FYE & FENNEK kultmucke

FYE & FENNEK im Interview – Alles zu „Seperate Together“

In Interview, Kultverdächtig, Musik by Joseph

Das Synthie-Pop-Duo FYE & FENNEK gibt es zwar schon seit einigen Jahren, doch erst seit Juli sind die beiden mit ihrem Debütalbum „Seperate Together“ am Start. kultmucke hat das sympathische Duo getroffen und zu Studioarbeit, dem Gefühl der ersten eigenen Platte und kleinen und größeren Ausbrüchen ausgefragt. Wobei viel nachhaken gar nicht nötig war – einmal in Redelaune, sprudelten die Antworten aus den beiden heraus:

FENNEK: Moinsen.

kultmucke: Ja, Moin. Dann fangen wir mal ganz einfach an: Wie lange macht ihr jetzt schon zusammen Musik?

FYE: Jetzt seit drei Jahren.

FENNEK: Genau, vor drei Jahren haben wir uns in einer Bar kennengelernt, einige Pfeffis reingefahren und dann gesagt: „Lass mal versuchen, morgen einen Track zusammen zu machen.“ Und das haben wir dann auch gemacht.

kultmucke: Und das hat geklappt?

FENNEK: Das hat geklappt. Dabei ist dann „Shelter“ herausgekommen. Das war dann unser erster Track. Und der kam dann auch knapp einen Monat bei Spotify raus, das war schon ziemlich verrückt.

FYE: Also, Jan (Anm. d. Red.: so heißt FENNEK wirklich), war sowieso schon im Gespräch mit dem Label und ich hab auf andere Weise schon Kontakt mit denen gehabt, weil ich als Fotografin für Lichtdicht (Anm. d. Red.: Indie-Label aus Kassel) gearbeitet habe. Und dann wusste ich aber gar nichts davon, dass du denen unsern Track zeigst. Das weiß ich nämlich noch, weil ich war im Urlaub und kam wieder und Jan hat irgendwie gemeint: „Ja voll krass, die wollen unseren Track rausbringen“ und das war dann schon eine Mega-Überraschung.

kultmucke: Und dann war ja erstmal länger Pause, oder?

FENNEK: Ja, dann haben wir uns sehr lange Zeit dafür genommen, weil wir einfach gemerkt haben: Okay, cool, wir machen weiter und haben dann auch die ganze Zeit einfach Songs geschrieben. Wir wollten allerdings nicht nur eine kleine EP oder sowas machen, sondern hatten uns schon immer gesagt: „Lass uns doch einfach Musik machen und uns dabei kennenlernen“.

FYE: Ja, besonders am Anfang hatten wir keinen Plan, wie: Das wird jetzt ein Album oder das wird jetzt ne EP, sondern wir haben einfach geschrieben und gemacht und dann hatten wir sowieso schon vier oder fünf Tracks, die für eine EP ja schon reichen würden und wollten uns nicht so reduzieren, sondern weiter ausprobieren. Am Ende hatten wir dann über 20 Songs geschrieben und daraus dann die Auswahl für das Album getroffen.

FENNEK: Und dann haben wir einfach mit vier Tracks ein Showcase gespielt…

FYE: …(lacht)…

Jan und Faye sind FYE & FENNEK. Gefunden hat sich das Duo bei dem ein oder anderen Pfeffi in einer Bar in Kassel.

FENNEK: …vor der kompletten Musikbranche, weil unser Label uns da als Vorband hat spielen lassen. Wir mussten uns innerhalb von einer Woche auf dieses Showcase vorbereiten und dachten uns: Wow, wir spielen da. What?!

FYE: (lacht) Ja, das war so ganz am Anfang. Da hatten wir so „Shelter“, „Focus“ und die haben wir ja auch schon direkt released. Dann hatte wir nen dritten Track, der einigermaßen fertig war und haben dann schnell noch einen vierten geschrieben und die Sachen dann gespielt…

FENNEK: …und das war eigentlich der Auslöser – dieser Auftritt im Kaffee Burger, hier in Berlin. Das war das Showcase zur Albumveröffentlichung der „Kites“.

