hfn bittet zur musikalischen Hafenrundfahrt

In Musikby Martin

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Von Hamburg in die große, weite Welt des Sounds. Seit dem Jahre 2009 schifft das Label hfn music regelmäßig hinaus auf die sieben Klangozeane und hat dabei so manch interessantes Treibgut an Bord ziehen können. Der Däne Trentemøller und seine beiden Landsmänner von Reptile Youth wären da zum Beispiel zu nennen. Als akustische Schiffbrüchige fanden sie in hfn music einen stabilen Rettungsanker und legten ihre letzten Veröffentlichungen vertrauensvoll in die Hände des familiären Betriebs aus der Hafenstadt. Doch auch andere Acts machen es sich gern auf dem Kutter gemütlich, an dessen Spitze die Fahne der Hamburger Plattenfirma weht. Mit der Compilation „hfn presents dock1“ richtet das wohl maritimste aller deutschen Labels sein Fernglas nun auf das Musikjahr 2014 und anstehende Releases.

Sieben exklusive Tracks konnte hfn music seinen Künstlern entlocken, um sie gemeinsam auf einem sehr stringenten Minialbum zu versammeln. Kasper Bjørke hat die Ehre „hfn presents dock1“ mit „Kalopsia“ zu eröffnen. In gewohnt lässiger Manier entspinnt der DJ ein animierendes Instrumentalstück, welches sich auch ohne große Anstrengungen auf Röyksopps „Junior“ hätte schummeln können. Während das Wasser an der Hafenkante nun also in Schwingungen gerät, bringt Fangs die Möwen zum Singen. Hinter dem Pseudonym steckt der Amerikaner Jordan Lieb, vielen vermutlich besser bekannt als Black Light Smoke. Im Background seines Songs „Seagulls“ beginnt der Wüstensand, durch die trockene Luft zu wehen. Muntermonika-Harmonien, Percussions und eine in Whisky getränkte Stimme befördern den Hörer in einen dunklen Westernsaloon, an dessen Theke ein paar urige Cowboys über das Leben philosophieren. Auch Darkness Falls „Moonlight“ siedelt sich nahtlos in jener Szenerie an. Allerdings verlassen Ina Lindgreen und Josephine Philip das staubige Etablissement und treten auf eine vom Mondschein beschienene Straße. Leer stehende Häuser, finstere Gassen und der Geist psychedelischen Schamanentums umgeben ihre Komposition, die umgehend zum mantraartigen Höhepunkt auf „hfn presents dock1“ wird. Nach jenem Fiebertraum verschafft Ebbs „Turn Around“ eine neue Klarheit. Knisternd und knackend träumt sich das Stück in eine ferne Zukunft, bevor Gry das gewaltige Erbe von Bands wie Ciba Matto oder Portishead aufleben lässt. „Confusion“ schlängelt sich durch die eigensinnige Soundästhetik des Trip-Hops. Kühl, anziehend, atemberaubend. Etwas voller im Geschmack ist Small Mountains „Creatures“. Zusammen mit Lynes schickt der Amsterdamer Produzent den Lo-Fi auf eine Reise durch orientalische Gefilde, spielt mit Nähe und Ferne und verliert sich schließlich in der Unendlichkeit der Synthieverliebtheit, in der auch Faded Rangers „Pretty Colors (Instrumental)“ einst Wurzeln geschlagen zu haben scheint. Das letzte Stück auf „hfn presents dock1“ glänzt in einem mysteriösen Zwielicht und beschließt gleichsam ein Album, das trotz all seiner unterschiedlichen Bruchstücke gut als Ganzes funktioniert.

Steckbrief

Künstler: Kasper Bjørke, Fangs, Darkness Falls, Ebb, Gry, Small Mountain, Faded Ranger

Musiklabel: hfn music

Veröffentlichung: 24.02.2014

Mucke:  Electronica, Lo-Fi, Indie, Synthie Pop, Trip-Hop

Hitverdächtig: “Moonlight”, “Confusion”, „Creatures“

Klingt nach: Einer verheißungsvollen Kostprobe. Bei all den wunderbaren Songs, die sich auf „hfn presents dock1“ aneinanderreihen, darf man sich auf die zahlreichen Alben der partizipierenden Künstler freuen, die bereits in den Startlöchern stehen, um die Independentszene zu erobern.

Kult: Eine Compilation, in Zeiten von Download- und Streamingportalen, zu veröffentlichen, birgt immer auch ein gewisses Risiko in sich. Immerhin hat der Hörer durch die diversen Anbieter die Möglichkeit, sich seine Playlists nach Belieben selbst zusammenzustellen. Umso mehr freuen wir uns zu sehen, dass auch andere jenes Wagnis eingehen, vor dem auch wir, mit dem Release unserer hauseigenen Compilation „Kultverdächtig I“, nicht zurückschreckten. Durch ein zugrunde liegendes Thema, eine verbindende Idee und dem Hauch von Exklusivität können jene Sampler funktionieren und bieten neben einer gewissen Abwechslung auch immer einen einzigartigen Blick auf das aktuelle Musikgeschehen.

Reinhören

Gewinnspiel

Passend zur Review könnt ihr bei uns einen Gratis-Download der Compilation „hfn presents dock1“ gewinnen. Schickt dazu bis spätestens kommenden Sonntag, den 23.02.2014, eine Mail mit dem Betreff „hfn presents dock1“ an martin@kultmucke.de. Unter allen Einsendungen wird zufällig ein Gewinner ermittelt.