Flugkompensation: Ablasshandel oder gute Alternative?

In Lifestyleby Arunika

Flugscham ist jetzt ein Ding: Wer sich nachhaltig schimpft und etwas auf unsere Umwelt gibt, der kann nicht mehr ruhigen Gewissens ins Flugzeug steigen, um in den Urlaub zu fliegen. Doch statt einfach nicht mehr zu fliegen, bieten eine Reihe von Anbieter Flugkompensation an. So soll C02 ausgeglichen werden. Aber ist das wirklich ein sinnvoller Ausweg?

Was passiert bei einer CO2 Flugkompensation?

Anbieter wie z.B. Atmosfair und myclimate bieten Verbrauchern an, Flüge und Schifffahrten zu kompensieren. Das bedeutet, dass die ausgestoßene CO2 Menge deines Flugs berechnet wird und du den entsprechenden Betrag für ein klimapositives Projekt spenden kannst. In die Berechnung zählen unter Anderem Flugstrecke und Flugzeugtyp. Trotzdem variieren die Preise von Anbieter zu Anbieter stark. Ein Flug von Düsseldorf nach Mallorca stößt ca. 0,75 Tonnen CO2 pro Kopf aus. Das weltweite, langfristige Ziel liegt bei gerade einmal einer Tonne pro Kopf pro Jahr. Die Deutschen sind mit durchschnittlich 11 Tonnen im Moment ziemlich weit davon entfernt. 

Mit dem gespendeten Geld werden anschließend z.B. Aufforstungsprojekte in Entwicklungsländern unterstützt, um dort CO2 durch bessere Technologie oder mehr Grünfläche künftig einzusparen.

Was ist gut daran, CO2 zu kompensieren?

Grundsätzlich ist es natürlich besser, einen Flug zu kompensieren, anstatt es nicht zu tun. Mit deinem Beitrag unterstützt du Projekte, die CO2 andernorts einsparen sollen. Bestenfalls ergibt sich so tatsächlich ein Ausgleich. Dennoch gibt es einige berechtigte Kritikpunkte an der Flugkompensation.

Was ist kritisch an der Flugkompensation?

Das eigene schlechte Gewissen zu besänftigen und sein Verhalten nicht grundsätzlich zu ändern, ist alles andere als nachhaltig. Anstatt auf den ein oder anderen Inlandsflug zu verzichten, ist ein paar Euro zu spenden wirklich eher ein Ablasshandel als eine ernsthafte Absicht. Besser ist, sein Verhalten zu überprüfen und sich grundlegend zu bessern. Gerade Flüge innerhalb Deutschlands sind oft unnötig und die Strecken können genauso gut mit der Bahn zurückgelegt werden. Das Bahnfahren oft so viel teurer ist als Fliegen, ist allerdings ein strukturelles Problem, an das die Politik ran muss. Wenn Fliegen teurer und seltener genutzt werden soll, muss das Bahnfahren günstiger werden. Besonders für die Menschen, die sich keine teure Zugfahrt leisten können. Es kann nicht sein, dass bald nur noch die reichsten Menschen fliegen (was global gesehen schon der Fall ist, 90% der Menschen weltweit sind noch nie geflogen), während sich einkommensschwächere Familien keinen Urlaub mehr leisten können.

Schwierig sind zudem teilweise die Projekte, die von den Anbietern der Kompensation gefördert werden. Oftmals sind Aufforstungsprojekte schuld an Arbeitsverlust bzw. den Verlust von bisher landwirtschaftlich genutzter Fläche der Menschen vor Ort. Atmosfair hat sich beispielsweise auf den Bau von speziellen Öfen spezialisiert, die die Menschen in Entwicklungsländern nutzen können und die beim Einsatz wenig CO2 verbrauchen.

Insgesamt muss man abwägen und es gibt keine eindeutige Antwort: Flugkompensation ist sinnvoll, wenn das Geld transparent in gute Projekte investiert wird. Um sein Gewissen zu beruhigen und munter 10 mal im Jahr ins Flugzeug zu steigen, sollte die Kompensation nicht genutzt werden.

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