FYE: Die haben dann auch irgendeinen Preis gewonnen und deshalb gab es da ziemlich viel Aufmerksamkeit. Wir waren eigentlich noch gar nicht in Shape, aber haben das eher so als Herausforderung genommen. Im Nachhinein ist das eigentlich noch cooler, als man das damals so wahrgenommen hat, weil es damals halt so pure Aufregung war. Da haben wir dann quasi Schwimmen gelernt (lacht).

FENNEK: Ja, das war so richtig ins kalte Wasser springen (lacht).

kultmucke: Wenn das euer Seepferdchen war, dann ist das Debütalbum ja quasi der Freischwimmer?

FENNEK: Ja, so ist das (lacht).

kultmucke: Und, wie fühlt sich das an, das fertige Album in den Händen zu halten?

FYE: Ist geil. Ist richtig geil.

FENNEK: Ja, das ist ein unglaublich gutes Gefühl. Einfach jetzt mal das, was man da gemacht hat die letzten zwei Jahre an Leute kommt und an Leute kommen kann. Das war ja unser Ziel, das wir jetzt unsere Visitenkarte haben. Das ist für uns der erste Schritt.

FYE: Voll! Und was wir vor allem gemerkt haben ist, dass es einen erheblichen Unterschied macht, ob du Konzerte spielst und den Leuten halt nie irgendwas mitgeben kannst, wo sie die Musik nochmal hören oder kaufen können. Es gab halt immer Leute die kamen und gefragt haben: Habt ihr den Track mal irgendwo aufgenommen? Und es war für uns dann immer voll blöd zu sagen: „Ne, kommt dann irgendwie in nem halben Jahr.“ Und das ist halt total doof. Wir haben eben viel gespielt, aber wir haben nie was zur Hand gehabt. Und das ist halt jetzt zehnmal geiler. Jetzt können wir sagen: „Wenn es dir gefällt, dann hör’s dir da oder da nochmal an.“

FENNEK: Vor allem haben wir in das alles sehr viel Herz gesteckt. Als dieses Ding, dieses White Label, also die Erstpressung von der Schallplatte kam und du das erste Mal deine Musik auf so Rillen gepresst gesehen hast und das in den Schallplattenspieler einlegen konntest – das war einfach Hammer…

FYE: …Ja, das war eigentlich das Geilste überhaupt. Noch besser als das Digital zu finden oder so.

FENNEK: Und auch diese Phase, wo wir die ganzen Tracks hatten und fürs Album auswählen mussten. Da haben wir uns ständig gefragt: „Passt das überhaupt zusammen?“ Und auf einmal war alles so klar. Das ist das Album! Da waren wir dann an einem Punkt wo wir mit dem was wir hatten glücklich waren und beschlossen haben das jetzt so zu machen.

kultmucke: Dann kommen wir auch direkt mal zum Album: Was ist euch bei der Platte besonders wichtig?

FYE: Ja, der Titel ist ja „Seperate Together“. Den haben wir gewählt, nachdem wir mit allem fertig waren. Wir hatten davor auch immer andere Titel, die uns vorgeschwebt sind und das Album auch im weitesten Sinne beschreiben, aber der war es dann letztlich für uns. Wir haben dann gemerkt, dass das Album so einen Charakter hat. Das uns das mit Leuten zusammen bringt, so wie wir uns das auch vorgestellt haben. Man hört das eigentlich eher zusammen mit Leuten und man kann halt über die Sachen die erzählt werden auch so eine Art Gemeinschaftsgefühl aufbauen. Das beschreibt ja auch irgendwo unsere Generation ganz gut, dieses: Jeder macht so sein Ding, aber letzten Endes sucht auch jeder immer die Gemeinschaft. Das steckt da auf jeden Fall drin.

kultmucke: Das ist ja auch ein Thema, was in euren Videosingles immer wieder vorkommt, oder?

FYE: Ja, auch in den Videos war uns das wichtig. Wir wollten da thematisch auch ein bisschen auf das hinleiten, was die Platte letztlich aussagt. Willst du noch was ergänzen?

