Interview: Graham Candy, ein Spiel mit der Stimme

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Far away, far away – in the land where the sun will never rise

Wer hatte vergangenen Sommer nicht diesen Ohrwurm? Die muntere, warme und doch geheimnisvolle Stimme, der hüpfende Beat, und die fröhlich einstimmende Gitarre lassen Herz und Laune-Barometer eines jeden Musik-Fans höher schlagen. Doch wer verbirgt sich hinter dieser sinnlichen, fragilen und so eigenartigen Stimme, die nicht mehr aus unserem Kopf verschwinden will? Kultchecker Hasan ist den mysteriösen Klängen auf die Spur gegangen und konnte Graham Candy für das immer wiederkehrende Summen in unseren Köpfen verantwortlich machen. Exklusiv für Kultmucke stellt er ihn nun zur Rede:

Interview Graham CandyGraham Candy wurde am 1. April 1990 in Auckland (Neuseeland) geboren. Schon mit sechs fängt er an Klavier zu spielen, nebenbei nimmt er Tanzunterricht und lernt die Kunst der Schauspielerei. Ermutigt durch zahlreiche Siege in australischen und neuseeländischen Wettbewerben steigt er mit 12 in die Kinowelt ein und wird Double des Protagonisten Edmund in Die Welt von Narnia. Trotz der Erfolge in der Schauspielerei beschließt er, sich ab nun seiner musikalischen Karriere zu widmen und tourt erst durch die Aucklander Bars und Pubs, bis er 2013 mit dem Berliner Label Crazy Planet Records nach Berlin kommt. Sehr schnell macht sich der junge Mann mit der charismatischen und einzigartigen Stimme einen Namen in der Haupstadt und landet 2014 mit dem Berliner DJ Alle Farben den absoluten Sommerhit She Moves. Seitdem hat er weitere Tracks an der Seite von Alle Farben, Robin Schulz und Parov Stelar aufgenommen. Im vergangenen Monat erschien dann seine erste EP Holding Up Balloons: ein Mix aus „feel good Folk-Pop“, bassigem Hip Hop und rührenden Acoustic-Tracks. Seine erste EP ist eine herrlich überraschende und packende Probe des beeindruckenden und vielfältigen künstlerischen Potenzials des 24-Jährigen. Sein lebhafter Gesang treibt einen durch jugendliche Liebesballaden, erfrischenden Pop und düstere, selbstkritische Songs. Um mich selbst vom Charisma und der Natürlichkeit des Wahl-Berliners zu überzeugen, treffen wir uns eines sonnigen Morgens im Tante Emma am Schlesischen Tor.

Hey Graham! Schön, Dich hier im Herzen Kreuzbergs kennenzulernen. Wieso hast Du uns ins Tante Emma eingeladen?

Hey Hasan, danke für Eure Zeit. Wir haben unser Studio hier ganz in der Nähe und generell bin ich viel in Kreuzberg unterwegs. Die Tante Emma ist ein gemütlicher Platz für ein Käffchen am Morgen oder ein bisschen Ruhe zwischen zwei Aufnahmen. Und diese Couch – da hat man gar keine Lust mehr aufzustehen! (lacht)

Du bist ja erst vor zwei Jahren nach Berlin gekommen, wie gefällt es Dir hier? Was treibst Du so, wenn Du mal nicht im Studio bist?

Berlin ist eine wundervolle Stadt, voller verschiedener Facetten. Ich liebe dieses Einfache, Rustikale aber doch so Einzigartige und Überraschende an Berlin. Ich wohne hier in Friedrichshain und wenn ich mal nicht im Studio bin, treffe ich mich mit Freunden, meinem Manager, um meine Tournee zu planen, oder ich gehe ein bisschen spazieren, um neue Eindrücke zu gewinnen. In Berlin sind die Leute zurückhaltender, wenn sie mich erkennen, was mir auch sehr viele ungestörte Momente ermöglicht. Als ich diesen Sommer in Italien war, war das noch ganz anders, da rufen sie meinen Namen, stürzen sich auf mich und wollen unbedingt ein Foto mit mir. (lacht)

Wie bist Du überhaupt nach Berlin gekommen?

