Kultverdächtig: Lisa Alma

In Musik by Martin

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Frauenpower bei “Kultverdächtig”. Wirft man einen Blick auf die zu besagter Rubrik gehörende und von uns ins Leben gerufene Coverplaylist, so fällt auf, dass 30 der insgesamt 47 Tracks von weiblichen Stimmen eingesungen wurden. Da sage noch mal einer, das vermeintlich schwache Geschlecht habe sich in der Musikindustrie nicht emanzipieren können. Mit dem heutigen Beitrag hält eine weitere Dame Einzug in unsere Newcomer-Kolumne: Lisa Alma.

Verführt

Lisa Alma by Jim Rosenberg (2)Was bedeutet Musik für dich?

Musik ist ohne Zweifel einer meiner besten Freunde. Ein solider Fels in der Brandung, auf den ich mich immer verlassen kann. Wahre Geschichte.

Lisa Alma, die mit bürgerlichem Namen Lisa Bregneager Larsen heißt, versteht es, ihre Hörer zu verführen. Dabei ist es vor allem ihre laszive Mischung aus Synthie Pop, Electronica und Soul, die das Publikum begeistert. Sie selbst fasst diese unter dem charmanten Begriff Dream’n’Beat zusammen und trifft damit den Nagel recht gut auf den Kopf. Gleichzeitig erinnern Lisa Almas Songs aber auch an Werke strahlender Achtziger-Ikonen wie zum Beispiel die der nigerianisch-britischen Sängerin Sade. Genau bei dieser bediente sich die hübsche Blondine auch, als es darum ging, ein Stück zu finden, das sie im Rahmen von “Kultverdächtig” neu interpretieren könne. Ihre Wahl fiel auf “By Your Side” vom 2000er Album “Lovers Rock”.

Ich bin einer großer Fan von Sades Musik. Leute kamen auf mich zu und meinten, es gäbe Ähnlichkeiten zwischen uns, was mich letztlich dazu veranlasste, mich einem ihrer Stücke anzunehmen.

Inwiefern ist dein “Lovers Rock” speziell?

 “Allem voran handelt es sich dabei um eine Version, die ich in meinem Apartement aufnahm.”

Musik zu machen ist für Lisa Alma ein Bedürfnis, das sie seit ihrer frühsten Kindheit begleitet. Aufgewachsen in einer Kleinstadt namens Ringkøbing, direkt an der Nordsee, nimmt die siebenjährige Lisa begeistert Melodien mit ihrem Kassettenrekorder auf, während der Vater im Nebenzimmer auf seiner Trompete herumdudelt, das Drumkit des Bruders aus dem Keller heraufschallt und die Anlage im Wohnzimmer ununterbrochen Miles Davis Platten abspielt. Mit vierzehn folgen dann erste ernstznehmende Gitarrenkompositionen, an denen sogar in einem Probestudio in Kopenhagen gefeilt wird. Zunehmend begreift die Heranwachsende, dass es die Welt aus Ton und Klang ist, die ihr den Wind unter den Flügeln verleiht. Nach dem Beenden der Schule entscheidet sie, gen London zu entfliegen, um dort Gesang und Musikproduktion zu studieren. Zurück in Dänemark schließt sie mit einem Bachelor in Musikwissenschaften ab, der widerum von einem Master in Theater und Performance gekrönt wird.

Inwiefern ist ein musiktheoretischer Hintergrund aus deiner Sicht sinnvoll?

“Das hängt davon ab, was für ein Künstler du bist. Manche wachsen an einer Ausbildung, andere werden durch sie begrenzt. Als ich studierte, realisierte ich, dass ich gut im Produzieren bin. Viele meiner Kommilitonen hingegen kannten sich mit Technik und Theorie aus. Ich war schon immer besser darin, praktisch zu arbeiten.”

2013 veröffentlicht Lisa ihr Debüt “Lisa Alma” in Eigenregie und etabliert damit ihr gleichnamiges Alterego. Es fühlt sich für sie nach dem richtigen Zeitpunkt an. Ihr Studium ist beendet, ihre Soundpräferenzen geklärt und ihr Kopf randvoll mit den wildesten tonalen Visionen. Einigen dieser folgt sie innerhalb der neun auf ihrem Erstlingswerk befindlichen Tracks. Die recht eigenwillige Kombination aus elektronischen Klangteppichen und warmen Gesängen erreicht in der Folge ein paar akustische Headhunter, die Lisa Alma an das Label Ikaros vermitteln, das sie umgehend unter Vertrag nimmt und ihren Dream’n’Beat einem breiteren Publikum zugänglich macht.

