beehrten sie das Publikum des Hipster Cups mit einem ihrer Auftritte, nun werden sie Teil der stetig wachsenden „Kultverdächtig“-Familie: Die Saitenstreichler Duke & Sara.

Manchmal ist Weniger mehr

Duke & Sara Paul FrauscherWas bedeutet Musik für euch?

Musik ist Entspannung und ein wichtiger Zufluchtsort für uns. Musik ist gleichzeitig aber auch harte Arbeit, die jedoch unglaublich viel Spaß macht. Musik ist eine Leidenschaft, die manchmal Leiden schafft, weil sie einem dann in die Quere kommt, wenn man doch lieber ‚was Gescheites‘ tun sollte.

Musik scheint allem voran ihr Leben zu sein. Duke und Sara lernen sich vor Jahren in der Schule kennen. Sara besucht mit viel Enthusiasmus eine Musik-AG, in die auch der zugezogene Duke, der seine Kindheit ganz ohne großen auditiven Input in Vietnam verbrachte, einsteigt. Man versteht sich eher schlecht als recht. Als das Projekt zunehmend den Bach runtergeht, stellen die beiden Teenager erstaunt fest, dass gerade sie es sind, die auf klanglicher Ebene nahezu perfekt miteinander auskommen. Man entschließt sich gemeinsam an ersten Songs zu werkeln. Bevorzugt direkt nach dem Matheunterricht. Nebenbei hören sich Duke & Sara einmal quer durch die Popgeschichte und teilen hier und da ihre Begeisterung für Songs wie Nelly Furtados „Say It Right“. Genau dieses Stück ist es auch, das Duke & Sara für unsere Coverplaylist eingespielt haben.

„Das Lied ist so simpel gehalten und trotzdem sehr besonders.“

Behutsam schicken Duke & Sara Nelly Furtados Hitsingle auf eine verträumte Reise. Abgespeckt und in seiner Essenz badend verwandelt sich „Say It Right“ vom plakativen Gemälde zur feingliedrigen Bleistiftzeichnung. „Simplicity is all we need in times of complexity“, lautet der Wahlspruch des Duos und dieser wird gleichzeitig zur allumgreifenden Maxime. Zwei Gitarren und der Gesang der 20-jährigen Sara – das sind die Zutaten ihres Erfolgsrezepts. Schlicht, einfach und doch enorm aussagekräftig. Ihre Inspiration finden die beiden Studenten, die aktuell 400 Kilometer trennen, meist in der Flüchtigkeit des Moments.

All die Geräusche, die wir um uns herum wahrnehmen, sei es das Rauschen der Autobahn oder einfach nur die Stille, beeinflussen uns sicherlich, ohne dass wir es bewusst mitkriegen.

Was ist denn nun aber als Resultat der zahlreichen Freistunden zu verzeichnen, die Duke & Sara mit dem Improvisieren von Gitarrenriffs und dem Schreiben von Songlyrics zubrachten? Zum einen die bewusste Entscheidung, auch nach dem Abitur noch gemeinschaftlich in den Proberaum, genauer gesagt Dukes Kinderzimmer,  zu gehen.

„Es ist sehr schwierig, jemanden zu finden, der musikalisch auf der gleichen Wellenlänge ist wie du. Meistens hat man ganz andere Vorstellungen von Musik und es war der größte Zufall, dass wir uns über den Weg gelaufen sind. Sonst hätten wir die Musik wahrscheinlich schon aufgegeben beziehungsweise sehr vernachlässigt.“

Zum anderen entstanden seit September 2011 insgesamt neun feinfühlige Stücke, die allesamt auf dem Soundcloud-Profil von Duke & Sara zu finden sind.

„Songs zu schreiben ist sehr faszinierend, aber auch anspruchsvoll. Das wird oft unterbewertet. Wir stellen uns immer Folgendes vor. Man presst eine Orange ganz mühselig zusammen und kriegt dabei am Ende einen kleinen Tropfen Saft heraus. Das ist Songwriting.“

Wieso habt ihr euch ausgerechnet für Soundcloud entschieden, um dort eure Songs zu veröffentlichen?

„Hätten wir unsere Songs vor fünf Jahren herausgebracht, hätten wir das bei Myspace getan. Soundcloud ist das neue Myspace und jeder kennt es. Aber es gibt bestimmt nur wenige Menschen, die dort explizit nach neuer Musik forschen. Vielmehr dient Soundcloud als Plattform, auf der man unsere Musik finden kann, wenn man eben danach sucht.“

„Kultverdächtig“ hat gesucht und Großartiges gefunden.

Dass die Kings Of Convenience zu den Vorbildern von Duke & Sara zählen, macht nicht nur der Song „Small Town“ deutlich. Immer wieder fühlt man sich als Hörer an die wunderbaren Klangkonstrukte von Eirik Glambæk Bøe und Erlend Øye erinnert, wenn man Stücken wie dem melancholischen „Hunters“, „Ready To Leave“ oder „Nature“, das die magischen Kräfte der unbändigen Natur feiert, lauscht. Aber auch andere Künstler haben ihre Spuren in den Tondichtungen von Duke & Sara hinterlassen.

