Songpremiere: Jim Hickey „Burning Forest“

In Musik by Martin

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Nicht Loslassen können, wenn die eigene Welt bereits in Scherben liegt. Wir klammern uns mit Vorliebe an so viele Dinge, als wären sie ein letzter Strohhalm, der uns vor dem Ertrinken retten könnte. Dabei sind wir meist schon versunken. Versunken in Selbsttäuschungen, manipulierten Illusionen oder längst zerstörten Träumen. Das macht uns Menschen wohl zu Menschen. Der in Berlin lebende Jim Hickey, dem wir jüngst ein ausgiebiges Kultverdächtig-Feature widmeten, schrieb nun einen Song über das Phänomen der falschen Hoffnung. „Burning Forest“ heißt der Track und feiert heute exklusiv bei uns seine Premiere.

Das Bild des brennenden Waldes ist ein zerstörerisches und doch elektrisierendes zugleich. In Sekunden wird all das niedergebrannt, was zuvor mühsam erwachsen ist. Im übertragenen Sinne kann dabei von einer Liebesbeziehung oder einer Freundschaft die Rede sein, vielleicht geht es aber auch um einen geteilten Moment oder eine gemeinsame Erinnerung. Schließlich steht man vor dem Flammeninferno, das unbestritten all das zugrunde richten wird, was einst von Bedeutung schien. Diesem Anblick standzuhalten und zu wissen, dass kein Löschversuch mehr etwas ausrichten kann, ist kaum zu ertragen. Also drehen wir uns häufig weg, verschweigen die Hitze und das Stechen im Rücken, leben weiter als wäre nichts passiert. Versuchen verzweifelt, unstrittige Tatsachen zu glätten und beschönigen, anstatt uns ihnen entgegenzustellen.

But it played before us, it’s like a burning forest.

Jim Hickey hat auf seiner ersten EP „Railings“ noch von Grenzen und deren Überwindung gesprochen. Dabei klang der 27-Jährige optimistisch und seine Stücke wurden von einer energetischen Woge getragen. „Burning Forest“ zeigt nun eine neue Facette im Schaffen des Musikers. Schwelende Lo-Fi-Texturen und eine unsagbar gefühlvolle Stimme sorgen für eine Gänsehautwelle nach der nächsten.

Ich habe versucht, mich bei diesem Song etwas zurückzuhalten und mehr mit Raum als mit Sound zu arbeiten. Von Beginn an wusste ich, dass es sehr leer und einsam klingen muss.

Doch bringt ein jeder Waldbrand, neben all dem Tod und Untergang, auch immer Leben mit sich. Gebündelt in Bergen aus Asche. So eröffnen sich neue Perspektiven und deuten oft in ungeahnte Richtungen. Im Fall von Jim Hickey bedeutet dies eine weitere EP, auf der es laut Aussagen des Songwriters, etwas experimentierfreudiger zugehen wird, mit mehr Gitarren und einem Hauch von Techno.