Kultverdächtig: Farao

In Musik by Gastautor

Es sind meist kleine, herabstürzende Kieselsteinchen, die eine Lawine in den Bergen ankündigen, noch lange bevor sie mit voller Wucht über die Abhänge rollt. „Kultverdächtig“ hat sich auf Spurensuche gemacht und ist dafür in ein undurchdringliches Klangmassiv gereist. In voller Montur und angetrieben von einem unstillbaren musikalischen Wissensdurst, bestiegen wir die höchsten Felsen und hangelten uns entlang der steilsten Abgründe, um dort nach Zeichen und Hinweisen zu suchen, die uns das nächste Popphänomen offenbaren, welches schon bald Scharen begeisterter Hörer mit seinem einzigartigen Sound überschütten wird: Sirene Farao.

Ein Schimmer heller Melancholie

FaraoPicWas bedeutet Musik für dich?

Musik ist mein Weg, mit den Dingen umzugehen, die in meinem Leben passieren. Ich glaube, man kann sagen, dass Songs zu schreiben eine Therapie darstellt. Unerwünschte Emotionen versuche ich dabei loszuwerden, indem ich sie in meine Lieder einschließe.

Einem Freund ist es zu verdanken, dass die Norwegerin Kari Jahnsen im Alter von 14 Jahren ernsthaft zur Musik fand. Dieser entführte sie damals in die Welt der Punk- und Rockmusik. Einmal dort angekommen war die junge Kari derartig fasziniert, dass in ihr umgehend der Wunsch, ja beinahe schon das Verlangen aufkam, die eigenen Gefühle und Gedanken selbst auch mithilfe von Harmonien und Klängen ausdrücken zu wollen. Zwei Jahre später saß Kari dann eifrig über ihre erste Gitarre gebeugt und übte bis zur Erschöpfung den Vorgang, wie die Finger über die Saiten des Instruments gleiten müssen, damit diesem eine Reihe schöner Töne entlockt werden kann. In Verbindung mit ihrer fragilen und doch auch sehr beständigen Stimme entwickelte sich schließlich ein magisches Zusammenspiel, das unter dem Namen Farao nun der Perfektion entgegenstrebt. Auch das eigens für Kultmucke eingespielte Cover von Hannah Cohens „The Crying Game“ zeugt von der unbändigen Leidenschaft, mit der Farao ans Werk geht.

„Vor einiger Zeit war der Song Teil meines Livesets und ich dachte mir, dass es ein guter Track wäre, um ihn für euch aufzunehmen. Ich liebe ihn und wollte eben ein Stück covern, das mir etwas bedeutet.“

Hast du vor deiner Solo-Karriere schon in anderen Bands gespielt?

„Ja, ich habe in etlichen Gruppen gespielt. Zu viele, um sie jetzt hier aufzulisten, doch es gibt einige, in denen ich auch jetzt neben meinem Soloprojekt Farao involviert bin. Ich bin Drummer und singe in einer Formation namens Hella Better Dancer, einer großartigen Indieband mit feurigen Gitarren und Anhäufungen weiblicher Wohlklänge. Zudem spiele ich Bass und singe in der Band meiner Mitbewohnerin Anna Lena & The Orchids. Sie ist so talentiert und ich bin sehr froh, sie in meiner eigenen Liveband zu haben.“

Das intensive Songwriting von Farao spricht für sich selbst. Es spricht eine Sprache, die so wunderschön und einzigartig ist, dass sie direkt unter die Haut geht und dort behutsam ein jedes Härchen aufstellt, sodass der Zuhörer innerhalb des Hauches einer Sekunde von einem leichten, angenehm warmen Schauer überzogen wird. Eingehüllt in einen Kokon aus leichtfüßiger Melancholie beginnt die Gedankenflucht in ein Spiegelkabinett aus Schall und Resonanz.

Wie definierst du Schönheit?

Ich denke bei Schönheit geht es darum, einmalig zu sein.