2012 haben ein paar Freunde und ich das Portland Public House aufgebaut, die erste 24/7 Live-Musik Bar in Auckland. Da war ich als Event-Manager und Hausmusiker tätig und eines Abends kam Matthias von Crazy Planet Records zu mir und meinte, ich sollte unbedingt mit ihm nach Berlin kommen. Erstmal war ich sehr zurückhaltend, doch nach ein paar durchtriebenen Nächten sind wir gute Freunde geworden und schließlich bin ich ihm 2013 nach Berlin gefolgt.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe mich erst etwas eingelebt, ein paar kleinere Auftritte gehabt und das Berliner Nachtleben erkundet. Auf einer Party habe ich dann auch die Leute von ABBY kennengelernt und wir haben uns direkt angefreundet. Filou, der Gitarrist hat mich dann bei Frans (Alle Farben) vorgestellt, weil diese eine Stimme für einen neuen Song brauchte. Ich kam dann noch ganz verballert von der Nacht zum Vorsingen, doch dann hat alles super geklappt. Wir haben uns sehr gut verstanden und ein paar Wochen später bin ich dann mit ihm durch Deutschland getourt.

Seitdem geht es bei dir ja durch die Decke. Euer Song She Moves war wochenlang in den TOP10-Charts. Du hast weitere Kooperationen mit Robin Schulz, Alle Farben und Parov Stelar aufgenommen. Jetzt kommt nächstes Jahr dein erstes Album “ Plan A“ raus. Was steht genau hinter diesem Namen?

Interview Graham Candy Berlin Kultmucke InterviewAls ich im College war, meinte mein Schuldirektor zu mir: „Graham, du musst öfter zur Schule kommen“. Ich wollte mich lieber meiner künstlerischen Karriere zuwenden. Er meinte dann immer: „Du brauchst einen Plan B“. Trotzdem habe ich lieber Musik gespielt, als die Schulbank zu drücken und nun hab ich es soweit geschafft, dass ich mein erstes Album rausbringen werde. Für mich war die Musik immer der Plan A. Und deshalb habe ich meinem Album diesen Namen gegeben.

Was wäre denn dein Plan B, wenn du morgen die Musik aufgeben müsstest?

Taxifahrer! (lacht) Ansonsten die Schauspielerei oder Tanzen.

Stimmt, du hast ja schon etliche Preise und Wettbewerbe in diesen Bereichen gewonnen. Ich meine du hast mit 17 in „Die Welt von Narnia“ mitgespielt! Wieso hast du dich entschieden, trotz deiner beachtlichen Erfolge im Kino, lieber der Musik zu widmen?

Ich liebe das Schauspielen immer noch, ich habe ja 2012 erst meine letzte Rolle als Hauptdarsteller in Amos Wake gespielt. In der Schauspielerei wird dir allerdings meistens ein Charakter aufgetragen, eine Figur die du spielen sollst. Doch in der Musik brauchst du nichts spielen, sondern kannst deiner Persönlichkeit und deiner Inspiration freien Lauf lassen. Und so ist es viel einfacher meine Emotionen an das Publikum zu bringen und ich liebe es!

In Deiner EP Holding Up Balloons finden sich verschiedene Stile und Stimmungen wieder. In Addictive Personality brummen düstere Hip-Hop Bässe, Deine mitreißende Stimme zerbricht mein Herz in der Liebesballade Don’t You Worry und im nächsten Song spielst Du munteren Pop auf Deiner Gitarre. Experimentierst Du da ein bisschen rum oder siehst Du dich eher als Multi-Genres Sänger?

Ich habe schon immer eher Folk-Pop und Songwriter-Tunes im Register gehabt, aber ich habe auch eine andere Seite. In meiner Kindheit habe ich viel Hip-Hop gehört. Das Berliner Nachtleben hat mir den Techno und Deep House gelehrt. Und Indie hat auch Spuren bei mir hinterlassen. Generell, wenn ich die Gitarre anpacke kommt bei mir fröhliche Sommerstimmung auf, was sich auch in meinen Songs wiederspiegelt. Das Klavier ruft bei mir eher nachdenkliche, intensivere und tiefgründige Emotionen hervor, wie das zum Beispiel in Sometimes der Fall ist. Ich mixe aber gerne ein bisschen von allem und möchte mich nicht auf ein Genre beschränken. Das würde nicht zu meinem Charakter passen.

