Kultverdächtig: Leyya

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In den letzten Jahren ist vielerorts ein elektronischer Einheitsbrei gekocht worden, der Stück für Stück, Band für Band, zum auditiven Massengeschmack avancierte – ungeachtet von Qualität und Finesse. Mit betäubten Geschmacksnerven irrt das Publikum seitdem durch die Musikmärkte, Streamingportale und Plattenläden, stets auf der Suche nach neuen Artists, die es verschlingen kann. Der Hunger jedoch bleibt. Ein Duo, das hingegen auch nachhaltig zu sättigen vermag, haben wir in den Österreichern Leyya entdeckt.

Drumbeats statt Jodler

Leyya by Susanne Erler (2)Was bedeutet Musik für euch?

Musik machen ist das Einzige, das wir können.

Chaos vs. Routine, Woman vs. Man, Art vs. Pop – so beschreiben der 21-jährige Marco und die 22-jährige Sophie ihr gemeinsames Projekt Leyya, das aus einer langjährigen Freundschaft der beiden Österreicher zueinander resultierte. Irgendwann war für die Nachwuchstalente der Punkt erreicht gewesen, an dem ihr gemeinsames Herumexperimentieren mit Melodien und Beats nicht mehr nur dem reinen Vergnügen gedient, sondern eine derart ernsthafte Gestalt angenommen hatte, dass sie diese in die Welt hinaustragen wollten. 2015 zählen Leyya zu den interessantesten Newcomeracts, die die Independentbranche zu bieten hat.

Worin seht ihr Vorteile, ein Duo statt einer mehrköpfigen Band zu sein?

“Es ist einfacher, schneller Entscheidungen zu treffen, da zu viele Köche ja bekanntlich den Brei verderben. Im Live-Setting treten wir jedoch meist als Band auf, also zu viert, weil wir dadurch mehr Energie transportieren können und uns das sehr wichtig bei unseren Konzerten ist.”

Eine klare Aufgabenverteilung gibt es bei Leyya ganz bewusst nicht. Um Routine und Wiederholung entgegenzuwirken, versuchen Sophie und Marco sich stets alle Wege offenzuhalten, vor allem, was das Songwriting und Komponieren ihrer Stücke betrifft. Diese jugendliche Neugier, gepaart mit der fast schon weisen Erkenntnis, dass man als Musiker immer auch gewissen Zwängen unterworfen ist, macht Leyyas Musik zu einem Quell an Kreativität und Extravaganz.

Uns ist es wichtig, dass wir bei unserer Musik viel Interpretationsfreiraum schaffen, um den Hörern selbst zu überlassen, was sie hören oder empfinden wollen.

Inspiriert von ihrem Umfeld, anderen Künstlern und den Menschen, die sie auf ihren bisherigen Wegen begleitet hatten, machten sich Sophie und Marco vor Jahren – und nur mit einer Gitarre bewaffnet – auf die Suche nach ihrem ganz persönlichen Sound, ihrer musikalischen Identität. Heute ist an ihre Band Leyya der Wunsch geknüpft, irgendwann vielleicht sogar den Lebensunterhalt mit dieser bestreiten zu können. Fest in die österreichische Musikszene haben sich Leyya jedenfalls schon integriert.

Wie kann man sich die österreichische Musikszene denn vorstellen?

“Klein, aber manchmal fein. Wir finden viele österreichische Künstler super, mit denen wir auch immer wieder indirekt zusammenarbeiten. Es ist ein großes Vorurteil, dass es in Österreich nur volkstümliche Musik gäbe.”

Leyya by Susanne Erler (3)

Wie seid ihr an die Verwirklichung eures Debüts herangetreten?

“Der Prozess war eher automatisch. Wir haben auch viel Material verworfen. Es war nicht von Anfang an unsere Intention, dass das jetzt ein Album wird. Das hat sich dann am Ende einfach so ergeben.”

Leyya - Spanish DiscoRecht typisch für ein Erstlingswerk bildet also auch Leyyas “Spanish Disco” eher Sammelsurium zahlreicher Ausflüge in ein noch unerforschtes Klanguniversum denn durchdachtes Konzeptalbum. Auf ihrer tonalen Entdeckungsreise ließen sich Sophie und Marco dabei besonders von der Thematik der Generation Y leiten, die das Gefühl, nutzlos zu sein, tief in sich verwurzelt hat. Gleichsam, und das macht diese Platte zu einer echten Sensation, bietet “Spanish Disco” jedoch alles andere, als eine tiefe Leere. Auf klanglicher Ebene erstreckt sich vor dem Zuhörer ein weites Feld aus elektronischen Texturen, poppigen Baselines und ausgeklügelten Synthiespielereien. Wüsste man es nicht besser, würde man hier keinesfalls das Debütalbum zweier Anfang Zwanzigjähriger vermuten – zu komplex, zu reif präsentieren sich Stücke wie das desolate “Hooligan”, das laszive “Brando” oder das schwelende “Drowning In Youth”.

Wir sind stolz auf die Platte, weil eine Menge Arbeit darin steckt und sie im Endeffekt besser geworden ist, als geplant.

An ein jedes Kultverdächtig-Feature ist die Aufgabe gebunden, einen exklusiven Coversong für die entsprechende Soundcloudplaylist einzuspielen. Für Leyya anfangs eine echte Überwindung.

Normalerweise halten wir nichts vom Covern, da wir die Energie, die wir investieren müssen, auch für eigenes Material verwenden könnten. Unserer Meinung nach macht ein Cover nur Sinn, wenn es auch funktioniert, obwohl man das Original nicht kennt.

Und genau das ist Leyya mit ihrer Version von “Drifting Away”, einem Stück der Heavy Minds aus Linz, gelungen. Nahtlos schließt der Track dort an, wo “Spanish Disco” aufhört, und zeigt, dass Sophie und Marco durchaus in der Lage sind, sich auch die Werke anderer Musiker zu eigen zu machen. Mittlerweile hat es der Song sogar bis in das Liveset des Duos geschafft, was uns als Anstifter dieses akustischen Seitensprungs natürlich ungemein freut.

Was denkt ihr über die Werke eurer Kultverdächtig-Kollegen? Welche Songs gefallen euch besonders gut?

Es ist schwierig nur wenige herauszupicken, weil alle Tracks wirklich interessant sind. Besonders gut fanden wir aber das Louis Armstrong Cover von lilabungalow, das Arcade Fire Cover von Nicolas Huart und das James Blake Cover von Rufus Dipper. Letzteres fanden wir vor allem sehr gelungen, weil das Arrangement sehr durchdacht wirkt und in der Playlist aus irgendeinem Grund heraussticht.”

So scheinen Leyya schließlich versöhnt mit dem Gedanken, einmal die eigenen Pfade verlassen zu haben und bereits beschrittenen Wegen gefolgt zu sein. Allerdings nicht, ohne eben ihren ganz individuellen Fußabdruck hinterlassen zu haben.

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Was sind eure Zukunftspläne?

“Wir arbeiten nahezu rund um die Uhr an Musik und werden das auch weiterhin machen. In der Branche in der wir uns bewegen, kann man auch nicht wirklich weit in die Zukunft planen.”

Gewinnspiel

Um abschließend eine von zwei handsignierten “Spanish Disco”-CDs zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Leyya“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist der kommende Freitag, der 07.08.2015. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

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