Kultverdächtig: lilabungalow

In Musik by Martin

Genre:

Der Winterschlaf hat ein Ende. Nachdem unsere Rubrik „Kultverdächtig“ sich im Dezember, und nach der Veröffentlichung der Compilation „Kultverdächtig II“ sowie eines Weihnachtsspezials mit dem Berliner Duo Fangirls, in eine kleine Pause verabschiedete, klopft nun der auditive Frühling heftig an die Tür. Im Schlepptau hat dieser eine frische Brise noch weitestgehend unentdeckter Newcomer, die es vorzustellen gilt. Beginnen wollen wir mit einem recht extravaganten Trio aus Erfurt: lilabungalow.

Aus eins mach zwei, mach sieben, mach drei

lilabungalow by Christine Burkart (1)Was bedeutet Musik für euch?

Musik gibt uns die Möglichkeit, unsere Energien extrem leidenschaftlich auszuleben. Jede Situation im Leben wird von Klängen und Geräuschen begleitet. Musik ist aber noch etwas geordneter und kann einen Moment tief in der Erinnerung verankern.

Es war während seines Lehramtsstudiums, als Patrick Fölmmer beschließt, einer inneren Unruhe, die ihn seit Jahren begleitet, nachzugeben und konsequent dem zu folgen, was sich schon lange abgezeichnet hat – nämlich dem Drang, seinen akustischen Ideen Ausdruck zu verleihen, endlich ein Zuhause zu bieten. So bezieht der langhaarige, schlanke Kerl den lilabungalow. Allein lebt es sich zwar recht schön im kreativen Chaos, doch braucht es für die gewisse Fulminanz in Sachen Sound und Bühnenpräsenz oft ein paar Kompagnons. Patrick schachert in der Folge allerhand Geleit um sich und startet die Aufnahmen am selbst betitelten Debütalbum „lilabungalow“.

Wie bewertest du das Album im Nachhinein, Patrick?

Patrick: „Es ist ein gutes Album. Ich liebe es, sonst hätte ich es nicht aufgenommen. Es war der erste Kontakt mit unserer Musik, der Welt und es finden sich ein paar großartige Songs wie ‚Sharp Guy‘ oder ‚Homeflow‘ darauf.“

Schon mit den ersten Aufnahmen, die lilabungalow veröffentlichen, wird eins klar: Diese Band ist irgendwie anders. Auf charmante Art und Weise schaffen es Föllmer und Co., ihren Kompositionen einen ganz individuellen Schliff zu verleihen, wodurch sie sich deutlich vom allgemeinen Radiogedüdel oder der Understatement-Welle vieler Independent-Newcomer abzuheben wissen. Mit einer Mischung aus Pop, Funk, Rock und Indietronica besetzt die Truppe eine ganz eigene akustische Nische. Nachdem es sich verschiedenste Gesellen dort neben Patrick gemütlich gemacht haben, sind es irgendwann René Kolditz und David Bönsch, die einen Dauerplatz im Universum von lilabungalow beanspruchen wollen.

Wie kam es zur jetzigen Besetzung von lilabungalow?

Patrick: „Dave war einfach konsequent. Ich hab ihn mal erlebt, wie er gesagt hat, dass er in dieser Band spielen möchte, egal was, auch wenn es nur die Triangel sei. Und so ähnlich war es dann auch. Von der Schlagzeugaushilfe hat er sich über die Percussion bis an den Bass gearbeitet. Ja, und mit René, da war es ähnlich. Er war als Aushilfe auf der Support-Tour für Grönemeyer dabei und ist dann einfach geblieben. Wir haben uns während der Auftritte das erste Mal sehr wohl gefühlt in der Besetzung. Davor hatten wir ja schon alles ausprobiert: Duett, Quartett, Septett.“

lilabungalow by Christine Burkart (2)

Folgt ihr als lilabungalow irgendeiner Maxime?

1. Wir machen nichts, wobei wir ein schlechtes Bauchgefühl haben.
2. Wer ein Problem hat, muss den Mund aufkriegen.
3. Die Liebe ist ein sau scharfes Schwert.

Im Einklang, und das sowohl auf persönlicher als auch musikalischer Ebene, geht es für das frisch entstandene Trio weiter in Richtung Zukunft und gleichsam auch an die Arbeiten für ein von Publikum und Kritikern lauthals gefordertes Zweitwerk. Dieses trägt den Titel „Peace to Gold“ und ist mit dem heutigen Tag auch beim Plattenladen des Vertrauens sowie allen gängigen Downloadportalen zu erstehen – und es lohnt sich, diese Platte genauer zu erkunden. Warum? Weil sie einen Gegenentwurf zur vielerseits überschätzten Fancyness darstellt und stattdessen einen bunten akustischen Spielplatz darstellt, auf dem es sich nur allzu gut toben lässt.

Peace to GoldInwiefern ist „Peace to Gold“ anders als sein Vorgänger?

„‚Peace To Gold‘ ist geradliniger, mehr auf den Punkt. Wir sind als Band mehr zu hören. Außerdem haben wir soundmäßig in der Produktion noch mal einen draufgelegt. Die Platte klingt ziemlich fett.“

Und das tut sie tatsächlich. „Peace to Gold“ ist ein Album, das durch seine unaufdringliche Opulenz begeistert. Da zelebriert ein Stück wie „Mother Love“ die ausgelassene Rockstar-Attitüde, wohingegen das titelgebende „Peace to Gold“ einem sanften Folkeinschlag folgt, „Diamond Face“ sich voller Groove und Glamour unter die Discokugel begibt und „Mean Saints“ zum Traumtanz ansetzt. Es gibt tatsächlich nichts, was es nicht gibt, auf „Peace to Gold“. So wird die Scheibe, die sich thematisch mit durchaus sozialkritischen Themen wie dem ungleichmäßig auf der Erde verteilten Wohlstand und dem Wert von Frieden beschäftigt, zu einem wahren Klangglanzstück.