Wieso oder wann hast du dich entschieden, deine Stimme zu verändern? In deinen ersten Songs hattest du ja noch, sagen wir mal, eine etwas „männlichere“ Stimme.

(lacht) Das hat sich irgendwie so ergeben. Ich habe in Auckland in vielen Bars und Pubs mit meiner Gitarre gespielt. Oft auch Covers von Duffy, Amy Winehouse oder Adele. Da habe ich natürlich versucht, die Stimme etwas anzupassen und den Menschen hat das gefallen! Nach den Auftritten kamen Leute zu mir und wollten mir nicht glauben, dass das meine Stimme sei. Irgendwann hab ich mir das so angewöhnt und mittlerweile ist das ja auch ein tolles Wiedererkennungsmerkmal!

graham candy berlin kultmuckeWas sind denn Deine Einflüsse? Von wem hattest Du zum Beispiel Dein erstes Poster?

Oh … (lacht) Das wurde ich noch nie gefragt. Definitiv Damian Rice! Wegen ihm habe ich erst angefangen, Gitarre zu spielen. Seine weiche Stimme, die charmante Ausstrahlung wenn er auf der Bühne stand. Und dann hatte er da noch diesen Song Amie und meine damalige Freundin hieß auch Amie … (lacht) Das war auf jeden Fall mein erster Crush. In der Liebe und der Musik.

Kannst du mir spontan deine fünf Lieblingssongs im Moment nennen? Natürlich setzen wir voraus, dass Du Deine eigenen am liebsten hörst.

Uh, da muss ich ein bisschen überlegen … da wären:

  • Sam Smith – Stay With Me, Sams Stimme ist atemberaubend … da kommt keiner heran.
  • Ry X – Howling, mir gefällt die Unkonventionalität und die beruhigende Wirkung des Songs.
  • Black Helicopters – Non Phixion, das sind die verrücktesten Hip Hop’er, die ich kenne!
  • T-Rex – Cosmic Dancer, ein All-Time Klassiker …

… und natürlich die Jungs von Fat Freddys Drop, deren Album Based on a True Story ist einfach der Hammer!

Du gehst diesen Monat auf Solo-Tour in Deutschland. Am 24. bist Du im Lido in Berlin. Worauf freust Du Dich am meisten?

Es wird das erste Mal für mich sein, dass Leute in die Konzerthalle kommen werden, nur um mich zu sehen. Das wird was ganz besonderes für mich sein und ich werde mein bestes geben, um den Leuten das zu geben, wofür sie gekommen sind: 100% Graham Candy! Außerdem liebe ich die Anzeige mit den roten Buchstaben draußen vorm Lido, ich habe schon immer davon geträumt, meinen Namen da oben stehen zu sehen. (lacht)

Du bist ja schon gut zwei Jahre in Berlin, da wird Dir die Clubszene nicht entgangen sein. Wo tanzt Du am liebsten? 

Ich gehe sehr gerne zu elektronischer Musik feiern. Mein favourite ist auf jeden Fall das Sisyphos. Die Leute und die Location sind einfach außergewöhnlich.

Dein bester Anmachspruch?

(lacht) Ich glaube, es ist besser, wenn ich gar keinen benutze.

Wo verbringst Du am liebsten Deinen Sonntagmorgen?

Am Spree-Ufer bei der Oberbaumbrücke. Viel Ruhe und ein wunderschönes Panorama.

Deine Geheimtipps zum Essen gehen?

de-noantri am Görli – die machen die beste Pizza in der Stadt!

Dein Lieblings-Gebräu?

Zu einem Augustiner sag ich nie nein.

Graham, ich bedanke mich im Namen von Kultmucke ganz herzlich für dieses Gespräch! Wir sehen uns spätestens am 24.10. im Lido!

Es war mir eine Ehre. Ich freu mich schon auf Euch. Vielleicht sehen wir uns ja vorher noch im Sisyphos … (lacht)



Graham Candy könnt ihr live erleben:

  • 21.10:    Stuttgart,  Studio 672, Stadtgarten
  • 22.10:    Halle,  Charles Bronson    
  • 23.10:    Hamburg,   Mojo Club 
  • 24.10:    Berlin, Lido                                        

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Liebe Freunde!

Wir verlosen exklusiv für Euch 2 x 1 Konzertickets für das Konzert im Lido:

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Viel Glück!