FENNEK: Das Album ist halt schon ein sehr intimes Ding für mich, weil ich das sehr viel Emotionen reingesteckt habe. Ich habe da für mich versucht Eindrücke vom Reisen, oder Schicksalsschlägen auch in die Musik einfließen zu lassen. Wir wollten uns da auch gar nicht in irgendwelche Strukturen reindenken oder auf einen fahrenden Zug aufspringen, wie jetzt der ganze Cloud-Rap, oder früher die Deep House-Schiene. Es war für uns sehr wichtig, dass es für uns ehrlich ist und das wir eben unseren Sound finden. Da haben wir uns schon viel Zeit genommen. Die Aussage ist halt eigentlich, dass man immer in gewissen Konventionen steckt – egal wo du bist. Dahinter steckt dieser Drang daraus auszubrechen und die Welt für deine Möglichkeiten mit anderen positiv umzugestalten. Diese positive Gestaltung der Zeit und der Ausbruch aus Konventionen, das ist schon das Kernthema. Allerdings wollen wir jetzt auch nicht alles Schlechte ausblenden. Das gehört eben auch dazu. Unser Ziel war es die Leute mit auf eine Reise zu nehmen, wobei jeder für sich selber entscheiden kann, wo die denn jetzt hingehen soll. Deswegen auch „Seperate Together“. Wir wollen eben verschiedenste Orte erreichen, weil wir glauben, dass es überall Menschen gibt, die das genauso sehen wie wir.

kultmucke: Diese Ausbruchsthematik scheint euch ja ganz schön zu beschäftigen. Was ist denn da euer persönlicher Schlüsselmoment? Gibt es da etwas, woher die Faszination mit diesem Thema kommt?

FYE: Mein persönlicher Ausbruch ist vielleicht nicht ganz so drastisch. Man ist da ja in diesem vorgezeichneten Weg: Du machst deine Schule und dann dein Abi und bist in dieser Maschinerie und wenn es läuft, dann läuft es auch irgendwie. Dann bist du 20, hast keinen Plan und musst irgendwas studieren. Und viele Leute verzweifeln an der Suche nach diesem Weg. Machen mal dies, mal jenes, aber das zu finden, was du wirklich willst, ist einfach super schwer. Vor allem, wenn man sich selber noch nicht gefunden hat, ist es halt umso schwerer seinen Weg zu finden. Bei mir war das so, dass ich dann Kunst studiert habe. Deshalb war ich auch in Kassel und das war für mich eine totale Befreiung. Davor habe ich immer gedacht: Kunst ist das, was du so machst. Da fühlst du dich einfach nach, aber das ist nicht dein Studium. Ich hatte eben Glück und habe gemerkt, dass das total mein Ding ist. Parallel war das natürlich auch immer an die Musik gekoppelt, denn an so Kunsthochschulen passiert einfach ganz viel Alternatives. Ob es jetzt Musik ist, oder Videoprojekte, da ist eben immer was los und du kannst alles mal so ein bisschen ausprobieren und dich da auch finden. Das war meine persönliche Errungenschaft. Auf der anderen Seite muss man sich eben auch oft erklären, gerade wenn man Musik macht. Für viele ist das eben voll abstrus, wenn wir sagen: Ja, wir sind jetzt da und da und machen noch ein paar Interviews und spielen hier eine Show. Und lange verdient man damit eben auch keine Kohle, sondern macht das eben aus ideellen Gründen, was viele nicht verstehen. Musik kann man wirklich nur machen, wenn man vollkommen davon eingenommen ist. Dass das auch eben echt hart ist, haben wir jetzt auch gemerkt.

FENNEK: Wie war die Frage nochmal? FYE erzählt immer so lange.

FYE: (lacht): Geil!

kultmucke: Was war dein persönlicher Ausbruchsmoment? Wieso ist dieses Thema für dich so wichtig?

FENNEK: Ich bin ja in Kassel aufgewachsen und habe dort dann auch Elektrotechnik studiert, aber eben auch schon immer Musik gemacht. Mein Ausbruch ist für mich eben auch das Musik machen. Wenn ich Musik mache, also in diesem Moment, habe ich mich immer an andere Orte gesehnt. Deswegen hat Musik für mich so eine enorme Bedeutung. Das ist einfach Kopfkino und baue mir meine Soundwelt und schaffe mir so meinen Ausbruch. Das Studieren hatte jetzt nicht so die wichtigste Rolle, aber ich wusste schon immer, dass ich Musik machen wollte. Und gerade bin ich ja auch Papa geworden – für mich ein enormer Bruch mit meinem alten Lebensstil, also nur für mich zu sein. Diese Verantwortung zu übernehmen, das hat sich bestimmt auch ausgewirkt auf die Art wie man Musik macht. Nicht mal besonders an die Kleine denken, sondern einfach diese Liebe, die ich da erfahren habe. Das war krass. Das war ein sehr wichtiger Punkt für mich in meinem Leben.

kultmucke: Wäre ja auch schlimm wenn nicht. Aber nochmal zurück zur Musik: Was macht euch denn mehr Bock: Live zu spielen oder im Studio zu sitzen und wirklich Musik zu machen?