Man kann sich nur allzu gut verlieren innerhalb der Songs von Farao. So ist es nicht verwunderlich, dass man in ihrer aktuellen Heimat, der britischen Hauptstadt London, schnell auf die brünette Songwriterin aufmerksam wurde. Ihr Song „Forces“ schaffte es, sich in den Köpfen einiger wichtiger Leute derartig festzusetzen, dass diese die entscheidenden Hebel betätigen, um das oft verschlossene Tor des Musikbusiness langsam für Kari Jahnsen langsam zu öffnen. Dahinter leuchtete ein Gold schimmernder Weg vor ihr auf, der sie zwar nicht in die sagenumwobene Stadt Oz, dafür aber direkt in die Arme von Mike Lindsay führte. Der Mitbegründer der Band Tunng lud das aufstrebende Talent ein, mit ihm zusammen weitere Songs in Reykjavik aufzunehmen. Dabei ließen sich die beiden auf einem Kahn durch die See der nordischen Schwermut treiben und wurden von deren Charakter überwältigt.

„Ich wurde von einer Reihe nordischer Musiker inspiriert, deshalb ist es meiner Meinung nach nicht verwunderlich, dass mir dieser Sound anhaftet. Dadurch, dass ich in Norwegen aufgewachsen bin und vor allem norwegische und isländische Musik gehört habe, ist es wohl unvermeidbar, dass da Ähnlichkeiten aufkommen.“

 „Forces“ ist ein großartiger Track. Wann hast du ihn geschrieben? In was für einer Situation?

„Dieser Song entstand, nachdem ich ein paar sehr schlechte Nachrichten von Zuhause erhalten hatte. Es war einer dieser Momente, in denen ich einfach nur da saß und das Stück aus mir herauskam, als hätte es schon lange irgendwo existiert und ich musste es nur noch finden. Das passiert nicht oft, doch wenn es dann einmal geschieht, dann fühlt sich das so gut an.“

Dass Farao auch live zu überzeugen weiß, bewies sie mit ihrem Auftritt auf der Trickser Labelnacht im Mai dieses Jahres. Zusammen mit ihren deutschen Labelkollegen Memoriez und Yesterday Shop zog sie dabei das Publikum des //:about blanks in ihren Bann und bereitete den Besuchern einen unvergesslichen Abend. Als glühender Schimmer in der dunklen Nacht erhellte Farao die dunklen Gemäuer des Technoclubs und faszinierte mit einem reinen Akustikset.

Wie war der Abend rückblickend für dich?

„Es war großartig, obwohl ich mir gewünscht hätte, meine Band dabei gehabt zu haben. Hoffentlich kann ich sie das nächste Mal mitbringen, wenn ich nach Berlin komme.“

Und darauf muss übrigens gar nicht mehr allzu lang gewartet werden. Im September zieht es Farao erneut nach Deutschland, wo sie vier Konzerte in ausgewählten Locations spielen wird.

26.09.2013  Berlin – Antje Øklesund
27.09.2013  Hamburg – Pooca Bar
28.09.2013  Köln – Die Wohngemeinschaft
29.09.2013  Münster – Pension Schmidt

Artwork - webMit im Gepäck wird Farao auch ihre aktuelle Single „Skin“ haben. Der Song ist wie ein Sommerregen. Er prasselt im gleichmäßigen, dumpfen Takt zart auf den Zuhörer ein und erzählt ihm flüsternd die verhängnisvolle Geschichte einer Freundin Karis, die sich auf die Affäre mit einem verheirateten Mann einließ. Schwere Tropfen benetzen den Verstand und künden von einem unerfreulichen Ende jener Verbindung.

Was bedeutet der Song für dich persönlich?