Was hast du selbst getan, um deine Popularität zu steigern?

“Ich habe meine Videos mithilfe des Wunderwerks Internet geteilt und etliche Leute kontaktiert.”

Fühlst du dich mit deinem Debüt noch wohl?

“Ja und nein. Ich denke, es war eine wichtige Platte, denn sie stellt den Beginn der Reise dar, auf der ich mich jetzt befinde. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich bin. Wenn ich sie mir anhöre, finde ich aber vieles, das ich heute anders machen würde.”

Anders macht Lisa Alma einiges auf der Nachfolge-EP “Oh Darling, Let’s Be Adventurers”. Vier Songs dokumentieren dabei den Entwicklungsdrang einer jungen Kreativen, die kurz zuvor ihre erste Tour hinter sich gebracht hat. Zu den vollmundigen Synthiekompositionen gesellen sich auf “Oh Darling, Let’s Be Adventurers” auch organischere Texturen, in Form von Klavier-Passagen und a-capella-artigen Gesangseinlagen. Lisa Almas Stimme wird so in das Rampenlicht geführt, das sie braucht, um zu leuchten. Gleichzeitig fungiert die EP als Bindeglied zu Album Nummer zwei: “Sweater”.

Sweater CoverartWovon handelt “Sweater”?

“Von gejagter, grauer Romantik, von unerfüllter Liebe oder der Tatsache, dieser hinterherzurennen, und davon, 27 bis 28 zu sein.”

Runder, dramatischer und noch durchdachter als das, was Lisa Alma zuvor veröffentlicht hat, gewinnt “Sweater” die Gunst seiner Hörer. Gebunden an eine in die Knie zwingende Sinnlichkeit begeistern Tracks wie das hoffnungsvolle “Fine”, das schwelgerische “Invite” oder das spannungsgeladene “Low”. Lisa Alma schwingt sich derweil zur feinfühligen Songwriterin auf, die den schmalen Grat zwischen Anmut und Kitsch perfekt zu beschreiten weiß. Man kann gar nicht anders, als dieser Platte zu verfallen, und so erwischt man sich schnell dabei, wie man ganze Nachmittage damit füllt, auf der Couch herumzuliegen und sich in der Üppigkeit von “Sweater” zu suhlen.

Welches sind deine persönlichen Lieblingstracks auf dem Album?

“Das ändert sich oft. Ich liebe es, “Raw” und “Head Winds” mit meiner Band zu spielen. Aber mein Favorit ist zur Zeit vermutlich “Fern”.

Das Artwork zu “Sweater” zeigt dich, wie du gerade aus dem Ozean emporgestiegen bist. Wie war es, das entsprechende Foto zu shooten?

“Es war verdammt kalt. Ich schrieb all diese Songs, als ich von der Liebe erregt, enttäuscht, frustriert und begeistert war. Dann wollte ich diese Gefühle loswerden, weil sie zu viel wurden. Dementsprechend brauchte ich eine starke, körperliche Reaktion. Ins eisige Wasser zu springen, schien da eine gute Idee zu sein.”

Reingewaschen und mit neuer Klarsicht gesegnet, beschließt Lisa Alma, ihren Nebenjob in der Nationalgalerie in Kopenhagen, dem sie jahrelang nachgegangen war, zu kündigen, um sich fortan kompromisslos auf die Musik und all ihre anderen künstlerischen Projekte konzentrieren zu können.

Ich sortiere mich neu. Das fühlt sich bedrohlich und wahrhaftig zugleich an.

Ein mutiger Schritt in einer Gesellschaft, die kaum noch bereit ist, auch nur einen einzigen Cent für kreative Impulse anderer Menschen auszugeben.

Lisa Alma by Erika Svensson

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

“Jetzt geht es erst einmal nach New York, wo ich neue Musik schreiben und ein paar Shows spielen will. Im Herbst intensiviere ich das Songwriting dann. Ich möchte auch für weitere Zusammenarbeiten offen sein. Das wird eine vollgepackte Zeit, die von einer kleinen Deutschlandtour, einer Ausstellungseröffnung in Edinburgh, ein paar Kollaborationen und neuen Songs begleitet werden wird.”

Gewinnspiel

Um abschließend eine “Sweater”-Vinyl und ein passendes Shirt (Größe L) zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Lisa Alma“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist der kommende Freitag, der 04.09.2015. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

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