FYE: Ich glaub da ticken wir ein bisschen unterschiedlich (lacht). Für mich ist das auf jeden Fall live spielen.

FENNEK: Ich bin eher so der Studio-Typ. Ich bastle da schon lieber an den Sounds. Was nicht heißen soll, das ich nicht gerne live spiele. Ich seh’ das nur irgendwie beides. Das ist beides sehr wichtig, aber die Studioarbeit macht mir doch ein bisschen mehr Spaß. Dieses Kreative zu schaffen und diese Sounds zu finden, oder wenn der Track dann da ist, das ist schon mein Ding. Wobei du auf der Bühne eben viel mehr zurück bekommst. Es ist eben beides sehr schön.

FYE: Macht aber auch Sinn, denn wir sind da auch immer gekoppelt. Also ich schreib die Texte und Jan

FYE & FENNEK

Während FYE lieber auf der Bühne steht, kann sich FENNEK voll und ganz in die Studioarbeit vertiefen.

schreibt Melodien. Teilweise mischen wir das natürlich auch und Jan sagt was zu den Texten und andersrum sag ich was zu den Melodien. Aber die Arbeit, die er da macht ist ja sein Kosmos, wo ich auch gar nicht so den Zugang zu habe. Studio heißt für mich Großteils eben Stimme aufnehmen und Stimme einsetzen ist für mich live einfach spannender, weil du Songs einfach durchsingst. Da gibt es keine Wiederholungen und erreichst die Leute wirklich direkt, während du im Studio Dinge immer wiederholst und auch diese Emotionen immer wieder aufs Neue abrufen musst. Das ist echt Arbeit, auch wenn es natürlich nicht nach Arbeit klingen soll.

FENNEK: Es ist schon beides sehr eng. Aber für mich gibt es nichts Schöneres wie wenn du den richtigen Akkord findest, auf der richtigen Melodie und dem richtigen Sample oder Basssound. Das ist für mich einfach so: „Woahh, geil!“

FYE: Das ist auch immer so geil, wenn er diesen Moment hat (lacht).

FENNEK: Das ist für mich halt immer der Moment, an dem ich mich dann auch wegdenke.

kultmucke: Und als letztes nochmal eine Frage zu euren Covers: Warum habt ihr immer nur FYE auf dem Cover? Ist FENNEK einfach nicht fotogen genug?

FENNEK: Ja, die Leute müssen sich eben die Platte kaufen, wenn sie mein hübsches Face sehen wollen.

FYE: Gute Frage. Wir versuchen da einfach immer sehr ausgeglichen ranzugehen, auch wenn das nicht immer so aussieht. Bei dem Places-Cover, das ist ja nur digital, da war es mehr so ein Zufallsprodukt. Da haben wir mit dem Fotografen vorher einen gesoffen und Simon Hegenberg ist echt eine krasse Rampensau. Wenn du mit dem Typen Fotos machst, weißt du nie, was am Ende dabei herauskommt. Aber es wird krass. Ich glaube es hat auch keiner von uns damit gerechnet irgendwann in einer Badewanne zu liegen. So war es beim Shooting fürs Cover eben auch. Wir sind einfach losgezogen und das ist dabei herausgekommen. Und bei dem Album war schon klar, dass einer auf die Vorder- und der Andere auf die Rückseite kommt. Und dann haben wir eben gedacht, dass die Sängerin vorne steht und darum bin ich eben auch auf dem Cover.

FYE: So ist es!

Das Debütalbum von FYE & FENNEK, „Seperate Together“ ist am 27. Juli auf dem Label „Filter Music Group“ erschienen. Wer die beiden live und in Action sehen möchte, kann das auf ihrer Tour im Oktober tun:FYE & FENNEK Tourdaten

Bildnachweis: © Simon Hegenberg 2018