Kultverdächtig I – The Stories Behind The Tracks (3)

In Musik von Gastautor

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Aller guten Dinge sind drei. Nachdem wir euch in den ersten beiden Teilen von „Kultverdächtig I – The Stories Behind The Tracks“ Geschichten und Anekdoten zu den Titeln 1-6 und 7-12 unserer Compilation präsentierten, widmen wir uns heute den letzten, noch verbleibenden, fünf Tracks. Auch diese halten akustisch wieder einige Überraschungen bereit.

Morgen ist es endlich soweit und „Kultverdächtig“ ist auf allen herkömmlichen Download-Portalen erhältlich. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören!

 

13. Elise Mélinand – Katie’s Blue Cat

Frankreich ist das Land der Romantik, der sympathischen Zeitgenossen, des guten Essens, der wohlklingenden Akzente und der lasziven Melodien. Ob idealisiert oder der Realität entsprechend, unsere Nachbarn umgibt von jeher eine Aura der Extravaganz. Gleiches gilt auch für eine attraktive Songwriterin aus Paris. Elise Mélinand zählt seit einiger Zeit zu den großen Nachwuchshoffnungen für das frankophile Publikum. Ihr infantiler Charme und die Hingabe, mit der sich die 22-Jährige ihren Kompositionen widmet, machen ihre Songs zu kaum greifbaren Tagträumen, voller Fantasie und Zartheit. Vor, fast auf den Tag genau, einem Jahr, saß die blonde Schönheit im Neuköllner Café „Katie’s Blue Cat“, unweit des U-Bahnhofs Schönleinstraße. Zwischen Kaffee und Tee, Gebäck und Kuchen, griff das musikalische Fräulein Wunder damals zu Gitarre und Bleistift. Inspiriert von der Frage, wer wohl diese Katie und ihre blaue Katze sein mögen, schrieb Mademoiselle Mélinand den gleichnamigen Track, der es schließlich auf ihre EP „Le Voyage“ schaffte, im Strudel der darauf folgenden Monate jedoch verloren ging und nun sein Comeback exklusiv auf unserer Compilation feiern wird. Pünktlich zur Veröffentlichung ihres Debütalbums „Gray Hoodie“, im März 2014, werden wir uns noch einmal mit Elise Mélinand zu einem Rendezvous verabreden, zuvor versüßen wir uns die Wartezeit nun jedoch mit „Katie’s Blue Cat“.

Ich hatte gerade meine erste Gitarre gekauft und es fühlte sich an, als ob meine Finger und mein Kopf wüssten, welche Seiten zu zupfen und welche Melodien zu singen sein. Das war magisch.

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14. Yalta Club – Fireman’s Comin‘

Während sie auf ihrer herkömmlichen Jogging-Route durch den Park läuft, begegnet Corinna Crome einer Meute aufgeweckter junger Männer, die gemeinsam musizieren. Sie bleibt stehen und verliebt sich umgehend in die Lebensfreude der Herrenkapelle. Kurze Zeit später, und verbunden mit einer gewissen Hartnäckigkeit, wird sie selbst Teil der Formation, die den Namen Yalta Club trägt. Ebenso fröhlich wie seine Mitglieder ist auch der Sound des Sextetts. „Fireman’s Comin'“, vom in Deutschland noch unveröffentlichten, selbst betitelten Debüt „Yalta Club“, beweist stellvertretend, wie unheimlich energetisch die Tracks der französisch-deutschen Truppe sind. Feel Good Music im wahrsten Sinne des Wortes und zudem immer an eine gehörige Portion Witz geknüpft. Mit den Augen blinzelnd und doch gleichzeitig extrem intelligent gemacht.

Bei ‚Fireman’s Comin’‘ geht es um das ausgesprochen ausgefallene und aufregende Sexleben von Feuerwehrmännern! Und es geht darum, dass sie für Frauen, Männer und alle anderen unglaublich anziehend sind. Die Helden des Alltags. Viel Tiefgang muss man hier nicht suchen. Wie immer schrieben wir alle sechs zusammen and dem Stück. Wir waren in einem Haus am Meer in der Bretagne und haben einfach angefangen, zusammen zu jammen und zu singen. Stylophone, Ukulele, ein kleiner Rap. Wir hatten ’ne tolle Zeit beim Schreiben! Die sexy Stimmen beim Refrain sind spontan während der Studiozeit dazugekommen, als wir unser erstes Album aufgenommen haben.

