Review: Fetsum im Soho House

In Berlin von Gastautor

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Montag Abend, 19 Uhr. Das Licht wird gedimmt, strahlt mit warmen Farben durch den überschaubaren Saal im Soho House. Innerhalb kürzester Zeit füllt er sich mit Menschen, die, mit kühlem Cuba Libre in der Hand, auf den Mann der Stunde warten. Fetsum. Spätestens seit dem „Peace x Peace“-Festival, welches er im Sommer hier in Berlin organisiert hat, um Spenden für traumatisierte Kinder aus Kriegsgebieten zu sammeln, ist der Blues-, und Soulsänger kein Unbekannter mehr.

Fetsum Sebhat wurde als Kind eritreischer Eltern in Kairo geboren, die während des Unabhängigkeitskrieges nach Stuttgart flohen. Anfang 2009 gründete er mit High Energy Music sein eigenes Label. Durch sein Engagement bei der Organisation des Benefizkonzertes in der Waldbühne unter dem Motto „Your Voice for Children“ wurde er sogar mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet. Seine Stimme ist unverkennbar, seine Lieder handeln von Hoffnung und Sehnsucht und bauen eine so innige Verbindung zwischen Zuhörer und Musiker auf, wie man sie fast nicht mehr kennt und doch so vermisst.

Der Grund seines Auftritts und seiner spontanen Einladung (seine musikalische Begleitung hat Fetsum erst 3 Tage vor Auftritt klar gemacht), der unzählige Leute gefolgt sind, ist die Vorstellung seiner am 2.12. erschienenden EP. „Light In A Dark Place“ – 6 Songs die unter die Haut gehen und an die Menschlichkeit appellieren. Bei seinem Auftritt zeigt er kurze Videos vom Entstehungsprozess der Lieder, von seinen Reisen und seiner Zusammenarbeit mit verschiedenen Topshot-Produzenten. Mit strahlenden Augen und dem sympathischsten Lächeln erzählt er kurze Anekdoten aus den vergangenen Monaten und schildert seine Gedanken und Gefühle beim Schreiben, Aufnehmen und Mischen der EP, die den Zeitgeist wiederspiegelt und dabei keineswegs den Bogen überspannt. Die Songs spielt er zunächst nur digital vor – eine Mischung aus kraftvollen Soulballaden und Protestsongs. Das Publikum, bestehend aus ca. 120 Gästen, Freunden, Familienmitgliedern und Kollegen von Fetsum, ist gefasst und saugt in andächtiger Stille jeden Beat und jedes Wort in sich auf.

Kurz danach gibt es dann die Live-Perfomance. Bewusst verzichtet er auf ein Mikrofon – seine Stimme erfüllt auch ohne Technik den ganzen Raum und berührt die Herzen aller Anwesenden. Sein Song „Refugee“, welchen er zusammen mit dem britischen Komponisten Guy Chambers produzierte, hat nicht nur aufgrund des Titels einen Wiedererkennungswert, sondern vor allem dadurch, dass sich jeder mit ihm identifizieren kann. Fetsum selbst ist sich sicher, dass jeder von uns schonmal vor etwas geflüchtet ist – sei es eine Liebe, die einen erdrückt und die man nicht erwidern kann, oder Gefühle, die man nicht zulassen möchte. Er verbindet gesellschaftliche und persönliche Probleme und thematisiert sie auf seine ganz besondere Art und Weise. Dass er die Vielfältigkeit in der Gesellschaft und die Multikulturalität preist, sich gegen Rassismus und Hass ausspricht und an alle Anwesenden appelliert, ein „Licht an dunklen Orten zu sein“ zeigt, wie menschlich der Mann ist. Dabei verdrückt er die eine oder andere Träne. Ein Mann, der große Dinge allein mit eisernem Willen und einem guten Herzen vollbringt.

Warum Fetsum auch jetzt so kultverdächtig ist? Weil seine Lieder nicht nur die Welt musikalisch ein Stück besser machen – der Reinerlös der Verkäufe geht an UNICEF Kinder-Hilfsprojekte in z.B. Syrien, der Ukraine oder dem Irak. Hier unterstützt man nicht nur einen Sänger mit großem Herz und wunderschöner Musik, sondern setzt ein Zeichen welches in diesen Zeiten von immer größerer Bedeutung wird. Zu kaufen gibt es „Light In A Dark Place“ z.B. hier. Es war mir eine große Freude, Teil dieses Abends gewesen zu sein, in Mitten von Menschen, die die gleichen Werte und Vorstellungen teilen, zusammengebracht durch einen wahren Künstler. Danke, Fetsum!

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Foto by © Stefan Botev