„Wir verheimlichen ungern, dass wir Vorbilder haben, die uns prägen. Duke ist ein großer Fan der Kings of Convenience und Sara von Ben Howard. Zudem waren wir auch mal zusammen auf einem Konzert von Lucy Rose. Sie schreibt phänomenale Songs. Ansonsten hören wir teilweise auch recht unterschiedliche Musik aus den verschiedensten Genres.“

Worauf achtet ihr denn bei den Tracks eurer Kollegen?

„Auf die Struktur der Songs und vor allem auf die Übergänge, weil diese für unsere Musik auch eine bedeutende Rolle spielen. Texte sind natürlich ebenfalls wichtig.“

Duke & Saras eigene Songs zeichnen sich durch interessante Wendungen und kleine akustische Verspieltheiten aus. Dementsprechend ist ein Lied wie „Gone Off To New York“, das von einem jungen Bäcker erzählt, dessen Liebe nach New York entschwindet, um dort einen reichen Mann zu ehelichen, in seinem Verlauf kaum vorhersehbar. So schlicht das Gewand auch sein möge, im richtigen Licht betrachtet, erstrahlt es wie kein zweites. Gleiches gilt auch für „Fire In My Heart“.

Wovon handelt das Stück?

Von Leidenschaft, Feuer und intensiven Wahrnehmungen aus dem Alltag. Dem Gefühl, wenn der Kopf pocht.

Zahlreiche Clubs suchten Duke & Sara seit ihrer Gründung auf. Sie scheuten dabei weder Open Stages, noch Bandwettbewerbe. Nachwuchstalente haben es heutzutage nicht wirklich leicht. Zu viele Konkurrenten streiten sich um die Gunst des Publikums. Jeder will anders, besser oder einfallsreicher sein als seine Nebenbohler.

Wie behauptet man sich aus eurer Sicht als junger Musiker in der überfluteten Branchenlandschaft?

„Wir haben die Zauberformel dafür noch nicht raus. In Großstädten wie Berlin ist es sehr, sehr schwierig, sich als Newcomer zu etablieren. Klar gibt es Netzwerke und Möglichkeiten, Gigs zu spielen. Doch trotzdem kennen uns zu wenige Menschen. Vor allem, wenn man aus der Acoustic-Szene kommt, ist es noch einen Tick schwieriger, weil die Menschen so fixiert auf Electro, House oder Dubstep sind. Die Musik muss immer laut und größenwahnsinnig sein, um gehört zu werden.“

Duke & Sara by Theodor Moldt (2)

Nun heißt es, abzuwarten und Tee zu trinken. Wann Duke & Sara mit einem Debütalbum um die Ecke kommen werden, steht aktuell noch in den Sternen. Schließlich finanzieren sich die notwendigen Aufnahmen nicht von selbst. Songs, die es auf ein potenzielles Erstlingswerk schaffen könnten, gäbe es allerdings schon ein paar, beteuert das Duo. Kultmucke wird in jedem Fall die Ohren gespitzt halten und bis dahin versüßen wir uns die lauen Sommernächte mit Tracks wie „Betty, The Cow (Der Lagerfeuersong)“, das den skurrilen Wesen auf diesem Planeten gewidmet ist.

Was verbindet ihr ganz persönlich mit Kultmucke?

Sehr gute Rezensionen über Newcomer und Alteingessene aus der Musikwelt. Hart arbeitende, musikbegeisterte Menschen hinter den Kulissen. Und Vertrautheit sowie Freundschaft.

Kultverdächtig

Wer die leiseren, besinnlicheren Töne nicht fürchtet, also jene, die noch Raum für Gedanken lassen, anstatt mit voller Wucht auf die Pauke zu hauen, der sollte sich einmal näher mit Duke & Sara beschäftigen. Manchmal ist Weniger mehr und mehr bedeutet in diesem Fall die gekonnte Inszenierung von einfallsreichen Harmonien. Stets auf den Punkt und ohne Geschnörkel.

Gewinnspiel

Was verlost man, wenn eine Band noch keine haptische Veröffentlichung vorzuweisen hat? Nun, man fragt, ob sie eventuell eine herstellen würden. Gewinnt nun also eine von zwei handgefertigten CDs, die alle bisher erschienenen Songs von Duke & Sara enthalten. Zudem legen wir noch einen mit der Maxime des Duos bedruckten Beutel als Hauptpreis obendrauf. Mitmachen funktioniert wie folgt. Schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Duke & Sara“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist der kommende Mittwoch, der 11.06.2014. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich!

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Soundcloud-Profil von Duke & Sara