Wir widmen darauf Schreibtischtätern, guten Freunden, bösen Geistern und all den Pimps kleine Geschichten, Stillleben, lyrische Momente und epische Verarbeitungsvorgänge.

Wie passt eure Musik in das aktuelle Popgeschehen?

Patrick: „Wenn ich jetzt mal den kleinen Popmusikbaukasten aufmache, kommen folgende Erkenntnisse zum Vorschein: brutal eingängige Linien, fieses Entertainment, Futuresounds und echte Songs. Das alles steckt im lilabungalow und das ist auch gleichzeitig unsere Schnittmenge mit dem Popgeschehen.“

Nun ist eine Band wie lilabungalow, aufgrund ihrer Präsenz und Exzentrik, wahrlich für das Bühnenleben gemacht. Demnach freuen wir uns auch, die Herren Föllmer, Kolditz und Bösch auf Tour durch unsere schöne Republik schicken zu dürfen. Ein Besuch in Berlin steht dabei am 05.04.2015 natürlich auch auf dem Programm.

Was erwartet das Publikum?

„Maaaaagiiiiieeee, drei Freunde, die amtlich ausrasten, ein feiner Sound, eine cremige Optik and much L.O.V.E.“

In auffälligen Bühnenoutfits und vermutlich auch mit dem Hauch einer Alkoholfahne – immerhin gönnen sich lilabungalow gern noch einen letzten Kurzen, bevor ihre Konzerte starten – wird die Band das Publikum verzaubern und von der Hektik des Alltags befreien.

Als Präsentator freuen wir uns sehr auf eure Konzerte. Wie viel Kultmucke steckt denn in eurer Musik?

„Nach dem ersten Mal hören 80%, nach dem zweiten Mal 120%.“

lilabungalow by Christine Burkart

Unsere Kolumne „Kultverdächtig“ wäre nicht die, die sie ist, wenn wir es versäumen würden, auch lilabungalow, genau wie all ihren Kollegen zuvor, die Aufgabe zu stellen, einen Coversong für unsere exklusive Playlist aufzunehmen. Während das Trio sich vor allem an LUAIs Version des Haddaway Klassikers „What Is Love“ erfreute, werkelten sie selbst fleißig an einer Neuinterpretation von Louis Armstrongs „What a Wonderful World“.

„Wenn man den Song ohne den verklärten Blick auf seine Geschichte und alle damit verbundenen Klischees singt oder hört und ihn in unsere Zeit holt, dann ist er fast ein bisschen zynisch. Wir betrachten den Text eher als eine Aneinanderreihung von Fragen. Denn all die Aussagen, die da getroffen werden, passen häufig nicht zu unserer Welt. Diesen Song zu nehmen, ihn seiner Klischeeneigung zu berauben und ihn als einen ironischen Spiegel für die Wirklichkeit zu benutzen, machte uns Laune.“

Was macht unsere Welt wundervoll?

Im Großen wie im Kleinen wird die Welt dort wundervoll, wo alles so sein darf, wie es ist.

Mit einer schöneren Aussage wie dieser könnte man dieses Feature nicht enden lassen, hätten wir da nicht noch eine letzte Frage parat.

Gibt es etwas, wovor ihr in Bezug auf eure Karriere denn Angst oder Sorgen habt?

„Na logo, die Standardsorge Nummer eins, die man als Musiker hat: Was passiert nach der Plattenveröffentlichung und der Tour? Werden wir arm sein? Werden wir genug Schmott haben, um noch ein Album machen zu können? Lieber Kultmucke-Leser. Heute mehr denn je braucht das lilabungalow euren Support. Das setzt natürlich voraus, dass ihr unsere Töne dufte findet. Erzählt guten Freunden mit viel Herz von uns, kommt auf die Konzerte und am besten besorgt euch am besten auch die neue Platte. Wir danken euch für eure Aufmerksamkeit.“

Kultverdächtig

Es gibt sie also noch – Bands, die es verstehen, sich von der grauen Masse durch eine gewisse Pfiffigkeit und den Hang zur Experimentierfreudigkeit abzuheben. lilabungalow sind eine solche Band und dadurch mehr als prädestiniert, Teil der „Kultverdächtig“-Familie zu werden. Wir sind begeistert und hoffen, dass auch ihr euch von der lilabungalow-Euphorie anstecken lasst.

Gewinnspiel

Auch im neuen Jahr lassen wir uns nicht lumpen und halten zu jedem „Kultverdächtig“-Feature ein paar wunderbare Preise bereit. Dieses Mal könnt ihr mit etwas Glück eins von zwei handsignierten CD-Exemplaren des Albums „Peace to Gold“ von lilabungalow gewinnen. Schickt dafür bis spätestens kommenden Dienstag, den 03.03.2015 eine Mail mit dem Betreff „lilabungalow“ an martin@kultmucke.de. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Interessante Links

Offizielle Website von lilabungalow

lilabungalow bei iTunes

Soundcloud-Profil von lilabungalow

lilabungalow bei Facebook

Fotos © by Christine Burkart