„Für mich geht es darum, dass man nie zurückkehren und die Fehler rückgängig machen kann, die man in seinem Leben begangen hat.“

„Skin“ ist Vorbote für die im Frühjahr 2014 erscheinende, erste EP Faraos. Auf dieser befinden sich, neben besagtem Track, noch drei weitere großartige Stücke. Beispielsweise der Opener „Tell A Lie“, der mit einem eindringlichen, süßsaueren Synthie-Gemisch, jeden Geschmacksnerv einzeln anzustoßen vermag. Oder „The Hours“, welches einen Mikrokosmos erschafft, der wie Phönix aus der Asche einem ständigen Kreislauf des Wachsens und Verfallens ausgesetzt ist. Nicht zu vergessen ist das zurückgenommene „To Sleep Apart“, das sich mit fortschreitendem Verlauf zunehmend auftürmt, um dann zu zersplittern wie ein Stück poröses Glas.

http://youtu.be/rV5HFWNiEVY

Worum ging es in dem letzten Traum, an den du dich erinnern kannst?

„In der letzten Nacht träumte ich, dass ich einen neuen Weg zu Laufen entdeckt habe. Mein Freund filmte mich in diesem Traum und wir schauten uns die verschiedenen Läufe anschließend an und diskutierten darüber, welchem man weiter nachgehen sollte. Wirklich seltsam.“

Die Kreativität scheint Kari Jahnsen nicht nur in der Nacht zu verfolgen. Was sie anfasst, wird zu feinem Goldstaub, welcher mit dem Wind in alle Himmelsrichtungen weht. Wir haben euch heute die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen steht. Einst verließ sie ihre Heimat Oslo, um vom kreativen Dunst Londons inspiriert zu werden und die eigene Musikerkarriere voranzutreiben. Aus der Idee wurde Realität und doch ist sich Kari immer darüber bewusst, dass man allein von dieser Träumerei nicht leben kann. Die Branche ist hart und undankbar. Wer sich bei seiner Fahrt auf dem medialen Ozean allein auf Versprechen und Beteuerungen verlässt, der droht bei ungünstigem Wind schneller zu Grund zu sinken, als es ein Stein tun würde. Und so arbeitet Kari nebenbei ganz bürgerlich in einer Brauerei im Osten der Themsemetropole. Was laut eigener Aussage auch einen Vorteil hat.

Es ist einer der wenigen Jobs, in dem man während der Arbeitszeit trinken darf.

Prost!

Kultverdächtig

Gerne stoßen wir auf die wunderbaren Melodien an, die uns Farao mit ihrer Musik schenkt. Eingängigkeit und Ausgefallenheit halten sich geradezu perfekt die Waage, wenn Songs wie „Skin“ oder „Forces“ erklingen. So hat man als Hörer die Möglichkeit, ohne große Umschweife den Sprung in die Tiefen des Songwritings der Norwegerin zu wagen, darin zu versinken und final in der Endlosigkeit des Klanges zu zergehen. Keine Frage, man hat nicht das letzte Mal von Farao gehört.

Verlosung

Wir möchten nun abschließend zwei Hörern die Möglichkeit geben, zusammen mit einer Begleitperson, einem der kommenden Gigs von Farao beizuwohnen. Deshalb verlosen wir 1×2 Tickets für den Auftritt am 26.09.2013 im Berliner Antje Øeklesund, sowie 1×2 Tickets für ein beliebiges Deutschlandkonzert der Sängerin (dabei kann ebenso Berlin gewählt werden). Wer in die passende Lostrommel gelangen will, der schickt bis spätestens kommenden Montag, den 22.07.2013, eine Mail mit dem Betreff „Farao“ und seinem Wunschtermin (weiter oben im Text sind noch einmal alle wählbaren vier aufgeführt) an martin@kultmucke.de. Zudem erhalten die Gewinner einen Download-Code für die aktuelle Single „Skin“ (inklusive zweier Bonustracks).

Interessante Links

Single “Skin” bei Trickser kaufen

Tickets für die anstehende Berlin-Show

Offizielle Website von Farao

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