Nach Englisch nun wieder auf Färöisch: Eivørs neues Album „Slør“

In Musikby Martin

Im Februar veröffentlichte die von den Färöer Inseln stammende Musikerin Eivør ihr treibendes Album „Bridges“, das mit seinen szenischen Arrangements und weitläufigen Melodien hervorragend zum kalten Winter passte. Doch damit nicht genug. Nur wenige Monate später erscheint nun bereits eine Nachfolgeplatte namens „Slør“ – und die ist stürmisch wie der Herbst.

Laut Eivør Pálsdóttir gehören „Bridges“ und „Slør“ untrennbar zusammen. Das begründet auch ihre Entscheidung, beide LPs im selben Jahr auf den Markt zu bringen. Auch wenn dieses Vorhaben an zahlreiche Kräfte zehrende Monate geknüpft war, kann Eivør nun zufrieden auf zwei recht unterschiedliche und doch aus einer Feder stammende Zwillingsalben zurückblicken.
Wo „Bridges“ noch mit zarten Linien und klassischen Songwriterstrukturen überzeugte, wirbelt „Slør“ gehörig Sand auf und opfert die Wärme spendende Atmosphäre seines Vorgängers zugunsten einer energiegeladenen, kühlen Synthie-Ästhetik. Songs wie das von tiefen Beats bestimmte „Salt“, das eiserne „Silvitni“ oder das fast schon dämonisch fauchende „Í Tokuni“ klingen rebellisch und wenig biegsam, wohingegen „Brotin“ und „Mjørkaflókar“ einen Tanz in Richtung Eighties-Pop wagen. Eivør selbst attestiert „Slør“ den unbedingten Drang nach Freiheit. Bei den Hörern dürften jedoch neben der akustischen Inszenierung vor allem die färöischen Lyrics für Staunen sorgen – bekommt man diese Sprache schließlich kaum zu hören. Und doch ist es genau jene Mundart, die dem Album einen ganz besonderen, verwunschenen Charme und der Ballade „Petti Fyri Petti“ die Macht verleiht, eine Gänsehautwelle nach der nächsten anzustoßen.

Steckbrief

Künstler: Eivør

Platte: Slør

Musiklabel: Tutl / Cargo Records

Veröffentlichung: 16.10.2015

Mucke:  Synthie Pop, Dreampop, Folk, Electronica, Singer Songwriter

Hitverdächtig: „Brotin“, „Røttu Skógvarnir“, „Silvitni“

Klingt nach: Tänzelnden Nordlichtern, die sämtliche Facetten des Farbspektrums in sich vereinen. Hinzukommt die Einzigartigkeit der Färöischen Sprache, die dank Eivør um die ganze Welt getragen wird.

Kult: Eivør macht sich für das Erbe ihrer Heimat stark und schafft es, dieses in das 21. Jahrhundert zu überführen sowie in einen modernen, popkulturellen Kontext zu setzen. Das verdient Anerkennung.

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