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15. Alex Highton – The Truth

Alex Highton zählt zur alten Schule der Singer Songwriter. Wahrscheinlich würde er an dieser Stelle über das Wörtchen „alt“ schmunzeln, sodass sich die Lippen unter dem Rauschebart ein wenig kräuseln, gehört er doch auf unserer Compilation tatsächlich zu jenen Musikern, die schon ein paar mehr Lenze auf dem Kerbholz haben, als ihre faltenfreien Kollegen. Nur tut das der Passion, mit der er an seinen, immer handgemachten, Liedern arbeitet, absolut keinen Abbruch. Im Gegenteil. Alex Highton ist angekommen. Angekommen in einem erwachsenen Leben. Seine Sturm- und Drangphase hat der Brite mit dem Umzug vom lauten London in die ländliche Grafschaft Camebridgeshire hinter sich gelassen. Im beschaulichen Woodditten fand er die Kreativität, nach der er gesucht hatte, um mit „Woodditten Wives Club“ eines der ehrlichsten und aufrichtigsten Alben des letzten Jahres aufzunehmen. Aktuell bastelt er fleißig an einem Nachfolger  zu jener wunderbar authentischen Platte. Darüber hinaus fand der Sympath, mit typisch englischem Humor, jedoch auch die Zeit, uns mit „The Truth“ ein gereiftes, recht klassisches Meisterwerk für „Kultverdächtig I“ abzuliefern, auf dem Mr. Highton sogar Klavier spielt. Das passiert nämlich wahrlich nicht oft.

Das Stück handelt davon, wie einige Menschen die Wahrheit preisgeben, wenn sie es gar nicht müssten. Wie sie ihr Gewissen reinigen und dabei der Person, der gegenüber sie ihr Geheimnis lüften, das Gefühl geben, innerhalb dieses Prozesses wirklich bescheuert zu agieren. Manchmal ist es sehr egoistisch, die Wahrheit zu erzählen.

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16. Peter Piek – Love And Death Are Bigger (Demo)

Love him or hate him. Peter Piek spaltet die Musiknation. Es gibt diejenigen, die den sächsischen Multidimensionskünstler als verrückt und nervig einstufen und dann gibt es die, die in ihm nahezu eine Reinkarnation des allumfassenden Genies sehen. Wir von Kultmucke zählen uns da wohl eher zur zweiten Fraktion und stimmen gern in die Lobgesänge mit ein, die Peter Piek und sein Gesamtwerk ehren. Nie war es eine derartige Herausforderung, ein „Kultverdächtig“ zu formulieren, wie im Fall des in Chemnitz geborenen Eigenbrötlers. Wie fasst man in wenigen Worten eine Karriere zusammen, die gleichermaßen in Malerei, Poesie und Musik verwurzelt ist? Deren Verästelungen von zahlreichen Bildern und Zeichnungen, über die sogenannte „Heiland-Trilogie“ und drei gut bestückte Alben, bishin zu der Konzeptionalisierung und Betreuung einiger visionärer Projekte reichen? Ist das überhaupt möglich? Wohl kaum. Also erfreuten wir uns einfach an den Früchten, die dieser Lebensweg für seine Wegbegleiter von jeher bereithält. Exotisch mutet dabei vor allem „Love And Death Are Bigger“ an. Lange als rudimentäre Skizze auf seinem Soundcloud-Account vergraben, stellte uns Peter Piek eine angemasterte Version zur Verfügung, die als „Love And Death Are Bigger (Demo)“ mit all den anderen Tracks die Reise in eure Gehörgänge antreten möchte.

Love And Death Are Bigger! Es ist ein Song gegen die Anmaßung des Menschen, über allem stehen zu wollen. Der Mensch sitzt auf diesem tollen Planeten, der uns alles bietet. Er verhält sich wie ein kleiner egoistischer Vollidiot. Liebe ist das Einzige, was uns alle rettet.

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17. Reba Hasko – Oh Ye Of Little Faith (Brooklyn Reprise)

Wie sollte man eine Compilation wie „Kultverdächtig I“ ausklingen lassen? Vielleicht, in dem man zu ihren Anfängen zurückkehrt. Reba Hasko reichte es nicht, uns einfach eins ihrer Stücke zu schenken. Nein, der ständig rumorende, nicht still zu kriegende Geist, der die New Yorkerin umtreibt, arbeite Tag und Nacht daran, das wunderbare „Oh Ye Of Little Faith“ gleichzeitig auf eine neue klangliche Ebene zu heben. Dass als Resultat ein mystisches mantraartiges Abbild des Originals entstehen würde, hatte wohl keiner erwartet. Am wenigsten die Sängerin selbst. „Oh Ye Of Little Faith (Brooklyn Reprise)“ streckt seine Hände aus und umarmt mit seinem Spiegelbild die restlichen 15 Songs auf „Kultverdächtig I“. Behutsam, liebevoll, beschützend.

Für das „Brooklyn Reprise“ fühlte ich gegen Ende etwas wie ‚Verdammt, lass uns die Seele aus dem Leib tanzen“!

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